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Freitag, 14.09.2018

Bavaria-Klinik startet Pflegekräfte-Offensive

In Kreischa werden Berufseinsteiger in einer Modellstation ausgebildet. Nicht nur sie bekommen aber eine Chance.

Von Stephan Klingbeil

Abseits des alltäglichen Klinikbetriebs schult Sebastian Mühne vom Simulations- und Trainingszentrum in Kreischa sowohl Mediziner als auch Pflegefachkräfte.
Abseits des alltäglichen Klinikbetriebs schult Sebastian Mühne vom Simulations- und Trainingszentrum in Kreischa sowohl Mediziner als auch Pflegefachkräfte.

© Foto: Klinik Bavaria

Kreischa. Die Klinik Bavaria in Kreischa startet ab Januar 2019 ein neues Programm, um neue Pflegekräfte zu gewinnen. Dabei sollen sich vor allem Berufseinsteiger, aber auch wechselwillige Arbeitskräfte anderer Gesundheitseinrichtungen mit bis zu fünf Jahren Berufserfahrung angesprochen fühlen. Das Programm heißt „TrainWeekx“ und es hält 30 Plätze bereit. Im Fokus steht dabei die mehrwöchige Aus- und Weiterbildung von Gesundheits- und Krankenpflegern, Krankenpflegerhelfern und Altenpflegern. Bewerben kann man sich ab sofort bis 22. Oktober.

Zunächst findet ein vierwöchiges Vollzeit-Training im klinikeigenen Simulations- und Trainingszentrum in Kreischa statt. Hier gibt es Übungsräume mit Puppen, die von auch von Krankenschwestern, Pflegern und Ärzten genutzt werden für das Training in verschiedenen Tätigkeitsbereichen. Sebastian Mühne ist dort sogenannter Skills-Trainer, und schult auch die Programmteilnehmer.

„Das ist eine Art Modellstation zur Ausbildung“, erklärt Kliniksprecherin Kathleen Balle. Dort wird abseits des Klinikbetriebs der Alltag, aber auch spezielle Situationen für die möglichen künftigen Pflegekräfte simuliert. „Da können Bewerber erst mal reinschnuppern“, so Balle weiter. Und der normale Klinikbetrieb könne parallel und auch davon unabhängig weiterlaufen.

Nach den vier Wochen dieser Grundausbildung übernehmen die Teilnehmer eine eigene Station im Reha-Bereich der Klinik Bavaria unter Führung einer erfahrenen Kraft der Stationsleitung.

Abläufe, Strukturen und Verantwortlichkeiten werden von dem jeweiligen Team eigenständig im Rahmen der Vorbereitung gestaltet. „Die Stärken jedes Einzelnen sollen dabei individuell Berücksichtigung finden“, sagt Balle.

Das Qualifizierungsprogramm umfasst Schulung, Training und Einarbeitung. Im Schulungsmodul werden die Teilnehmer in Themenfeldern wie Notfall- und Beatmungsmanagement oder den klinikspezifischen Krankheitsbildern trainiert. Bei Hospitationen lernen die Berufseinsteiger den Stationsalltag im Früh-Reha-Bereich kennen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Arbeitsplatzgestaltung. Dazu zählen auch teaminterne Prozesse wie Dienst- oder Urlaubsplanung. Damit das neue Stationsteam von Anfang an als Team handelt, begleiten vielfältige teambildende Maßnahmen das Training.

Die Klinik Bavaria in Kreischa zählt mit ihrem Fachkrankenhaus und dem Schwerpunktzentrum zur medizinischen Rehabilitation einer der größten Arbeitgeber der Region. Mehr als 3 000 Mitarbeiter sollen in den verschiedenen Bereichen tätig sein. Das Unternehmen sucht fortwährend Personal. Vor allem in der Pflege gebe es Handlungsbedarf. Mitarbeiter aus Polen und Tschechien werden hier bereits eingesetzt. Sprachzertifikat und Ausbildungsanerkennung seien Voraussetzung für eine Beschäftigung. Bei Bewerbern aus Nicht-EU-Ländern ist die Anerkennung aber schwieriger.

In Krankenhausplan aufgenommen


Um Mitarbeiter und Azubis zu finden, hatte das Unternehmen 2017 unter anderem ein Servicecenter als Anlaufpunkt in der Prager Straße in Dresden geschaffen, wo sich bis zu diesem Sommer ebenfalls jenes Trainingszentrum befand. Nach Auslaufen des dortigen Mietvertrags wurde die „Modellstation“ aber in das Klinikgebäude in Kreischa integriert und bleibt nun dort.

Seit 2013 werden in der klinikeigenen Berufsfachschule Pflegekräfte ausgebildet. Jedes Jahr, im März und im September, beginnt jeweils eine neue Klasse ihre Ausbildung. Und seit diesem Monat gehört die Berufsfachschule auch zum Krankenhausplan des Freistaats, der nun – nach vier Jahren – überarbeitet wurde (SZ berichtete).

Darin sind 5 484 Ausbildungsplätze ausgewiesen. „Dies sind 660 mehr als zuvor“, sagt Jörg Förster, Sprecher des sächsischen Ministeriums für Soziales und Verbraucherschutz. Diese 660 Plätze wurden über Aufstockungen an länger bestehenden Berufsfachschulen – sowie durch die Listung der zwei neuen Berufsfachschulen in Kreischa und Leipzig geschaffen. Hierbei mit je 150 Plätzen für Gesundheits- und Krankenpfleger in spe. „Die Klinik Bavaria hatte sich schon länger um eine Aufnahme bemüht“, sagt Balle. Damit verbunden sei nun die Möglichkeit, mit Krankenkassen Vereinbarungen zu Ausbildungsbudgets zu treffen. „Das ist aber kein Automatismus“, so die Sprecherin weiter. Wie hoch die finanzielle Unterstützung künftig sei, könne sie derzeit nicht sagen.

Der wesentliche finanzielle Mehrwert der Ausnahme liegt Förster zufolge darin, dass Kosten der Ausbildungsstätten und -vergütungen sowie Mehrkosten durch Zuschläge von Krankenkassen finanziert werden. Dies erfolge über Pauschalen je Ausbildungsplatz und -beruf. Dass die Klinik erst jetzt aufgenommen wurde, hänge damit zusammen, dass es bei der vorherigen Überarbeitung 2014 sachsenweit unbelegte Ausbildungsplätze gab, sodass „kein Bedarf an weiteren Plätzen zur Aufnahme in den Plan gesehen wurde“, sagt Förster. Seither sei aber der weitere Bedarf an qualifizierten Pflegekräften in den Fokus gerückt.