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Dienstag, 06.12.2011

Bei der Erlösung des Klimas stört der Mensch

Unter dem Titel Perspektiven veröffentlicht die Sächsische Zeitung kontroverse Essays, Analysen und Interviews zu aktuellen Themen. Texte, die aus der ganz persönlichen Sicht der Autoren und Gesprächspartner Denkanstöße geben, zur Diskussion anregen sollen.Heute: Vera Lengsfeld zum Klimawandel und dessen Instrumentalisierung. Die Politik liebäugelt mit totalitären und planwirtschaftlichen Lösungen. Die Massen sollen reglementiert werden: nicht mehr nach Wohlstandstreben, sondern ihr Leben reduzieren.

Von Vera Lengsfeld

Solange die Menschheit existiert, soll der Mensch erlöst werden: von seinen Sünden durch die Religion, von Ausbeutung und Unterdrückung durch Ideologien, von seinen irdischen Unzulänglichkeiten durch „wissenschaftliche“ Weltverbesserungstheorien.

Im Klima wurde nun das ideale Erlösungsobjekt gefunden. Es kann den Aussagen, die über es gemacht werden, nicht widersprechen. Die Behauptungen über die menschengemachte Erderwärmung und ihre Bekämpfungsmöglichkeiten sind kurzfristig nicht zu widerlegen. Die Politiker, die Beschlüsse fassen, deren Wirkung sich in 50 Jahren zeigen soll, sind nicht für ihre Fehlentscheidungen zu belangen. Mit dem Dogma, dass, wer sich den „Klimaschutz“-Bemühungen nicht beugt, die Zukunft des Planeten gefährdet, wurde ein scheinbar unwiderlegbares moralisches Argument geschaffen, das der Rechtfertigung aller Härten dient, denen die Menschen ausgesetzt werden.

Deshalb wird der Klimaschutz von Politikern, auch wenn sie, wie unsere Kanzlerin, über naturwissenschaftlichen Verstand verfügen, vehement gegen alle berechtigten Zweifel verteidigt. Es ist gelungen, die zum Glaubenssatz zementierte Hypothese, wonach die menschengemachte Erderwärmung mit allen Mitteln bekämpft werden muss, nicht nur in internationalen Abkommen zu zementieren, sondern die politischen Führer aller Industrieländer dahinter zu vereinen.

Mehr noch. Trotz wachsender berechtigter Zweifel, trotz der praktisch auf allen Weltklimakonferenzen aufgetauchten praktischen Hindernisse, trotz der Absurdität, dass die Klimaretter als Kollateralschaden ihrer Konferenzen den Ausstoß von klimaschädlichen Gasen in schwindelerregende Höhen trieben, wird daran festgehalten, dass globales Handeln erforderlich sei und die Menschen ihre Art zu leben aufgeben müssten. Gemeint ist der Massenwohlstand, der sich in den sechzig Jahren nach dem letzten Weltkrieg in der westlichen Welt entwickelt hat und sich von dort bisher unaufhaltsam über den Rest der Welt ausbreitet.

Die Rolle des Weltenlenkers

Mit dem Wohlstand einher geht eine wachsende Unabhängigkeit der Menschen von irdischen Herrschern. Dieser Gedanke scheint auch demokratischen Politikern unerträglich zu sein, die sich statt als Diener ihres Volkes lieber in der Rolle des Weltenlenkers sehen. Die totalitären Versuchungen, denen sie sich aussetzen, scheinen ihnen nicht bewusst zu sein, oder vernachlässigbar. Anders ist es nicht zu erklären, dass selbst eugenisches Gedankengut wie zwangsweise Bevölkerungsdezimierung durch rigorose Geburtenkontrolle bei Klimaschützern wieder akzeptiert wird.

In gefährlicher Nähe zur Eugenik bewegt sich auch Umweltminister Röttgens Vorschlag, jedem Menschen ein -Kontingent zuzumessen. Was passieren soll, wenn dieses Kontingent aufgebraucht ist, sagt Röttgen noch nicht. Das lässt Schlimmes ahnen. Deshalb sollte sich das Objekt der Möchtegern-Weltherrscher, die Bevölkerung, die Gefahren, die von einem Klimatotalitarismus ausgehen, unbedingt bewusst machen. Sie wird die Folgen zu tragen haben.

