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Donnerstag, 09.08.2018

Baut Edeka den früheren Penny-Markt um?

Bischofswerda arbeitet am Bebauungsplan „Einzelhandel“. Der Entwurf sagt auch etwas über mögliche Investitionen aus.

Von Ingolf Reinsch

Seit drei Jahren ist der ehemalige Penny-Markt an der Stolpener Straße in Bischofswerda geschlossen. Edeka hat Interesse, hier umzubauen und zu verkaufen. Nach Auskunft des Landratsamtes wurde dafür bereits ein Bauantrag gestellt.
Seit drei Jahren ist der ehemalige Penny-Markt an der Stolpener Straße in Bischofswerda geschlossen. Edeka hat Interesse, hier umzubauen und zu verkaufen. Nach Auskunft des Landratsamtes wurde dafür bereits ein Bauantrag gestellt.

© Steffen Unger

Bischofswerda. Die Landschaft der Bischofswerdaer Verbrauchermärkte könnte sich in nächster Zeit verändern. Aldi will seinen jetzigen Standort am Güterbahnhof verlassen und drängt an die äußere Bautzener Straße. Edeka will nach Bischofswerda und favorisiert nach SZ-Informationen den vor drei Jahren geschlossenen Penny-Markt an der Stolpener Straße. Aus 800 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen den Plänen zufolge 1 200 werden, indem der bisherige Markt-Parkplatz bebaut wird. Die Pkw-Stellflächen für den Verbrauchermarkt sollen auf dem benachbarten Bad-Parkplatz angelegt werden.

Die Stadt Bischofswerda nimmt auf diese Pläne Rücksicht: Der Entwurf des Aufstellungsbeschlusses für den Bebauungsplan „Einzelhandel“ – Thema im Ausschuss für Technik und Wirtschaft am Dienstagabend – bezieht Teile der Stolpener Straße einschließlich Bad-Parkplatz und das ehemalige Speditionsgelände in den Zentralen Versorgungsbereich Stadtzentrum mit ein. Damit kann dort auch künftig großflächig für den Einzelhandel gebaut werden.

Der Bebauungsplan, über dessen Aufstellung der Stadtrat am 28. August entscheiden soll, ist die Voraussetzung für die Bauleitplanung in den nächsten Jahrzehnten. Er ist die Folge des im März von den Stadträten beschlossenen Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes für Bischofswerda. Nur auf Grundlage eines Bebauungsplanes können die drei Zentralen Versorgungsbereiche im Stadtgebiet geschützt und so genannter Wildwuchs beim Bau von Märkten mit bis zu 800 Quadratmeter Verkaufsfläche künftig unterbunden werden.

Magnet am Rande der Innenstadt schaffen

Beim vorliegenden Planentwurf geht es insbesondere darum, die Bereiche Stadtzentrum und Schiebock-Passage in der Südstadt zu schützen. Für den dritten Versorgungsbereich Carl-Maria-von-Weber-Straße, unter anderem mit Rewe XL, Adler und Hagebau-Markt, existiert bereits ein Bebauungsplan. Außerhalb der drei genannten Gebiete sollen die im Einzelhandels- und Zentrenkonzept aufgeführten „zentrenrelevanten Sortimente“ nicht zulässig sein, heißt es. Für Tankstellenshops, Werksverkäufe und sogenannte Kleinstläden der Nahversorgung, wie zum Beispiel Bäcker und Fleischer, will die Stadt gesonderte Regelung treffen.

Bei den Plänen für die Stolpener Straße – seit weit über 15 Jahren ein Thema – geht es vor allem darum, einen Magneten am Rande der Innenstadt zu schaffen, der Kunden nach Bischofswerda zieht. Das von der Stadt mit dem Erstellen des Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes beauftragte Unternehmen Cima sieht gerade auf diesem Gebiet ein enormes Defizit und daraus resultierende weitreichende Konsequenzen. „Auffällig ist das Fehlen eines größeren Magnetbetriebes im Standortbereich, wodurch die Kundenfrequenz entsprechend gering ausfällt“, schreibt Cima. Dies wiederum sei „Mitauslöser der Leerstandsproblematik im Umfeld des Altmarktes, auch wenn in der Einzelbetrachtung der brachgefallenen Ladeneinheiten oftmals auch eine zu geringe Größe oder ein ungeeigneter Zuschnitt ausschlaggebend war“.

Größerer Lebensmittelmarkt fehlt

Das Fehlen eines größeren Lebensmittelmarktes wirkt sich laut Cima „nachteilig für die Einkaufslagen in der Bischofswerdaer Innenstadt“ aus. Der ehemalige Penny-Markt wird in diesem Zusammenhang der Innenstadtlage zugerechnet. „Vor diesem Hintergrund ist ein Ausbau des Lebensmittelangebotes – insbesondere die Ansiedlung eines größeren, modernen Marktes – wünschenswert“, heißt es weiter im Einzelhandelskonzept. Die tägliche Kundenfrequenz könnte „im Falle einer günstigen Lagebeziehung und einer fußgängerfreundlichen Anbindung auch den am Altmarkt und seinen Nebenstraßen ansässigen Fachhandelsgeschäften zugutekommen und die Leerstandsentwicklung eindämmen helfen“. Da der historische Altstadtkern durch eine kleinteilige Baustruktur gekennzeichnet ist, sieht man bei Cima die potenzielle Fläche für die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes nur in der innerstädtischen Randlage – insbesondere an der Stolpener Straße mit dem früheren Speditionsgelände und dem einstigen Penny-Markt gegenüber.

Einen Vorschlag, wie ein künftiger Verbrauchermarkt an der Stolpener Straße an den Altmarkt angebunden werden könnte, unterbreiteten Bischofswerdaer Unternehmer, die sich zum Wirtschaftsförderverein zusammenschlossen, schon vor mehreren Jahren. Sie regten eine Art Flaniermeile über die Herrmannstraße mit verschiedenen Stationen an. Doch ob ein rund 500 Meter vom Altmarkt entfernter Verbrauchermarkt tatsächlich Kunden in Größenordnungen in die Innenstadt zieht, daran scheiden sich die Geister. „Ein attraktiver Lebensmittelmarkt gehört auf den Markt“, sagt eine Geschäftsinhaberin. Wie wäre es denn zum Beispiel mit dem „Goldenen Engel“, über den die Stadt als Eigentümerin selbst verfügen kann?