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Donnerstag, 13.09.2018

Bitte nicht nur in eine Richtung denken

Susanne Sodan kommentiert den oft stockenden Verkehrsfluss in der Oberlausitz.

SZ-Redakteurin Susanne Sodan
SZ-Redakteurin Susanne Sodan

© SZ

In der Oberlausitz sind Verkehrsthemen überhaupt nicht langweilig. Hier könnte man fast schon eine kleine Kolumne einrichten. Ein paar Geschichten hätte ich. Die zum Beispiel, als ich mal einen halben Herzinfarkt bekam, als ich an einem Sonntag spätabends an einer Raststätte haltmachen wollte und erst im letzten Moment merkte, dass der Lkw vor mir am Rand der Abfahrt gar nicht fuhr – sondern parkte.

Bisher war ich immer der Meinung: Was muss, das muss. Und wenn gebaut werden muss, dann gibt es eben auch mal eine Behinderung. Mittlerweile bin ich versucht zu sagen: Ich nehme lieber Huckelpisten statt die vielen Baustellen. Die machen grade keinen Spaß mehr. Das wäre natürlich zu kurz gedacht. Es muss was passieren, denn die Verkehrszahlen werden bestimmt nicht wieder sinken. Das braucht, aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet, gar nicht schlecht sein. Viel Verkehr bedeutet auch, dass Bewegung herrscht. Das Problem: Diese Bewegung führt durch die Oberlausitz hindurch, nicht in die Oberlausitz hinein. Viele der Lkw auf der A 4 haben nicht Görlitz zum Ziel, sondern durchqueren die Region stattdessen in Richtung Polen, wo derzeit manches neue Industriegebiet entsteht. Und genauso ist es bei den Pendlerzahlen. Deutlich mehr Arbeitnehmer pendeln für den Job bis heute aus der Oberlausitz heraus als hinein. Die Frage ist, ob und welche Verbesserungen bei den Verkehrswegen daran etwas ändern können. Oder ob die Menschen dann eben einfach nur schneller wegfahren können aus der Oberlausitz. Ganz klar, gute Verkehrsnetze sind ein Standortfaktor für Unternehmen. Aber es ist nicht das einzig Wichtige. Für Unternehmen, die sich ansiedeln wollen, ist auch ein guter Breitbandausbau wichtig, und dass sie Arbeitskräfte und vielleicht Forschung vorfinden. Für die Menschen vor Ort ist neben einem guten Verkehrsnetz wichtig, dass Kultur, Jobs und Freizeitangebote da sind. Um ein Zusammenspiel zu schaffen, darf bei all diesen Faktoren nicht nur in eine Richtung gekämpft werden.

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