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Mittwoch, 04.01.2006

Bildhauer Schubert: Wichtigtuer sind auch nur Menschen

Der Chemnitzer Künstler Rainer Maria Schubert (61) guckt sich die Leute gerne genau an. Egal ob alte Freunde, neue Bekannte oder wildfremde Menschen.

Von Ch. Hamann-Pönisch

Seit geraumer Zeit inspiriert ihn jedoch die Sorte Wichtigtuer ganz besonders: „Es ist immer wieder interessant zu beobachten, wie sich Menschen darstellen und wie sie wirklich sind.“ Seine Beobachtungen hat Rainer Maria Schubert in Bronze gegossen. Die ersten fünf Exemplare der Skulpturenserie „Apostel“ sind jetzt - neben anderen Arbeiten des Bildhauers - in einer Sonderausstellung der Neuen Sächsischen Galerie im Chemnitzer „Tietz“ zu sehen. Schuberts versöhnliches Fazit: „Wichtigtuer sind auch nur Menschen. Ob Moralapostel, Gesundheitsapostel oder sonst wer.“

Schuberts abstrakte „Apostel“ sind alle handlich und klein - mit Hut. Jeder steckt wie am Reck mitten in einem Balanceakt. Spannende Momente zwischen Ernst und Spiel. Wie die Turnerei ausgeht, kann sich der Betrachter selbst ausmalen.So biegsam und lebendig die Bronze-Menschlein auch erscheinen, sie waren alle mal sehr zerbrechliche Wachsfiguren. Rainer Maria Schubert hat sich für das so genannte Wachsausschmelzverfahren entschieden. So ist und bleibt jede Skulptur ein Unikat.

Rainer Maria Schubert arbeitet seit mehr als 40 Jahren als freischaffender Künstler in Chemnitz. Für jedermann sichtbar sind seine Skulpturengruppe „Verwicklungen“ vor der Stadthalle sowie die „Felsszenerie“ und der „Eulenbaum“ im Heckert-Wohngebiet. In der „Tietz“-Ausstellung (bis 5. Februar 2006) hat er sich mit Künstlerfreund Klaus Hirsch zusammengetan. Für beide ein Gewinn. Der im erzgebirgischen Lugau lebende Grafiker zeigt erlesene Lithografien und Holzschnitte.