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Montag, 21.05.2018

Bischofswerdaer Trainerduo schafft den Regionalliga-Aufstieg

Als Trainer Erik Schmidt 2013 nach Bischofswerda kam, spielte der Verein in der 6. Liga. Jetzt geht es in der Regionalliga weiter.

BFV-Coach Erik Schmidt (links) und sein Co-Trainer Mirko Ledrich sitzen hier am 13. Mai 2017 beim Heimspiel gegen Wismut Gera am Spielfeldrand. Nachdem Bischofswerda damals den dritten Platz in der Oberliga Süd belegte, gelang fast genau ein Jahr später der Aufstieg in die Regionalliga Nordost.
BFV-Coach Erik Schmidt (links) und sein Co-Trainer Mirko Ledrich sitzen hier am 13. Mai 2017 beim Heimspiel gegen Wismut Gera am Spielfeldrand. Nachdem Bischofswerda damals den dritten Platz in der Oberliga Süd belegte, gelang fast genau ein Jahr später der Aufstieg in die Regionalliga Nordost.

© Bodo Hering

Fußball. Was für eine Erfolgsgeschichte. Vor fünf Jahren kam Erik Schmidt (38) als Trainer nach Bischofswerda. Es war seine erste Männerstation nach einer erfolgreichen Zeit als Nachwuchscoach bei Dynamo Dresden. Schiebock spielte damals noch in der Landesliga – aber schon ab 2015 in der Oberliga. Nach zwei dritten Plätzen in der 5. Liga, gelang nun der nächste Aufstieg.

Der stand schon am Freitagabend fest, als Verfolger FC International Leipzig bei Union Sandersdorf mit 0:2 verlor. Doch der BFV legte dennoch am Sonnabend nach und siegte beim FC Einheit Rudolstadt mit 3:1. Frank Zille (19.), Sandro Schulze (52.) und Philipp Schikora (90.) trafen für Bischofswerda. Das Ehrentor für die Gastgeber erzielte Marco Riemer in der 74. Minute. Damit haben die Schiebocker zwei Spieltage vor dem Saisonende zwölf Punkte Vorsprung auf Leipzig.

„Freude, Glück und Erleichterung pur! Wir sind Meister 2018.“ So lautet das kurze Statement auf der Homepage der Schiebocker. In der kommenden Regionalliga-Saison 2018/19 trifft der BFV auf Vereine wie den BFC Dynamo, Rot-Weiß Erfurt, den Chemnitzer FC und natürlich auf die FSV Budissa Bautzen und den FC Oberlausitz Neugersdorf.

Nun stehen noch die letzten beiden Oberliga-Punktspiele auf dem Programm. Am 27. Mai um 14 Uhr erwartet der BFV den Tabellensechsten TV Askania Bernburg. Am 3. Juni steht dann zur gleichen Uhrzeit die Auswärtspartie beim 1. FC Lok Stendal an, der derzeit Platz 13 belegt. Im Interview zieht Erik Schmidt eine erste Bilanz und schaut auf die kommenden Herausforderungen in der 4. Liga.

Herr Schmidt, Glückwunsch zum Aufstieg in die Regionalliga, der das erklärte Ziel des Vereins war. Wie schwer war es für die Spieler, mit dieser hohen Erwartungshaltung umzugehen?

Ich kann mich noch erinnern, dass ich vor einem halben Jahr im SZ-Interview gesagt habe, dass wir alle einen Traum haben. Der Traum ist wahr geworden. Natürlich war es ein schmaler Grat, so offensiv mit diesem Saisonziel umzugehen. Aber was sollten wir sagen? Wir waren 2017 Staffeldritter geworden, Eilenburg und Kamenz stiegen auf. Wir haben damals alles versucht, um in der Rückrunde noch heranzukommen. Die 38 Punkte waren auch überragend, aber es hat nicht gereicht. Wir wollten nicht noch einmal hinterherrennen. Natürlich war der Druck für die Jungs groß, aber nur so kommen sie doch sportlich voran. Klar, am Ende werden die Beine etwas weich, denn man hat ja trotz eines respektablen Vorsprungs etwas zu verlieren. Aber wir haben uns schnell wieder stabilisiert.

Sie kamen 2013 nach Bischofswerda. Welche Philosophie hat Ihnen damals die Vereinsführung vermittelt?

Wir wollten irgendwie mal in die Oberliga reinkommen. Sie können mir glauben, von der Regionalliga hat damals hier niemand geredet. Dafür gab es auch keine Voraussetzungen. Es ging dann ja auch ziemlich zähflüssig in der Landesliga los.

Fünf Jahre als Trainer bei einem Verein sind eine recht lange Zeit. Haben Sie zwischendurch an Abschied gedacht?

