erweiterte Suche
Samstag, 13.01.2018

Bereit für die Schule?

2 780 Kinder werden im Landkreis Bautzen für den Schulstart im August untersucht. Die meisten sind fit – obwohl immer wieder auch Defizite auffallen.

Von Ina Förster

Auch die Vorschulgruppe der Kita Bummiland in Großröhrsdorf bereitet sich natürlich schon rege auf den Schulstart im kommenden August vor. Jonas beschäftigt sich hier mit Mengen. In den meisten Kitas gibt es entsprechende Angebote. Spielerisch werden die Kinder dabei schon einmal auf die Welt der Zahlen und Buchstaben eingeschworen.
Auch die Vorschulgruppe der Kita Bummiland in Großröhrsdorf bereitet sich natürlich schon rege auf den Schulstart im kommenden August vor. Jonas beschäftigt sich hier mit Mengen. In den meisten Kitas gibt es entsprechende Angebote. Spielerisch werden die Kinder dabei schon einmal auf die Welt der Zahlen und Buchstaben eingeschworen.

© René Plaul

Kamenz. Wo sitzt der Drache? Unterm Tisch, hinterm Baum oder etwa doch auf dem Stuhl? Schwierige Frage, wenn man es ganz genau artikulieren muss. Für manch einen kleinen Schulanfänger jedenfalls, der am 11. August seine Schultüte in Empfang nehmen will. Wenn man dann auch noch in einer Minute mindestens 16 traurige Smileys aus unzähligen lachenden heraus finden soll, könnte es mit der Konzentration schwierig werden. Und wie sieht es aus mit dem selbstständigen Anziehen? Funktionieren die Augen und Ohren richtig? Beherrscht das Kind einfache Zahlenfolgen, kann es Mengen abschätzen? So manche Eltern sitzen derzeit wieder ziemlich aufgeregt auf den Gängen der Gesundheitsämter in Kamenz, Hoyerswerda und Bautzen. Und hoffen, dass der Nachwuchs durch die Schulaufnahmeuntersuchung kommt. Ganze 2 780 sind es für das kommende Schuljahr im Landkreis Bautzen. Seit August 2017 laufen die Untersuchungen. Dabei kommen auch immer interessante Aspekte zutage.

Für die Schuluntersuchungen werden fast acht Monate benötigt. Warum?

Die Schulaufnahmeuntersuchungen beginnen bereits im August. Die Termine werden mit den Schulen vereinbart. Die Untersuchungen sollen in der Regel bis zum 31. Januar abgeschlossen sein. Aktuell ist die letzte Untersuchungen allerdings für Anfang März eingeplant. Diese Terminverschiebung ergab sich durch Krankheit.

Früher fanden die Tests in den Schulen statt? Wieso wurde das geändert?
Die Untersuchungen finden seit dem Schuljahr 2014/15 an den drei Verwaltungsstandorten Bautzen, Hoyerswerda und Kamenz statt. In den Gesundheitsämtern des Landratsamtes. Dies hat vor allem personelle Gründe. Die Untersuchungen dürfen nur von einem Arzt durchgeführt werden. Aufgrund des Ärztemangels findet das Amt jedoch schwer Ärzte für den öffentlichen Gesundheitsdienst. Das Besuchen aller Grundschulen kostet aber viel Arbeitszeit. Gerade die Anfahrtswege, der Aufbau der Untersuchungsmaterialien, die Leerzeiten wenn Kinder nicht zum Termin erschienen sind dann quasi verlorene Zeit, in der der Arzt untätig ist. Um diese Zeit effektiv mit Untersuchungen zu nutzen, hat man entschieden, die Untersuchungen im Amt durchzuführen.

Gibt es auffallende Probleme bei den künftigen Abc-Schützen?
Die häufigsten Probleme sind in der Sprache, Konzentration, Aufmerksamkeit und Ablenkbarkeit zu registrieren. Nicht in allen Kitas wird leider regelmäßig Sport getrieben. Amtsärztin Dr. Ulrike Menzel findet das schade: „Selbst wenn Auffälligkeiten in motorischen Fertigkeiten vorhanden sind, sollte die Bewegungsfreude der Kinder in dem Alter genutzt werden. Und das nicht nur in den Einrichtungen. Auch familiäre Aktivitäten sind dabei sehr hilfreich!“

Wie hoch ist die Rückstellungsquote im Landkreis Bautzen?
Im Untersuchungsjahr 2016/17 gab es im Landkreis ganze sechs Prozent empfohlene Rückstellungen durch den Jugendärztlichen Dienst. Zum Vergleich: In Sachsen waren es 7,3 Prozent. Die Anzahl der wirklichen Rücksteller ist dem Amt allerdings nicht bekannt. Die letzte Entscheidung trifft nämlich der Schulleiter der jeweiligen Grundschule. Insgesamt wird aber eine rückläufige Entwicklung beobachtet. Bei nur etwa drei Prozent der untersuchten Kinder hat man im vergangenen Schuljahr übrigens die Notwendigkeit einer sonderpädagogischen Förderung gesehen. Bei 91 Prozent wurden keine Bedenken zur Einschulung in einer Grundschule gesehen.

Was passiert, wenn Kinder nicht zur Schuluntersuchung erscheinen?

Nach drei verpassten Terminvereinbarungen zur Schulaufnahmeuntersuchung erhält die Schule eine Mitteilung darüber. Diese hat anschließend die Möglichkeit, das Jugendamt einzubeziehen. Die Frage ist dabei natürlich, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegt. Dann kann gegebenenfalls sogar ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet werden. Die Schulaufnahmeuntersuchung ist eine Pflichtuntersuchung – ebenso wie der Schulbesuch Pflicht ist.

Wie gut sind die Kinder aktuell durchgeimpft?



Die meisten Kinder sind nach den Empfehlungen der Sächsischen Impfkommission entsprechend ihres Alters und Gesundheitszustandes gut geimpft. Die Durchimpfungsraten könnten allerdings bei den Impfungen gegen Hepatitis A und Windpocken noch verbessert werden, heißt es aus dem Landratsamt. „Die Anzahl der bisher nicht geimpften Kinder ist zur Schulaufnahmeuntersuchung leicht steigend. Diese Kinder profitieren quasi von einer derzeit grundsätzlich guten Durchimpfungsrate“, so Pressesprecher Gernot Schweitzer. Sollten entsprechende Erkrankungen in einer Gemeinschaftseinrichtung, also Kindertagesstätte oder Schule auftreten, dann dürften die ungeimpften Kinder die Einrichtung allerdings für die Zeit der Inkubation nicht besuchen. Derzeit gibt es keine Impfpflicht in Deutschland, so dass die Eltern selbst über die Impfungen bei ihrem Kind entscheiden können. Übrigens: Seit dem 1. Januar 2018 gibt es wieder neue Impfempfehlungen. „Die Eltern sollten die Vorstellung des Kindes beim Kinder- oder Hausarzt beziehungsweise Termine im Gesundheitsamt nutzen, sich diesbezüglich beraten zu lassen“, rät man im Bautzner Landratsamt.