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Montag, 23.11.2015

Bauverzug im Zwinger

Einer Firma musste der Auftrag an der Sempergalerie gekündigt werden. Der Ostflügel wird erst Anfang 2016 fertig.

Von Peter Hilbert

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Frisch saniert sind die Hallen der künftigen Skulpturensammlung. Der unterirdische Durchgang führt zum Kassenbereich im anderen Teil der Sempergalerie.
Frisch saniert sind die Hallen der künftigen Skulpturensammlung. Der unterirdische Durchgang führt zum Kassenbereich im anderen Teil der Sempergalerie.

© Sven Ellger

Dresden. Die Sempergalerie wird noch schöner. Im Ostflügel ist dies derzeit besonders im Erdgeschoss sichtbar. Bis zu 200 Handwerker und Restauratoren arbeiten seit Herbst 2013 an der Sanierung des Gebäudeteils. Jetzt präsentiert sich die einstige Rüstkammer, die künftige Skulpturenhalle, in einem gedämpften Rot wie zu Gottfried Sempers Zeiten. Er hatte den Bau Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. „Wir stehen hier vor einer großen Herausforderung“, sagte Finanzmister Georg Unland (CDU). Bei laufendem Betrieb werde eines der weltweit meistbesuchten Museen saniert.

Der Ostflügel als erster Bauabschnitt ist jetzt weitgehend saniert. Dabei wurden in der künftigen Skulpturenhalle auch die illusionistischen Deckenmalereien gereinigt, sodass sie jetzt wieder schön aussehen. Allerdings sollte dies bereits im Sommer geschafft sein. Für die Verzögerung führte Unland zwei Gründe an. Einerseits gab es Probleme mit der Stoffbespannung der Wände im Obergeschoss. Die textile Verkleidung muss aus Brandschutzgründen flammenhemmend sein. Andererseits war ein besonderes Grau gewünscht. Nachdem die ersten Stoffbahnen angebracht worden waren, stellte sich heraus, dass sie diesen Kriterien nicht entsprechen. Die Farbe sei nicht passend gewesen. Deshalb wurde eine andere Weberei beauftragt, die Stoffbahnen herzustellen. Die sind mittlerweile an den Wänden gespannt.

Zudem verzögerte sich der Bau eines Treppenhauses neben der Sophienstraße, von dem aus das Obergeschoss erreichbar ist. „Die Baufirma war nicht so schnell“, sagte der Minister. Deshalb wurde ein anderes Unternehmen beauftragt.

Unterirdischer Durchgang ist fertig

„Wir haben jetzt drei Monate Bauverzug“, räumt Ludwig Coulin ein. Er leitet die zuständige Niederlassung des Staatsbetriebes Sächsisches Bau- und Immobilienmanagement (SIB). Ursprünglich war geplant, dass die Sanierung des Ostflügels im Sommer beendet wird. Jetzt soll der gesamte Umzug der Gemäldegalerie Alte Meister vom West- in den Ostflügel bis Ende Februar geschafft sein. „In der Weihnachtszeit alles umzustellen wäre nicht sinnvoll“, argumentiert Coulin. So könnten die verbleibenden Wochen genutzt werden, die letzten Handgriffe zu erledigen und Baumängel zu beseitigen. Zudem ist das östliche Treppenhaus erst im Januar fertig.

Die sanierte Sempergalerie wird den jährlich rund 400 000 Besuchern sichtbare Vorteile bieten. Sie werden komfortabler vom Westflügel mit Kassenbereich und Garderobe zur anderen Seite kommen. Dafür ist ein unterirdischer, etwa 50 Meter langer Gang gebaut worden. Deshalb mussten die Kellerwände durchbrochen werden. In dem Durchgang gibt es einerseits Treppen, für Behinderte an beiden Seiten aber auch Aufzüge.

Im Erdgeschoss sind moderne, dreifach verglaste Fenster eingebaut worden. So kann Tageslicht mit seinen wechselnden Stimmungen die Skulpturen wie in einem Atelier beleuchten. Zudem strahlen LED-Leuchten dort die Decke an. So können die Skulpturen auch mit dezentem Seitenlicht angeleuchtet werden, erklärt SIB-Chef Coulin einen weiteren Vorteil.

Moderne Fenster gibt es jetzt auch im Obergeschoss. Deutlich verbessert wurde zudem die Be- und Entlüftungsanlage. Bei der sogenannten Quell-Lüftung kommt die frische Luft aus Verkleidungen über dem Boden, steigt nach oben und wird unter der Decke abgesaugt. Das ist wesentlich wirtschaftlicher, so Coulin. Außerdem wird das Raumklima für die äußerst empfindlichen alten Gemälde deutlich verbessert. Besucher können sie auch wegen der erneuerten Oberlichter besser betrachten. Die waren bisher aus Milchglas. Nun sind Scheiben aus Kristallglas mit einem Mikroraster aus Draht installiert. So wird zwar der Einfall von zu grellem Sonnenlicht verhindert. Bis zur Dämmerung sorgen die neuen Oberlichter aber für ausreichende Helligkeit in den Ausstellungsräumen.

Gemäldegalerie schließt zwei Monate

Während die Bauleute noch arbeiten, werden die ersten Ausstellungen schon eingeräumt. In der künftigen Skulpturenhalle errichten Handwerker bereits Einbauten und Stellwände. Denn vorerst wird auch hier die Gemäldegalerie Alte Meister einziehen. Bis Mitte Dezember werden den Staatlichen Kunstsammlungen auch die anderen Räume übergeben. Wegen des Umzugs bleibt die Gemäldegalerie Alte Meister vom 4. Januar bis 25. Februar 2016 geschlossen. Dann öffnet sie im Ostflügel, sodass die andere Gebäudehälfte bis Ende 2017 saniert werden kann. Insgesamt investiert der Freistaat rund 47 Millionen Euro für die Sempergalerie.

Leser-Kommentare

Insgesamt 1 Kommentar

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  1. Kim Jong Ungezogen

    Sinnvoll angelegtes Geld - ich freue mich auf die Wiedereröffnung nach Abschluss der Sanierung.

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