Ja, im ersten Jahr. Ich kam ja aus dem Bereich des Leistungssports und hatte mit Dynamos Junioren in der Bundesliga gespielt. Das war hier in Bischofswerda auch für mich ein gewaltiger Lernprozess. Ich hatte nun mit Familienvätern und berufstätigen Kickern zu tun. Die setzen völlig andere Prioritäten, als ich sie von Nachwuchsspielern kannte, die mal als Profi ihr Geld verdienen wollen.

Stehen heute noch Spieler im Kader, die bereits 2013 das BFV-Trikot getragen haben?

Ja, einer. Cornelius Gries ist immer noch dabei. Ich ziehe den Hut, wie er die ganze Sache hier in Angriff genommen hat. Der brennt immer, auch wenn er nur ein paar Minuten als Einwechselspieler dabei ist. Ein feiner Sportsmann und ein richtiges Vorbild.

Wie wichtig ist für Sie das Funktionsteam?

Es ist doch ganz klar, dass es ohne Co-Trainer Mirko Ledrich, ohne die Mannschaftsbetreuer und die ärztliche Betreuung nicht gegangen wäre. Das trifft auch auf unseren Athletik-Coach Marcus Urban zu, der in diesem Bereich Spitzenniveau besitzt. Hinzu kommt unser zuverlässiger Torwarttrainer René Katzwinkel. Und mit der Verpflichtung von Fred Wonneberger als neuem Geschäftsführer haben wir einen richtigen Coup gelandet.

Kann die Mannschaft in dieser Zusammensetzung in der Regionalliga bestehen?

Das zu glauben, wäre blauäugig. Es wird Spieler geben, die sich mit Abwanderungsgedanken tragen, weil sie selten in der Oberliga gespielt haben. Für die wird es ja nun nicht leichter. Eventuell müssen wir auch Abgänge verkraften, weil ein Spieler in der gleichen Liga bei einem anderen Verein mehr Geld verdient. Als Oberliga-Spitzenreiter sind wir bei anderen Klubs im Focus, das ist ja völlig normal.

Gibt es Spieler, die Ihnen schon signalisiert haben, dass sie aus Bischofswerda wegwollen?

Nein, da hat sich noch keiner gemeldet. Dennoch rechne ich damit, dass wir im Kader bis zu acht oder neun Neuzugänge haben werden.

Chemnitz und Erfurt werden nach ihren Insolvenzen in die Regionalliga eingegliedert. Einerseits sind das attraktive Gegner, andererseits sorgen deren Finanzeskapaden für Ärger. Wie stehen Sie dazu?

Für mich ist das eine Schweinerei, wobei die Vereine nichts dafürkönnen, dass sie nur eine Liga tiefer spielen müssen. Unser Insolvenzrecht und die DFB-Statuten lassen das zu. Neun Punkte Abzug, weil ein Verein Insolvenz anmeldet, sind doch lächerlich. Damit kannst du sogar in der Liga bleiben. Ich wäre dafür, dass es zwei, drei Klassen tiefer geht. Dann überlegst du dir dreimal, ob du Insolvenz anmeldest. Aber so ist es nun mal und der Fan freut sich natürlich, wenn es zu einem Duell gegen diese Traditionsvereine kommt.

Bautzen liegt nur wenige Kilometer entfernt. Kann sich die Region drei Viertligisten leisten?

Die Frage stellt sich nicht für mich. Ich habe vor Jahren schon gesagt, dass man die Kräfte bündeln müsste, um vielleicht mal in die dritte Liga zu kommen. Budissa hat in der Regionalliga vier Jahre Vorlauf, diese Erfahrung werden sie in die Waagschale werfen. Wir müssen uns nicht entschuldigen, dass wir jetzt aufgestiegen sind. Ich weiß nicht, wie man das in Bautzen sieht, aber ich freue mich auf die sportlichen Duelle mit Budissa – und auch auf das Kräftemessen mit den Neugersdorfern.

Wie lange bekommen die Spieler Urlaub, und kann auch der Trainer ein paar Tage abschalten?

Wir spielen in der Oberliga bis Anfang Juni, danach gibt es drei Wochen frei. Am 25. Juni treffen wir uns zum ersten Training. Ich glaube, abschalten kann ich nicht, das geht vielleicht zu Weihnachten. Es wird sicher sehr anstrengend, zumal ich ja auch einem Beruf mit einer 40-Stunden-Arbeitswoche nachgehe. Ich weiß gar nicht, ob es in der Regionalliga einen Trainer gibt, der das nebenbei macht. Als Familienvater überlegt man schon, ob es nicht sinnvoll wäre, mal ein Jahr Pause einzulegen. Ich würde auch gern meinen Fußballlehrer machen. Aber die sportliche Herausforderung vierte Liga reizt mich absolut, das gebe ich gern zu. Es bleibt dabei, ich denke von Jahr zu Jahr.

Gespräch: Jürgen Schwarz.