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Mittwoch, 16.05.2018

Bier als Türöffner für Touristen

Der Landkreis und die gesamte Oberlausitz könnten von einer spannenden Reise-Idee profitieren. Auch wirtschaftlich.

Von Jens Fritzsche

Tag des Bieres jüngst in der Stadtbrauerei Wittichenau: Chance, hinter die Kulissen zu schauen. Stefan (links) und Johannes Glaab zeigen Brauwerk-Kellerbier, das es jetzt handabgefüllt in Ein-Liter-Flaschen und im Getränkemarkt in Wittichenau gibt.
Tag des Bieres jüngst in der Stadtbrauerei Wittichenau: Chance, hinter die Kulissen zu schauen. Stefan (links) und Johannes Glaab zeigen Brauwerk-Kellerbier, das es jetzt handabgefüllt in Ein-Liter-Flaschen und im Getränkemarkt in Wittichenau gibt.

© HY-photo Gernot Menzel

An der Neiße trinkt man Landskron, in Bautzen Kupfer, in Kamenz Liesker oder Wittichenauer und in Radeberg natürlich Radeberger. „Neugier geht durch den Magen“, sagt Olaf Franke, der Chef der Marketinggesellschaft Oberlausitz (MGO). Bier kann diese Neugier durchaus würzen, ist er überzeugt. Das Ganze soll nun helfen, verstärkt Touristen von Dresden aus in die Region zwischen Radeberg, Bautzen und weiter Richtung Görlitz zu locken.

Eine Region, in der sich viele mit dem Begriff Oberlausitz schwertun, weil der nicht alle Bereiche dieses vielfältigen Landstrichs anspricht, wie Olaf Franke weiß. Und doch ist er überzeugt, „dass es mit den Themen Essen und Trinken funktionieren kann, das Wirtschaftsstandbein Tourismus in dieser Region zu stärken und gleichzeitig dem Begriff Oberlausitz Schwung zu geben, weil es eine Art regionale Dachmarke braucht“. Er ist jedenfalls begeistert, dass sich jetzt beim „touristischen Türöffner Bier“, wie er sagt, etwas Spannendes tut.

Interesse in Wittichenau

Deshalb machte sich Olaf Franke dieser Tage auf den Weg in die Bierstadt Radeberg; im südlichsten Zipfel des Landkreises Bautzen. Gemeinsam mit dem Dresdner Reiseveranstalter Sachsenträume hat die Radeberger Exportbierbrauerei zwei weitere sächsische Brauereien ins Boot geholt – Freiberger und Krostitzer bei Leipzig. Geschnürt wurde ein fünftägiges Gruppen-Reisepaket aus bereits bestehenden Angeboten: Brauereirundgänge, Dampflokfahrten mit der Weißeritztalbahn und Städtebesuche. Alles rund ums Thema Bier. „Das Ganze soll ein Anfang sein“, hofft die Radeberger Brauereisprecherin Jana Kreuziger. Eine Idee, die sich im Landkreis Bautzen und der Oberlausitz entwickeln soll. Nicht ohne Grund sei die Figur des Radeberger Bierkutschers Ernst Botschafter der Oberlausitz – „und wir sind beim traditionellen Eibauer Bierzug dabei“, fügt die Brauereisprecherin an. Bei Radeberger weiß man um das touristische Potenzial des hier gebrauten Pilsners. Alljährlich schauen sich um die 20 000 Besucher bei Brauereirundgängen in Radeberg um. Gut 25 000 Besucher kommen ins Radeberger Biertheater. „Es funktioniert“, freut sich Radebergs Wirtschaftsreferent Marco Wagner: „Wir haben knapp 300 Betten für Touristen und über 35 000 Übernachtungen pro Jahr, Tendenz steigend!“ Natürlich lassen Touristen Geld in der Region. Dafür müssen aber aus Einzelkämpfern vor Ort Partner werden, macht Radebergs Brauereisprecherin Jana Kreuziger deutlich. Nur gemeinsam sind etwa teure Messe-Auftritte zu stemmen.

Genau auf diese Gemeinsamkeit setzt Olaf Franke mit seiner Marketinggesellschaft Oberlausitz: „Wir brauchen viele interessante Bausteine, die sich zu einem großen Ganzen zusammenfügen.“ Dafür könne die MGO die notwendige Marketing-Maschinerie bereitstellen. „Diese Bierreise zum Beispiel ist eine wunderbare Idee, die sich bestens auf die Oberlausitz ausweiten lässt.“ Aktuell werde die Region aber noch viel zu selten mit dem Thema Bier in Verbindung gebracht. Ein Problem übrigens, das für ganz Sachsen gilt, sagt Barbara Sarx-Lohse. Sie ist Geschäftsführerin des Sächsischen Brauerbundes. „Sachsen ist ein absolutes Bierland, aber das wird überregional kaum wahrgenommen.“ Der Freistaat habe die höchste Pro-Kopf-Produktion in Sachen Bier in ganz Deutschland. „Und das Begeisternde an Sachsen ist, dass man hier das Kulturgut Bier mit anderen Kulturgenüssen kombinieren kann – beste Voraussetzungen für touristischen Erfolg also“, beschreibt sie. Auch mit Blick auf die Reisepremiere. Und Barbara Sarx-Lohse sieht beim Thema Bier und Tourismus für die Oberlausitz enormes Potenzial. „Weil hier große Brauereien und kleinere ansässig sind – eine wunderbare Vielfalt, aus der sich Marketing erarbeiten lässt.“

Interessant findet die Idee zum Beispiel auch Johannes Glaab von der Wittichenauer Stadtbrauerei. „Auch wenn wir als vergleichsweise kleine Brauerei unser Hauptaugenmerk eher auf regionale Kunden legen.“ Dennoch hätte die Stadt vor den Toren Hoyerswerdas mit dem Lausitzer Seenland oder der Schaukäserei in der Milchwelt im Ortsteil Kotten Spannendes zu bieten, kann sich Johannes Glaab Besucher von außerhalb vorstellen. Eher schwierig sieht man hingegen im Missionshof Lieske bei Kamenz das Thema. Hier wird Bier zwar in einer professionellen Brauerei, aber im Einmann-Betrieb gebraut. „Wir haben leider kaum Kapazität für regelmäßige Führungen, und auch der Bierausstoß gibt das kaum her“, bedauert Sebastian Winkler, der Chef des Missionshofs. Aber interessant findet auch er die Bierreise-Idee.

Es wird also mit Sicherheit noch eine Menge Arbeit zu erledigen sein, bis das Bier die Tourismustüren in die Oberlausitz öffnen hilft. Aber der Anfang ist gemacht!