Hinter dem Gedanken, dass sich das Klima nach politischen Beschlüssen richten könnte, feiert die stalinistische Hybris von der Beherrschbarkeit der Natur durch den Menschen ihre demokratische Auferstehung. Aber nicht nur die Natur soll sich nach globalen Einheitsbeschlüssen ausrichten. Vor allem der Mensch soll das tun. Oberstes Ziel ist dabei nicht mehr das Wohl der Menschheit, sondern die „Rettung“ des Klimas. Um dieses edlen Zieles willen sollen die Massen reglementiert werden: nicht mehr nach Wohlstand streben, sondern ihr Leben ändern, ihr Leben reduzieren. Weg von der individuellen Mobilität, weg vom Massenwohlstand, weg mit der Unabhängigkeit des Einzelnen von der politischen Kaste. Auf dem Weg zur Weltregierung, die seit dem Scheitern der Kopenhagener Klimakonferenz immer unverhohlener gefordert wird, weil die „Herausforderungen“ des Klimawandels nicht mit demokratischen Methoden zu bewältigen seien, werden immer häufiger die Verhaltensmuster totalitärer Herrscher kopiert. In Kopenhagen und Durban dominierten Nachtsitzungen, ganz nach dem Vorbild von Väterchen Stalin, der im Kreml arbeitete, während die Untertanen schliefen. Unsere Kanzlerin hat solche nächtlichen Aktivitäten längst zu ihrem Markenzeichen gemacht, das auch ihre Innenpolitik dominiert.

Auffällig auch die immer größere Nähe zur Planwirtschaft mit ihren falschen Verheißungen. Kanzlerin Merkel verkündete in ihrer letztjährigen Neujahrsansprache die grundlegende Notwendigkeit der Veränderung unserer Wirtschaftsweise in den nächsten zehn Jahren. Wieso das? Es war doch diese Wirtschaftsweise, die in weniger als zwanzig Jahren erfolgreich die Folgen des Bankrotts der sozialistischen Planwirtschaft beseitigt und dafür gesorgt hat, dass die Bewohner der ehemaligen DDR sich über ein Lebensniveau wie ihre westdeutschen Verwandten freuen können. Nun soll durch Merkel’sche Perestroika mehr „Nachhaltigkeit“ in die Wirtschaft eingeführt werden. Sie lässt durchblicken, dass diese Nachhaltigkeit wichtiger sei als „unser“ Lebensniveau. Wobei sie jedoch nicht das ihre oder das ihrer Klientel meint, sondern nur das der Bevölkerung, die, wie gehabt, die Folgen illusionärer politischer Ambitionen ausbaden soll.

Ein nachhaltiges Europa

Auf europäischer Ebene versucht Merkels Amtskollege, der Sozialist Zapatero, die Planwirtschaft verbindlich zu machen, natürlich mit dem Ziel, ein „besseres“, „nachhaltigeres“ Europa zu schaffen. Merkel, Zapatero, Sarkozy und die anderen heckten eine „Agenda 2020“ aus, offiziell eine Strategie für mehr Wirtschaftswachstum in Europa. Darunter verstehen diese Politiker allerdings nicht mehr Marktwirtschaft, sondern die Lenkung der Wirtschaft mittels staatlicher Konjunkturprogramme. Was das bedeutet, kann man in der Geschichte der untergegangenen sozialistischen Länder studieren: unrentable Großprojekte, die mit Staatsgeldern künstlich am Leben gehalten werden und allmählich die anderen Strukturen ersticken.

Deutschlands Politiker sehen sich auf diesem Weg in der führenden Rolle. Nachhaltigkeit bedeutet, dass Europa mit Windparks, Bioenergieanlagen und Solaranlagen überzogen werden soll, die der traditionellen Energiegewinnung früher oder später den Garaus machen würden. Das hätte natürlich gravierende Auswirkungen auf die Wirtschaft und damit auf die Versorgung der Bevölkerung. Die politische Kaste und ihr Klientel würden sich mit aus dem Sozialismus bestens bekannten Sonderversorgungssystemen vor den Folgen ihrer Politik zu schützen wissen. Für alle übrigen sind die Segnungen des Wohlstandsverzichts bereits formuliert. Den Menschen gehe es nicht wirklich schlechter, wird es heißen. Zwar müssten sie auf diese und jene materiellen Güter verzichten, aber ihr Leben würde sicherer sein, denn das Klima wäre geschützt.

Fazit: Bei der Erlösung des Klimas stört der Mensch.

Aus der Rede von Vera Lengsfeld bei einer Klimakonferenz in München am 26.11.2011