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Dienstag, 12.06.2018

Bankräuber liest im Schloss Klippenstein

Heinz-Otto Hermann verübte 28 Überfälle und wurde dafür verurteilt. Am Sonntag erzählt er in Radeberg von dieser Zeit.

Im Schloss Klippenstein in Radeberg findet am Sonntag die Krimilesung mit Heinz-Otto Hermann statt. Er war in den 90er-Jahren für mehrere Banküberfälle verantwortlich.
Im Schloss Klippenstein in Radeberg findet am Sonntag die Krimilesung mit Heinz-Otto Hermann statt. Er war in den 90er-Jahren für mehrere Banküberfälle verantwortlich.

© Thorsten Eckert

Radeberg. Er war der in den 1990er-Jahren wahrscheinlich meistgesuchte und wohl auch prominenteste Bankräuber der Republik: Heinz-Otto Hermann. Besser bekannt natürlich unter dem Namen „Rotkäppchen“. So hatten ihn Polizisten und Medien getauft, weil er bei seinen insgesamt 28 Banküberfällen stets eine rote Maske getragen hatte. Meist stand er kurz vor Dienstschluss in Sparkassen zwischen Kamenz und Bautzen. Er richtete einen pistolenähnlichen Gegenstand auf die Bankangestellten. Wortkarg fordert er den Bargeldbestand an Scheinen. Etwa 10 000 Mark soll der Täter an einem Novembertag in Arnsdorf erbeutet haben. Bei der Geldübergabe hatten die Sparkassenmitarbeiter zwar geistesgegenwärtig eine Farbbombe unter die Geldscheine gelegt – doch die Hoffnung, den Täter zu erwischen, ging ins Leere. Wieder einmal.

Dieser ungewöhnliche Bankräuber – der später als Heinz-Otto Hermann identifiziert wird – hatte gleich mehrere Polizeidirektionen in Sachsen, Brandenburg und auch Mecklenburg-Vorpommern über Jahre in Atem gehalten. Erst Ende 1999 beendete der berühmte „Kommissar Zufall“ die kriminelle Laufbahn von „Rotkäppchen“. Einer Auszubildenden der Sparkasse in Weißwasser gelang es nämlich, unbemerkt den Alarmschalter zu drücken. Fünf Minuten später standen die Polizisten mit gezogener Pistole vor ihm. Die Beamten ahnten damals allerdings noch nicht, dass ihnen gerade der derzeit bekannteste Bankräuber Deutschlands ins Netz gegangen war. Er ließ sich ohne Widerstand festnehmen. „Ich bin froh, dass jetzt alles zu Ende ist“, machte Heinz-Otto Hermann seinem ersten Polizeivernehmer kurz darauf gleich klar, ehe der die erste Frage stellen konnte. Der erfahrene Beamte wusste dabei sofort, was dieser Täter brauchte: Zwei Stunden hat er sich mit dem Verdächtigen einfach nur unterhalten, auch einen Kaffee gekocht. Das Bauchgefühl sagte ihm: Dieser Mann will sich von der Last seiner Taten befreien und seine Version der Geschichte erzählen. Bis zum frühen Morgen soll die anschließende Vernehmung gedauert haben. Dann war klar: 28 Banküberfälle gehen auf seine rote Kappe, bei denen 650 000 Mark erbeutet wurden.

Am 17. Juni wird er in Radeberg seine durchaus ungewöhnliche Geschichte erzählen. Beim Krimiabend der Sächsischen Zeitung im alten Gefängnis von Schloss Klippenstein. Gemeinsam mit SZ-Autor Thomas Schade wird Heinz-Otto Hermann zur Lesung nach Radeberg kommen.

Ein spannender Abend steht an. Denn die rote Maske ist nicht die einzige Ungewöhnlichkeit an diesem tatsächlich ungewöhnlichen Bankräuber gewesen. Alle Bankangestellten beschrieben ihn beispielsweise als durchaus höflichen Menschen. Zudem gelang es ihm auf immer wieder kuriose Weise, unterzutauchen. Nach seiner Festnahme wurde schnell klar, warum: Er hatte an der Offiziershochschule in Kamenz Flieger im Überleben und Untertauchen nach Flugzeugabschüssen im Feindesland trainiert. Ungewöhnlich war aber auch sein Motiv: Denn nach der Wende in der DDR war er vom Offizier zum Bauunternehmer geworden, den westdeutsche Geschäftspartner gnadenlos betrogen hatten. Um nun aber Rechnungen an von ihm beauftragte Baufirmen zahlen zu können, damit die nicht Pleite gehen würden, verlegte er sich auf Banküberfälle. (SZ)

„SZ-Krimiabend im Schloss-Gefängnis“ am 17. Juni, 17 Uhr, auf Schloss Klippenstein. Tickets zum Preis von 9,99 Euro gibt es in der SZ-Redaktion, Hauptstraße 4 in Radeberg sowie an der Abendkasse.