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Mittwoch, 15.06.2011

Baudenkmal soll für Parkplätze zerballert werden

An der Gellertstraße prallen Vereinsträume und Stadtgeschichte aufeinander. Weil der Chemnitzer Fußballklub dringend mehr Parkplätze für Fans braucht, könnte ein Baudenkmal der Eugen-Esche-Stiftung dem Aufstieg zum Opfer fallen.

Von Mandy Schneider

Chemnitz. Die Häuser in der Forststraße 24 bis 30 sind seit Jahren dem Verfall preisgegeben. Doch mit dem Komplex verbindet sich ein großer Name, in dessen Licht sich Chemnitz gern sonnt. Otto Moritz Eugen Esche aus der Chemnitzer Strumpfdynastie ließ das einst schmucke Ensemble um 1900 als Wohnraumstiftung für Arbeiter errichten.

Der CFC sicherte sich das Areal am Stadioneingang per Erbpachtvertrag von der Stadt. Denkmalschützer Sandro Schmalfuß (32) fragte beim Verein im Auftrag eines Investors an, ob das Baudenkmal zu verkaufen ist: „Dabei erfuhr ich von den Abrissplänen zugunsten von Parkplätzen. Das wäre eine neue Lücke im Ensemble der erhaltenen Eschebauten in der Stadt.“ Auch Esche-Urenkel Ingo Esche (68) bedauert die Pläne: „Es stimmt mich traurig. Aber ich habe keine Mittel, um eine Alternative aufzuzeigen.“

Der Verein wollte einen geplanten Abriss weder bestätigen noch dementieren. CFC-Präsident Mathias Hänel (46) sagte gestern: „Es gibt keine beschlossenen Umbaumaßnahmen.“ Allerdings steht der Verein unter Zeitdruck. Am 30. Juni nächsten Jahres läuft die Sondergenehmigung des Deutschen Fußballverbandes für das Stadion aus. Eine Verlängerung ohne bauliche Veränderungen hält Hänel für „ausgeschlossen“. Dazu gehören auch Parkplätze. „Wenn bei einem Spiel wie gegen RB Leipzig 13.000 Zuschauer kommen, ist die Parksituation schwierig“, räumt Mathias Hänel ein.

Um künftige Fan-Ströme abzufedern, bietet die Chemnitzer Verkehrs AG Hilfe an. Sprecher Stefan Tschök (54): „Es ist wünschenswert, dass möglichst viele Fans öffentliche Verkehrsmittel nutzen. Dafür könnten auch mehr Busse eingesetzt werden. Ich werde noch im Juni mit dem CFC über konkrete Zahlen sprechen.“