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Mittwoch, 11.07.2018 Aus dem Gerichtssaal

Bizarre Geschichten um einen Traktor

Der Angeklagte soll die Gefühle einer Frau für ihn ausgenutzt und sie um 2 500 Euro betrogen haben. Er streitet das ab.

Von Jürgen Müller

Bekam der Angeklagte von einer Bekannten Geld geschenkt oder sollte er dafür der Frau einen Traktor besorgen? Diese Frage muss das Gericht klären. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Betrug vor.
Bekam der Angeklagte von einer Bekannten Geld geschenkt oder sollte er dafür der Frau einen Traktor besorgen? Diese Frage muss das Gericht klären. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Betrug vor.

© SZ/Archiv

Meißen. Der Angeklagte ist doch ein richtiger Glückspilz. Glaubt man seinen Worten, so bekam er von einer Bekannten einfach so mal 2 500 Euro geschenkt. Na ja, nicht ganz umsonst. Er habe für die Frau auf deren Grundstück Bäume gefällt und auch andere Arbeiten erledigt. „Sie hat mir Geld geschenkt und ich habe ihr Arbeitsleistungen geschenkt“, sagt der 40-Jährige.

Doch in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft klingt das ganz anders. Sie wirft dem Mann Betrug vor. Tatsächlich soll ihm die Frau 2 500 Euro gegeben haben. Aber nicht als Geschenk, sondern er sollte dafür einen gebrauchten Traktor der Marke Deutz kaufen, wie er es ihr versprochen hatte. Den habe er in Freiberg holen wollen, doch nicht genommen, da er „Mist“ gewesen sei. Er habe die Frau vertröstet, habe jetzt einen Traktor aus Niedersachsen besorgen wollen. Doch auch den habe die Frau nicht zu Gesicht bekommen. Als sie bei der Freundin des Angeklagten nach dem Traktor gefragt habe, soll diese gesagt haben, der sei in der Werkstatt.

Das war doch alles ganz anders, sagt der Mann. Er habe bei der Frau Bäume gefällt und dabei erwähnt, dass er sich einen zweiten Traktor anschaffen wolle. Daraufhin habe ihm die Frau 2 500 Euro gegeben. Das Geld habe sie von ihrer Mutter geerbt, sie habe nicht gewollt, dass es ihre Schwester bekommt. Dass er davon für die Frau einen Traktor habe kaufen sollen, davon sei nie die Rede gewesen.

Er habe das Geld gar nicht haben wollen, behauptet er. „Ich habe das abgelehnt, so was macht immer Probleme“, sagt er. Und nimmt es doch. Merkwürdig ist, dass er angeblich von einer anderen Frau 2 500 Euro geschenkt bekam, davon aber seiner Lebensgefährtin nichts erzählte. Schließlich habe er von dem geschenkten Geld für sich einen Traktor gekauft. Wann das war, wisse er nicht mehr. Einen Kaufvertrag besitze er auch nicht. Er könne ja mal auf sein Handy schauen, da sei ein Foto, auf dem der auf einen Hänger geladene Traktor zu sehen ist. Da stünde ja auch das Datum drauf. Der Richter lässt den Mann suchen. Doch der Angeklagte, der schon elfmal unter anderem wegen Betruges, Diebstahls, Hehlerei, Körperverletzung und Beleidigung verurteilt wurde, auch schon im Gefängnis saß, findet kein derartiges Foto.

Die Geschädigte versichert, dass sie dem Angeklagten das Geld nicht geschenkt habe. Er habe dafür einen Traktor kaufen sollen. Die Familie habe früher selbst einen gehabt, dies sei eine Erinnerung an ihren Vater. Die Frau gibt zu, dass sie von dem Mann damals mehr wollte als nur Bäume fällen. „Wir hatten eine Affäre. Ich hatte mir mehr erhofft“, gibt sie zu. Schenkte sie ihm also Geld und forderte es zurück, als sie merkte, dass der zwölf Jahre jüngere Mann ihre Gefühle nicht erwiderte, wie die Lebensgefährtin des Angeklagten vermutet? Eher war es wohl andersherum. „Ich nehme Ihnen Ihre Geschichte nicht ab. Die Zeugin war bei ihrer Aussage zwar sehr emotional, aber sehr glaubwürdig“, sagt der Staatsanwalt und fordert wegen Betruges eine Geldstrafe von 4 800 Euro. Darin einbezogen ist allerdings schon eine Geldstrafe aus einem anderen Verfahren, die noch nicht bezahlt ist. Außerdem sollen die 2 500 Euro eingezogen werden.

Der Richter verurteilt den Angeklagten wie vom Staatsanwalt beantragt. „Ihre Geschichte passt hinten und vorne nicht. Die Geschädigte hat für Sie mehr empfunden als Baumfällarbeiten. Das haben Sie ausgenutzt“, sagt er.