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Mittwoch, 20.04.2016

Blaues Auge bei Baukosten

Der Streitpunkt Rohbau-Mehrkosten beim Eisarenaneubau ist beigelegt. Gegen Geld. Andere Punkte sind noch offen.

Von Thomas Staudt

Ende Mai 2012 sah es auf der Eisarena-Baustelle so aus, wie es dieses Bild zeigt. Ähnlich offen wie damals die neue Halle sind heute immer noch einige Verhandlungen über Nachforderungen beteiligter Firmen beziehungsweise der Stadt.
Ende Mai 2012 sah es auf der Eisarena-Baustelle so aus, wie es dieses Bild zeigt. Ähnlich offen wie damals die neue Halle sind heute immer noch einige Verhandlungen über Nachforderungen beteiligter Firmen beziehungsweise der Stadt.

© André Schulze

Weißwasser. Verhandlungserfolg für Weißwasser: Im Streit um zusätzliche Zahlungen an das Bautzener Bauunternehmen Hentschke konnte das Rathaus seine Vorstellungen durchsetzen. Wie Thomas Böse vom Referat Bau nun informierte, haben die Verhandlungsführer des Unternehmens ein Angebot über 80 000 Euro akzeptiert. Hintergrund der Forderung sind Mehraufwendungen beziehungsweise Ausfälle, weil weniger Leistungen in Anspruch genommen werden mussten als ausgeschrieben.

Auf den Differenzbetrag erhob Hentschke Anspruch. Die Verhandlungen zogen sich über anderthalb Jahre hin. Allein das letzte Gespräch habe mehrere Stunden gedauert, hieß es. Ein ziemlich langes Ringen, so Böse. Oberbürgermeister Torsten Pötzsch wertete das Verhandlungsergebnis als Erfolg. Vor allem, weil „die ursprüngliche Forderung weitaus höher lag“. Aber auch weil die Einigung außergerichtlich erzielt werden konnte.

Die Bautzener gehörten Ende 2011 zu den ersten Firmen, an die der Stadtrat Aufträge für den Neubau der Eisarena vergab. Das Los „Rohbauarbeiten“ umfasste damals ein Auftragsvolumen von 3,5 Millionen Euro. Ein Jahr, bevor Hentschke den Auftrag für die Eisarena übernahm, betrug die Gesamtleistung des Unternehmens 140 Millionen Euro mit 670 Mitarbeitern und Niederlassungen in Dresden und Erfurt. Nach dem aktuellen Geschäftsbericht von 2014 hat sich die Situation seither kaum verändert (Gesamtleistung: 139 Millionen Euro, Mitarbeiter: 661). Kerngeschäft sind Bauten aus Beton. Neben dem Hochbau ist Hentschke auch in den Sparten Verkehrsbau (Straße, Bahn), Tiefbau und Betonfertigteile aktiv. Zu den Prestigeobjekten der Firma gehören Beteiligungen am Militärhistorischen Museum und dem Tunnel Waldschlösschenbrücke in Dresden.

Der nun erzielte Verhandlungserfolg ist nicht der erste im Nachgang der vielbejubelten Einweihung des damals größten Sportstättenneubaus in Sachsen. Im Frühjahr 2015, also fast zwei Jahre nach der Eröffnung im August 2013, hatten die Generalplaner des Stuttgarter Büros asp einräumen müssen, dass die Heizungsanlage zu klein dimensioniert war. Der Mangel sei so offensichtlich gewesen, dass das Büro nicht umhin gekommen sei, den Mangel anzuerkennen, hatte Thomas Böse damals gesagt. Bei asp sprang die Versicherung ein, bei der Stadt die Sächsische Aufbaubank (SAB). Denn ohne finanzielle Beteiligung an den Sowiesokosten, also den Kosten, die der Stadt entstanden wären, wäre die Anlage von vornherein größer dimensioniert gewesen, kam die Stadt nicht weg. Aber auch diese Kosten sind förderfähig, erkannte die SAB und übernahm fast zwei Drittel des Betrags von 55 000 Euro. Auf Weißwasser entfielen 19 000 Euro.

Dennoch ist die Schlussrechnung noch immer nicht in Sicht. Die Rohbauarbeiten und die unterdimensionierte Heizung sind oder waren nicht die einzigen Streitpunkte. Ungeklärt ist weiterhin eine Forderung von asp über einen Mehraufwand im Zusammenhang mit der Insolvenz der technischen Generalplaner. Der Umstand selbst ist unbestritten. Er wird allerdings unterschiedlich bewertet. Während asp davon ausgeht, dass es dadurch tatsächlich zu einer Auftragsmehrung gekommen ist, vertritt man aufseiten der Stadt die Ansicht, dass die Insolvenz und die daraus resultierenden Folgen zum Alltagsgeschäft gehören. Wie hoch die Forderung von asp ist, ist nicht bekannt. Dem Vernehmen nach soll sie sich jedoch im sechsstelligen Bereich bewegen. Offen ist ebenfalls, wie es bei Kühlung und Belüftung weitergeht. Auch in diesem Punkt heißt es aus dem Rathaus, die Planer hätten bei der Dimensionierung gespart. Ein Gutachten über die Kältetechnik wird gerade erstellt.

Laut Beschlusslage dürfen die Kosten für die Eisarena die Gesamtsumme von 15,7 Millionen Euro und einen Eigenanteil von maximal sechs Millionen nicht übersteigen. „Wir liegen derzeit noch unter fünf Millionen Euro, was den Eigenanteil betrifft“, so OB Torsten Pötzsch.