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Dienstag, 04.09.2018

Bastelt Dynamo an der großen Lösung?

Die Suche nach dem neuen Trainer dauert länger als erwartet, dabei wird sogar über namhafte Kandidaten spekuliert.

Von Sven Geisler und Tino Meyer

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Vorige Saison bei Borussia Dortmund, bald in Dresden? Die Vereinsfarben wären gleich, aber würde sich einer wie Peter Stöger tatsächlich auf Dynamo einlassen?
Vorige Saison bei Borussia Dortmund, bald in Dresden? Die Vereinsfarben wären gleich, aber würde sich einer wie Peter Stöger tatsächlich auf Dynamo einlassen?

© dpa/Ina Fassbender

Endlich kommt eine Nachricht. Es ist 16.40 Uhr am Montag, als Dynamo Dresden die Einladung zum Medientermin schickt. Der neue Trainer … wird am Dienstag jedoch nicht präsentiert. Vielmehr unternimmt die Mannschaft einen Ausflug, die Profis verbringen mit ihren Familien „einen gemeinsamen Nachmittag in lockerer Atmosphäre“ im Strandcafé an der Kiesgrube in Leuben, heißt es in der E-Mail des Vereins. Für 20 Minuten bestehe die Möglichkeit für kurze Interviews „mit anwesenden Spielern, Trainern, Geschäftsführern, Gremienvertretern und Präsidiumsmitgliedern“.

Dass sich der neue Chefcoach bei dieser Gelegenheit vorstellt, nachdem er am Vormittag zum ersten Mal das Training geleitet hat, ist unwahrscheinlich. Die Verpflichtung eines Nachfolgers für den vor knapp zwei Wochen entlassenen Uwe Neuhaus scheint schwieriger zu sein als gedacht, zumindest dauert sie länger. Denn ursprünglich sollte der Aufsichtsrat am Sonnabend über die derzeit spannendste Personalie im Verein informiert werden. Aber nachdem das Heimspiel gegen den Hamburger SV kurzfristig abgesagt wurde – ein Nachholtermin stand bis Montagabend nicht fest, es dürfte auf den 18. oder 19. September hinauslaufen –, wurde daraus nichts. Offenbar gab es auch noch keinen finalen Vorschlag der Sportgeschäftsführer, den das Kontrollgremium nach wirtschaftlichen Kriterien prüfen würde. Sonst hätte man sich trotzdem treffen oder – wie bei Spielerverpflichtungen üblich – im Umlaufverfahren schriftlich entscheiden können.

Namen kursierten einige, zuletzt schienen sich die Gerüchte auf zwei zu verdichten: Lukas Kwasniok, Anfang des Monats als U19-Coach beim Karlsruher SC beurlaubt, sowie Maik Walpurgis, seit einem Jahr auf Vereinssuche. Doch plötzlich wird in sozialen Netzwerken auch einer wie Peter Stöger als Kandidat gehandelt. Bastelt Dynamo also doch an einer großen Lösung? Käme der 52 Jahre alte Österreicher, der den 1. FC Köln in die Europa League geführt und vorige Saison bei Borussia Dortmund gearbeitet hat, überhaupt infrage?

Minge hat eine namhafte Option zumindest nicht ausgeschlossen, immerhin ist die Sportgemeinschaft schuldenfrei. „Sicher ist das schon ein Pfund, mit dem wir wuchern können“, sagt der Sportchef. „Die anderen Geschichten haben ja immer gezogen: das Stadion, die Emotionen, eine tolle Stadt. Wir haben was zu bieten.“

Trotzdem: Mal abgesehen davon, dass Stöger doch nur als Scherz gemeint war und Ralf Minge sowieso keine Namen kommentiert, hängt die Verpflichtung eines neuen Cheftrainers von vielen Faktoren ab. Die finanzielle Seite ist nur eine. Der neue Chef muss die Verantwortung für eine Mannschaft übernehmen, die er weder zusammengestellt noch auf die Saison vorbereitet hat. Bis zum nächsten Punktspiel am 14. September blieben ihm anderthalb Wochen inklusive der beiden Testspiele am Freitag beim FK Usti und gegen Bohemians Prag in Wilsdruff. Doch das ist herzlich wenig, um entscheidende Impulse zu setzen.

Fünf Spieler auf Länderspielreise

Für personelle Veränderungen im Kader ist der Zug seit vorigem Freitag sowieso erst einmal abgefahren, zudem sind fünf Spieler bis nächsten Mittwoch im Länderspieleinsatz: Haris Duljevic für Bosnien-Herzegowina, Aias Aosman für Syrien, Markus Schubert mit der deutschen und Linus Wahlqvist mit der schwedischen U21 sowie Vasil Kusej für Tschechiens U19.

Hinzu kommt, dass ein gestandener Trainer das Arbeitsumfeld vielleicht von vornherein kritischer bewerten dürfte als einer, der im Profi-Bereich noch Fuß fassen muss. Der Verschleiß auf Dynamos Bank ist nur ein Nebenaspekt, der Trainerstab dagegen ein wichtiger. Er darf einen Vertrauten als Co-Trainer mitbringen, weitere Positionen bleiben aber unabhängig vom Chefcoach besetzt, stellt Minge klar.

Er meint zum Beispiel Athletiktrainer Philippe Hasler, Videoanalyst Felix Schimmel und Sportpsychologe Sascha Lense. „Es ist anderswo teilweise Standard, dass Trainer mit vier, fünf eigenen Leuten anrücken“, sagt Minge. „Das wird nicht unser Weg sein. Wir haben ganz klar ein paar Konstanten definiert, auf die wir über längere Zeiträume zurückgreifen.“

Neuhaus hatte mit dieser „interdisziplinären“ Zusammenarbeit dem Vernehmen nach jedoch ein Problem, Verantwortungsbereiche müssen klar definiert sein. Ein Trainer, der es sich leisten kann, ein Angebot auszuschlagen, wird gründlich abwägen, ob er sich auf diese Vorgaben bei einem schlecht gestarteten Zweitligisten mit traditionell hohen Erwartungen einlässt.

Laut Kicker will Minge nun „noch in dieser Woche“ mit der Trainersuche durch sein. Eine Verlängerung der Interimslösung mit Cristian Fiel schließt er aus.

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Friedemann

    Mit Trainern ist es wie bei jedem Arbeitsplatzwechsel. Man sollte zunächst einen Neuen haben, bevor man dem Alten kündigt,

  2. Fragenmann

    Welcher Trainer wurde denn gekündigt? Wäre mir neu, dass man Trainer kündigt ...

  3. Hans Jürgen Riediger

    Sinnvoller wäre gewesen in Spieler zu investieren.Aus der Gurkentruppe kann kein Trainer der Welt mehr rausholen.

  4. Antwortmann

    Man hat doch einen super Trainer. Man braucht nur noch einen guten (erfahrenen) Co dazu

  5. Mal ne Anmerkung

    @3 Hans Jürgen Riediger-Na da hat aber mal einer einen rausgehauen.Vermutlich nur Ahnung vom Schach und bezeichnet die Mannschaft die gerade mal 3- in Worten drei Spiele absolviert hat als "Gurkentruppe"!Dies lässt auf eine bezeichnende Sach -und Fachkenntnis schließen. Vorschlag ,Peter Nehmet als CO -Trainer zurück holen und "Fielo" in die Aufgabe hineinwachsen lassen.Ab März 2019 ist "Fielo" dann der Chef-Trainer.

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