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Samstag, 11.11.2017

Blutspende in der Kritik

Das DRK wirbt um Spender. Doch in einem Medienbericht wird der Verein als „scheinheiliges Imperium“ dargestellt.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Blutspenden für Kranke und Unfallopfer ist richtig und wichtig. Doch handeln die DRK-Oberen immer nur gemeinnützig?
Blutspenden für Kranke und Unfallopfer ist richtig und wichtig. Doch handeln die DRK-Oberen immer nur gemeinnützig?

© Symbolbild/Uwe Soeder

Großenhain. Blutspendetermin in der Großenhainer Feuerwehr. Reichlich 40 Spender sind an diesem Nachmittag gekommen. Erst ab 50 Spenden lohnt sich der Aufwand des Deutschen Roten Kreuzes, weiß Rosemarie Kunde, die als Ärztin im Ruhestand die Blutabnahme begleitet. „Früher, ja da haben ganze Betriebe gespendet, da stand Großenhain gut da“, weiß die Medizinerin, die in der DDR in der Schmiede tätig war.

Tatsächlich spenden 2,7 Prozent der Bevölkerung in Ostdeutschland laut einer DRK-Analyse ihr Blut – im Westen sind es dagegen rund 4 Prozent. Auch der DRK-Blutspendedienst Nord-Ost, der die Bundesländer Sachsen, Berlin, Brandenburg, Hamburg und Schleswig-Holstein umfasst, wirbt daher ständig um neue Spender. Sogar zu Halloween gab es in Dresden eine große Aktion. Kabarettist Uwe Steimle ist als Botschafter des DRK-Dienstes unterwegs, um das Engagement der ehrenamtlichen Spender und der Mitarbeiter zu fördern. Für ihn sind sie „Helden des Alltags“.

Doch als Ärztin Rosemarie Kunde und Schauspieler Uwe Steimle den jüngsten „Stern“ lasen, verschlug es ihnen die Sprache. Da wurde das DRK als „scheinheiliges Imperium“ angeprangert, als „Vermögensverwaltung mit angeschlossenem Blutspendedienst“. Der Autor, der selbst Blut spendet und das für „richtig und wichtig“ ansieht, nahm sich auch den medizinischen Geschäftsführer des sächsischen DRK-Blutspendedienstes Torsten Tonn vor.

Der hatte in einer Dienstberatung, bei der Rosemarie Kunde dabei war, davon gesprochen, dass Sachsen Blut aus den süddeutschen Bundesländern zukaufen müsse. Deshalb drängte er auf mehr und mehr Spenden. Gegenüber der SZ Großenhain erklärte Torsten Tonn jedoch, dass Sachsen seinen Bedarf gut decken könne. Gemeinsam mit der Haema würden rund 1000 Spenden täglich eingesammelt, davon 800 durch das DRK.

Stimmt also der Vorwurf von der geldgierigen „Blut AG“? Rosemarie Kunde kann den Stern-Bericht bestätigen. „Mein Arbeitsvertrag als Honorarärztin ist ein Beispiel, früher habe ich mehr als das Doppelte verdient“, sagt sie. Noch schlechter gehe es den Schwestern, die „nicht gut bezahlt werden“, so Kunde. DRK-Helfer bekommen gleich gar nichts. Auch beim Spenderfrühstück wurde jetzt gestrichen. Der Blutspender muss sich zwischen einem Imbiss und einem Naschbeutel entscheiden. Fünf Euro Kosten dürfen nicht überschritten werden.

110 Euro sei der Preis für einen Blutbeutel, also einen halben Liter, steht im Stern-Beitrag. Rosemarie Kunde weiß von 84 Euro. Gibt es da einen Unterschied zwischen Ost und West? Auch Rosemarie Kunde werde immer mal wieder mit dem Vorwurf konfrontiert, das DRK-Blut werde doch ins Ausland verkauft, sagt sie. „Da hab ich immer heftig widersprochen“, so die Großenhainerin. Doch was nun offenkundig wurde, glaube sie weitgehend, sagt Rosemarie Kunde. Weil sie es mit Beispielen aus der Region belegen könne. Allzu kritisches Nachfragen sei da nicht erwünscht.

Dass es einen starken Kostendruck gibt, hatte auch Torsten Tonn nicht abgestritten. Doch Generalsekretär Christian Reuter veröffentlichte auf der DRK-Internetseite schon einen Tag nach Erscheinen des „Stern“ eine Erklärung, in der er dem Magazin „einseitige Berichterstattung“ vorwirft. Der Bericht sei nicht nur „stark tendenziös“, sondern enthalte auch „Unwahrheiten“, weshalb gegen den „Stern“ rechtliche Schritte eingeleitet wurden. Vor allem wird auf die seit Jahren öffentlichen Geschäftsberichte verwiesen, die eine „größtmögliche Transparenz“ darstellen. Das Deutsche Rote Kreuz als gemeinnütziger Verein habe das deutsche Spendensiegel.

Blutspende-Botschafter Uwe Steimle will seine Mission deswegen nicht beenden. „Blut brauchen wir alle, und so kann man überparteilich etwas für unsere Gemeinschaft tun“, sagt der Dresdner. Er selbst werde selbstverständlich weiter beim DRK Blut spenden. Und er ruft auch weiterhin dazu auf. „Die gute Sache darf nicht durch Einzelne diskreditiert werden“, so Steimle. Er meint aber auch: „Man darf niemanden vorverurteilen.“ Die Stern-Vorwürfe müssten gut geprüft werden.