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Mittwoch, 08.08.2018

Beratung für Menschen mit Handicap

Ein Büro des Vereins „Görlitz für Familie“ eröffnet am 21. August im Weißwasseraner Rathaus.

Von Christian Köhler

Elke Träger und Michael Hannich vom Verein „Görlitz für Familie“.
Elke Träger und Michael Hannich vom Verein „Görlitz für Familie“.

© Christian Köhler

Weißwasser. Es kann schneller passieren, als es einem lieb ist: Durch ein Unglück kann man vielleicht seinem Beruf nicht mehr nachgehen, ist eingeschränkt. Oder ein Neugeborenes kommt mit einer Behinderung zur Welt. In solchen Situationen ist guter Rat teuer. Dieser kann aber auch kostenfrei sein: Denn in Weißwasser eröffnet am Dienstag, dem 21. August, eine Beratungsstelle, die genau diese Probleme angehen will. „Die Unabhängigkeit der Beratung ist uns ganz wichtig. Wir wollen keine finanziellen Vorteile durch unser Angebot erzielen“, betont Michael Hannich vom Verein „Görlitz für Familie“.

CDU-Kreisrat Hannich aus Görlitz erklärt, dass der Verein an einer Ausschreibung des Landkreises teilgenommen hat und diese kürzlich gewann. Der Bund hat nämlich nach einer Änderung im Sozialgesetz festgelegt, dass es eine unabhängige Beratung für Menschen mit Behinderung geben muss. „Wir haben einmal gezählt, was es bereits für Beratungsangebote in Deutschland gibt“, berichtet Hannich. Auf über 26 000 sei der Verein gekommen. „Sie alle sind aber interessengeleitet“, erläutert er weiter. Das bedeutet, die Hilfe zielt darauf ab, in der Folge des Beratungsangebotes bestimmte Leistungen des Beratenden in Anspruch zu nehmen – etwa bei der Pflege oder der Betreuung von Menschen. Für Unwissende berge dies die Gefahr, in eine teure Falle zu tappen. Genau das soll mit dem Beratungsangebot im Weißwasseraner Rathaus vermieden werden.

„Wir beraten zu Themenfeldern bereits im Vorfeld einer Antragstellung in allen Fragen der Teilhabe, wie zum Beispiel Kindergarten mit Integrationsplatz, Schule und Schulbegleitung, Ausbildung und Arbeitsplatz sowie Rehabilitation, Hilfsmittel und Pflege“, erläutert Elke Träger, die die Beratung in Weißwasser macht. Sie selbst lebt mit einem Handicap, kennt also die Probleme und Hürden, die beispielsweise für einen Rentenantrag, für einen Pflegeantrag oder für bestimmte Zuschüsse bewältigt werden müssen. „Man kann viele Fehler machen und es ist besser, sich im Vorhinein zu informieren, worauf zu achten ist“, sagt die Beraterin.

Elke Träger stammt aus dem Oberland, hat zuvor beim Sozialverband VdK Beratungen durchgeführt. „Mir ist wichtig, ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der Menschen zu haben“, sagt sie. Einen Termin müsse man nicht vereinbaren, sondern einfach vorbeikommen. Aus Erfahrung wisse sie, dass nicht nur Betroffene Hilfe suchen, sondern auch Angehörige von Menschen mit einem Handicap. In Görlitz nämlich sei die Beratungsstelle bereits eröffnet und vermehrt würden gerade Familienmitglieder um Rat fragen. „Weil der Landkreis so großflächig ist, haben wir uns für vier Beratungsstellen entschieden“, berichtet Michael Hannich. Neben Weißwasser sind das Niesky, Zittau und Görlitz. Zunächst ist in Weißwasser vorgesehen, dienstags und donnerstags eine Sprechstunde anzubieten.

„Wir sind froh, ein solches Angebot in unserer Stadt zu haben“, erklärt Weißwassers Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Lange habe man nach einer passenden Räumlichkeit in Weißwasser gesucht und sich schließlich für das Rathaus entschieden. „Hier gibt es einen barrierefreien Zugang und auch behindertengerechte Parkplätze stehen zur Verfügung“, begründet Pötzsch. Er sei sich sicher, dass das Angebot des 2007 gegründeten Vereins von vielen im Norden des Kreises und in der Stadt genutzt werde.

Immerhin liegt der Anteil allein von Schwerbehinderten in Weißwasser laut Stadtvereinschef Frank Schwarzkopf bei 15,6 Prozent. Das sei weit über dem Bundesdurchschnitt. Hinzu komme, dass die demografische Entwicklung der Bevölkerungsstruktur sich weiter verschlechtere, also der Anteil der älteren Bevölkerung weiterhin zunehme. Das wiederum bedeutet, dass die Stadt und die Gesellschaft sich auf diese Entwicklung vorzubereiten haben, betont Frank Schwarzkopf. Allerdings ist dies kein Problem von Weißwasser allein. Im sächsischen Vergleich hatte der Landkreis Görlitz bereits 2009 mit 9,9 Prozent behinderter Menschen die Stadt Chemnitz (9,4 Prozent) als die Körperschaft mit dem höchsten Anteil behinderter Menschen an der Gesamtbevölkerung abgelöst. 2011 war Görlitz der einzige Landkreis, in dem jeder zehnte Einwohner eine Schwerbehinderung hatte, heißt es im jüngst erschienen Sozialatlas des Landkreises.

Das Büro des Vereins befindet sich im dritten Obergeschoss des Rathauses. Im Raum 322 ist Dienstag (14-17 Uhr) und Donnerstag (9-12 Uhr) die Beraterin vor Ort. Sie ist auch unter [email protected]) erreichbar. Eine Telefonnummer wird noch eingerichtet.