erweiterte Suche
Mittwoch, 25.11.2015

Biber stauen die Räderschnitza

Das geschützte Tier hat sich an dem kleinen Flüsschen in Gablenz niedergelassen. Seine Bauten sorgen aber für Probleme.

Von Alexander Buchmann

Bild 1 von 3

Biber nagen nicht nur kleine Stämmchen. Wenn die fleißigen Holzarchitekten der Tierwelt ein Flüsschen anstauen wollen, fällen sie auch große Bäume. So sichern sie sich Nahrung – aber auch den Frust der Menschen entlang der Gewässer.
Biber nagen nicht nur kleine Stämmchen. Wenn die fleißigen Holzarchitekten der Tierwelt ein Flüsschen anstauen wollen, fällen sie auch große Bäume. So sichern sie sich Nahrung – aber auch den Frust der Menschen entlang der Gewässer.

© andré schulze

  • Biber nagen nicht nur kleine Stämmchen. Wenn die fleißigen Holzarchitekten der Tierwelt ein Flüsschen anstauen wollen, fällen sie auch große Bäume. So sichern sie sich Nahrung – aber auch den Frust der Menschen entlang der Gewässer.
    Biber nagen nicht nur kleine Stämmchen. Wenn die fleißigen Holzarchitekten der Tierwelt ein Flüsschen anstauen wollen, fällen sie auch große Bäume. So sichern sie sich Nahrung – aber auch den Frust der Menschen entlang der Gewässer.
  • Biber sehen nett aus, können aber großen Schaden anrichten.
    Biber sehen nett aus, können aber großen Schaden anrichten.
  • Nachdem das Biberwerk fertig ist, steht das Wasser auf dem Feld.
    Nachdem das Biberwerk fertig ist, steht das Wasser auf dem Feld.

Die Räderschnitza in Gablenz ist eigentlich nur ein kleines Flüsschen. An einigen Stellen zwischen dem Ort und Eiland-Kreisel ist sie in letzter Zeit jedoch deutlich angewachsen und hat sich dabei auf benachbarte Felder ausgedehnt. Das liegt nicht daran, dass die Räderschnitza auf einmal mehr Wasser führt, sondern an ihrem neuen tierischen Bewohner – dem Biber. Dieser ist auch in der jüngsten Sitzung des Gablenzer Gemeinderats Thema gewesen.

Es habe ein Gespräch mit dem Biberbeauftragten des Landkreises und Vertretern der Prohav gegeben, teilt Bürgermeister Dietmar Noack in der Ratssitzung mit. Denn durch die Bauten des Bibers habe es schon Überschwemmungen auf den angrenzenden Flächen der Prohav Halbendorf mbH & Co Landwirtschafts-KG gegeben. Bisher habe der Gemeindearbeiter den Durchfluss der Räderschnitza freigemacht, aber das dürfe man nicht so einfach, sagt Noack.

Aus diesem Grund sei der Landkreis auch auf die Gemeinde zugekommen und habe den Termin anberaumt, erklärt der Bürgermeister auf Nachfrage der SZ. Der Biber sei eine streng geschützte Art, die man weder fangen noch jagen darf und deren Bauten auch nicht ohne Weiteres zerstört werden dürfen, erklärt Alexander Wünsche. Er ist verantwortlich für das Bibermanagement bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises. Außerdem baue der Biber umso mehr, je mehr man frei mache, sagt Noack.

Etwa 35 Biberreviere

Seit wann genau sich die Nager in der Räderschnitza niedergelassen haben, weiß der Bürgermeister allerdings nicht. Sie seien aber schon ein Weilchen da. In den letzten fünfzehn Jahren habe sich der Biber an der Neiße und den kleineren Nebenflüssen immer weiter verbreitet, erklärt Wünsche. Im Vorjahr habe es im gesamten Kreisgebiet 35 Biberreviere gegeben, erklärt Wünsche. Drei Jahre zuvor seien es noch 28 gewesen.

Wie viele es aktuell sind, könne man aber nicht genau sagen. Um das festzustellen, werde jedes Jahr von Oktober bis März eine sogenannte Revierkartierung vorgenommen. Doch dafür brauche die Behörde noch ehrenamtliche Mitstreiter. Diesen sogenannten Biberrevierbetreuern werde dann ein bestimmtes Gebiet in der Nähe ihres Wohnorts zugeteilt, in dem sie in regelmäßigen Abständen beobachten, wie die Biber sich im Jahresverlauf verhalten, so Wünsche. Denn die Tiere wechseln innerhalb ihres größeren Reviers auch mal hin und her. Anhand ihrer Spuren – also den Bauten, Dämmen und angenagten Bäumen – könne dann nachvollzogen werden, wo die Tiere aktiv sind. Mit diesen Daten werde dann eine Übersicht erstellt.

Es sei wichtig zu wissen, wo die Biber sind und wo Probleme auftreten, um gegebenenfalls rechtzeitig reagieren zu können. So wie in Gablenz. Gemeinsam mit dem Kreis und der Prohav habe man Maßnahmen besprochen und die Prohav habe auch bereits Hölzer eingezogen, erklärt der Bürgermeister. Außerdem habe man einen der Dämme weggemacht. So werde versucht, den Schaden für die Landwirtschaft so gering wie möglich zu halten.

„Dann müssen wir ein Schild aufstellen“

Wenn weitere Eingriffe nötig werden sollten, werde man sich mit der Naturschutzbehörde absprechen und einen Weg finden. An den Ort selbst sollte der Biber aber nicht näher herankommen, sagt Noack. „Dann müssen wir ein Schild aufstellen“, scherzt daraufhin Gemeinderat Johannes Rackel. Dabei waren die Tiere auch schon im Ort, hätten sich dann aber wieder zurückgezogen, sagt Noack.

Wenn sich die Nager in der freien Landschaft niederlassen und beispielsweise nur Felder überschwemmt werden, dürfen diese aber grundsätzlich bleiben, erklärt Wünsche. Sollten sich die Tiere jedoch allzu sehr der Wohnbebauung nähern oder ein Straßendurchlass zugesetzt worden sein und dadurch möglicherweise eine Gefahr für die Stabilität der Straße entstehen, werde natürlich etwas unternommen. Zuallererst werde dann versucht, den Biber zu vertreiben. Wenn es aber nötig sei und nicht anders gehe, könne der Nager auch eingefangen und umgesiedelt werden. Dazu müsse aber zusammen mit den ehrenamtlichen Helfern vor Ort die Situation beurteilt werden.

Hinweise über Bibervorkommen nimmt die Untere Naturschutzbehörde telefonisch unter 03581 6633163 oder per E-Mail an [email protected] entgegen.