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Sonntag, 29.03.2015

Bekommt Bautzen einen Friedwald?

Im Stadtrat wurde jetzt über eine besondere Form der Bestattung diskutiert. Die Hürden dafür sind hoch.

Von Frances Scholz

Musterurne und Holzkreuz in einem Friedwald in Berlin. Die alternative Bestattung an einem Baum ist für immer mehr Lebende ein letzter Wille. Auch in Sachsen ist sie seit 2009 möglich, im Juni wird es einen ersten Bestattungswald bei Wurzen geben. Die sachsenweite Bürgerinitiative für Bestattungswälder wünscht sich so eine letzte Ruhestätte auch am Czorneboh.
Musterurne und Holzkreuz in einem Friedwald in Berlin. Die alternative Bestattung an einem Baum ist für immer mehr Lebende ein letzter Wille. Auch in Sachsen ist sie seit 2009 möglich, im Juni wird es einen ersten Bestattungswald bei Wurzen geben. Die sachsenweite Bürgerinitiative für Bestattungswälder wünscht sich so eine letzte Ruhestätte auch am Czorneboh.

© dpa/Britta Pedersen

Ein schlichtes Holzkreuz verweist darauf, dass sich hier eine Grabstätte befindet. Es steht mitten im Wald, umringt von Bäumen. Immer mehr Menschen wünschen sich, so ihre letzte Ruhe zu finden. In einem sogenannten Bestattungswald. Im Bautzener Stadtrat wurde jetzt darüber diskutiert, ob diese Form der Bestattung in den Bautzener Wäldern möglich wäre und welche Anforderungen es dafür gibt.

Was ist eigentlich unter einem Bestattungswald zu verstehen?

Diese naturnahe Bestattung ist eine Alternative zum Grab auf dem Friedhof. Eine Einäscherung des Verstorbenen muss der Bestattung vorausgehen. Dr. Christoph Schurr vom Kreisforstamt erklärt, dass die Urne zudem biologisch abbaubar sein muss. Sie wird dann an der Wurzel eines Baumes beigesetzt. „An einem Baum sind bis zu zehn Plätze möglich“, sagt Christoph Schurr. Der Baum kann eine Erinnerungstafel erhalten. Auf dieser können auch der Name und christliche Symbole stehen.

Sind Bestattungswälder in Deutschland überhaupt erlaubt?

Ja. Die einzelnen Bundesländer entscheiden selbst darüber. Nur in Sachsen gibt es bis jetzt keine Bestattungswälder. „Dabei ist das bei uns seit 2009 rechtlich möglich“, sagt Schurr. Deutschlandweit gibt es bereits mehr als 100 Friedwälder. Ab Juni wird dann auch der erste in Sachsen in Bennewitz bei Leipzig eingeweiht.

Woher kommt das Interesse für die naturnahe Bestattung?

„Bestattungswälder sind ein zunehmender Trend. Etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung nutzen sie“, sagt Christoph Schurr. Die Gründe dafür seien unterschiedlich. Ines Mättig von der sachsenweit agierenden Bürgerinitiative für Bestattungswälder wünscht sich diese Möglichkeit auf dem Czorneboh. Sie kennt die Gründe der über 230 Mitglieder der Initiative. „Viele fühlen sich mit der Natur verbunden. Andere haben keine Familie mehr, die sich um eine Grabpflege auf dem Friedhof kümmern könnten. Im Wald fällt das weg“, sagt sie.

Welche Voraussetzungen muss ein Bestattungswald erfüllen?

Die Errichtung eines Bestattungswaldes muss vor allem im Einklang mit dem Naturschutzgesetz geschehen. Neben dem Trinkwasserschutz ist auch eine verbindliche Nutzung des Waldes von 99 Jahren nötig. „Zudem muss der Bestattungswald an einer öffentlichen Straße liegen, es muss Parkplätze geben und eine genaue Abgrenzung durch Sträucher oder Hecken“, erklärt Christoph Schurr. Des Weiteren müsse auf dem Gelände eine schnelle Verrottung möglich sein und die Urnen müssen vor wühlenden Tieren geschützt liegen. Deshalb werden die Urnen bis zu 90 Zentimeter tief vergraben, sagt Schurr.

Wie viel würde eine Bestattung im Wald kosten?

In Deutschland gibt es zwei Anbieter für eine naturnahe Bestattung: „Ruheforst“ und „Friedwald“. Ein Urnengrab bei der Firma „Friedwald“ kostet zum Beispiel 490 Euro . Ein Baum mit zehn Plätzen kostet rund 5 000 Euro. Zudem sind andere Varianten und Preisstufen möglich. So gibt es auch „Familienbäume“. Generell fallen aber immer 275 Euro für die Beisetzung durch den „Friedwaldgärtner“ an. Zum Vergleich: Eine einfache Urnenbestattung mit Grabstätte auf einem Friedhof kostet je nach Region durchschnittlich rund 5 000 Euro.

Welche Möglichkeiten der naturnahen Bestattung gibt es in Bautzen?

Christoph Schurr stellte im Stadtrat zwei mögliche Plätze vor. Den Humboldthain und den Czorneboh. „Im Humboldthain sind sehr viele Flächen wasserrechtlich geschützt. Eine Genehmigung für einen Bestattungswald ist dort nahezu unmöglich.“ Auch auf dem Czorneboh wird die naturnahe Bestattung ebenfalls schwierig. „Dort gibt es viele Flächen, die der Erholung dienen, oder unter den Wasser- und Naturschutz fallen.“ Für einen Friedwald bleibt nur wenig Platz. Zudem kann die Stadt über eine Errichtung auf dem Czorneboh nicht selbst entscheiden. „Weil der Wald außerhalb liegt, müsste die Gemeinde Hochkirch darüber entscheiden“, erklärt Schurr. Darüber hinaus muss die Bautzener Stadtverwaltung den Nachweis erbringen, dass ein enormes Bedürfnis für einen Bestattungswald besteht. Dieser muss ein Interesse im Umkreis von 40 Kilometern abdecken. Der Stadt Bautzen gehören insgesamt mehr als 2 000 Hektar Wald. Unter anderem am Mönchswalder Berg. „Man müsste jetzt die einzelnen Flächen genau prüfen und schauen, wo es keine Überschneidungen mit anderen Belangen gibt.“

Was sagen die Kirchen zu einem Bautzener Bestattungswald?

Mit viel Skepsis auf die Bestattungswälder reagieren die Kirchen. „Wir stehen dem kritisch gegenüber. Wahrscheinlich ist es ein Modetrend wie Seebestattungen“, sagt Claus Gruhl, Verwaltungsleiter der evangelischen Kirchgemeinde St. Petri in Bautzen. Die katholische Kirche sieht die Bestattungswälder ebenfalls kritisch. Sie begründet das damit, dass Friedhöfe der richtige Ort zum Trauern und Gedenken sind.