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Freitag, 13.07.2018

Blinder Leichtathlet gewinnt deutschen Meistertitel

Von Reiner Seifert

Dariusz Ziniewicz wird von seinem Begleitläufer Frank Püschel an einem kleinen Band geführt. Der Begleitläufer muss selbst ausgesprochen fit sein, um für den schnellen ausdauernden Ziniewicz keine Bremse zu sein.Foto: privat
Dariusz Ziniewicz wird von seinem Begleitläufer Frank Püschel an einem kleinen Band geführt. Der Begleitläufer muss selbst ausgesprochen fit sein, um für den schnellen ausdauernden Ziniewicz keine Bremse zu sein. Foto: privat

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Der 52-jährige Zittauer Dariusz Ziniewicz kann es noch immer nicht fassen: „Dass ich bei einer deutschen Meisterschaft einmal einen Meistertitel gewinne, hatte ich nicht zu träumen gewagt“, bekennt der an einer unheilbaren Augenkrankheit leidende und fast blinde Dariusz Ziniewicz mit bewegter Stimme. „Die uneigennützige Hilfe meiner Leichtathletikfreunde von der HSG Turbine Zittau hat es möglich gemacht, dass ich mich zielgerichtet auf die deutsche Leichtathletik-Meisterschaft des Behindertensportverbandes vorbereiten konnte. Ohne diese Unterstützung könnte ich sportlich nicht aktiv sein, wären die Erfolge nicht denkbar. So gehört eine Seite der gewonnenen Medaillen immer meinen Helfern“, erklärt Dariusz Ziniewicz. Bei den zweitägigen nationalen Titelkämpfen in Kienbaum waren das sein Begleitläufer Frank Püschel und HSG-Abteilungsleiter Hansjens Schoening, der sich als Fahrer und Betreuer um alles kümmerte.

„Ich war gut vorbereitet, hatte drei- bis viermal in der Woche im Weinaupark-Stadion unter Anleitung von Mario Renner und mit meinen Begleitläufern rund um den Olbersdorfer See trainiert“, berichtet Darek Ziniewicz, der bei den Meisterschaften drei Läufe bestritt und auf Anhieb für einen Paukenschlag sorgte. Der Zittauer startete über 800 Meter in der Schadensklasse T12 B2 (hochgradig sehbehindert) der Altersklasse M50 und sicherte sich in 2:42,46 Minuten den Meistertitel. „Eine gute Zeit, aber viel wichtiger war der Titelgewinn“, macht Dariusz Ziniewicz auch im Nachhinein aus seiner Freude kein Hehl.

Das 1 500-Meter-Rennen war offen für alle Alters- und Schadensklassen ausgeschrieben. Der Zittauer musste sich letztlich der zwischen 18 bis 25 Jahren jüngeren Konkurrenz geschlagen geben und kam in 5:38,64 Minuten als Vierter ins Ziel. „Allein schon aufgrund der Altersunterschiede war ich mit meiner Platzierung zufrieden, zumal einige der Läufer auch zum EM-Aufgebot gehören“, resümiert Ziniewicz, der am zweiten Wettkampftag noch einmal gemeinsam mit Frank Püschel und Hansjens Schoening Grund zum Jubeln hatte. Zum 5 000-Meter-Lauf traten zwar alle gemeldeten Männer an, gewertet wurde aber nach Schadensklassen. Der Zittauer HSG-Läufer wurde mit einer Zeit von 21:26,09 Minuten als deutscher Vizemeister seiner Schadensklasse zur Siegerehrung gerufen.

Dariusz Ziniewicz ist seit 15 Jahren bei der HSG Turbine Zittau aktiv und bevorzugt vor allen die Mittel- und Langstrecken, sowohl im Stadion als auch bei Cross- und Stadtläufen. Die laufende Saison 2018 ist seine bisher erfolgreichste. Ende Januar gewann er bei den sächsischen Senioren-Hallenmeisterschaften in Chemnitz die AK-50-Meistertitel über 400, 800 und 3 000 Meter. Von den in Erfurt ausgetragenen deutschen Hallenmeisterschaften des Behindertensportverbandes kehrte er mit seinem Begleitläufer Frank Püschel mit zwei Silber- (800 m und 3 000 m) und einer Bronzemedaille (400 m) zurück. Ziniewicz startet seit Jahren auch bei regionalen Laufveranstaltungen. Der Ostritzer Frühjahrslauf und der Europamarathon gehören zu seinen „Pflichtveranstaltungen“, wo er in diesem Jahr in Ostritz über vier Kilometer den zweiten und in Görlitz über fünf Kilometer den ersten Platz in der AK M50 belegte. (rs)