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Samstag, 02.11.2013

Bald mehr Görlitz im Netz

Wikipedia-Autoren kommen in die Oberlausitzische Bibliothek. Hier können sie ihr Wissen über die Region vertiefen.

Von Ines Eifler

Bibliotheksleiter Matthias Wenzel hofft, dass sich die Online-Enzyklopädie Wikipedia in Zukunft stärker aus historischen Quellen der Bibliothek in der Altstadt speist. Foto: Schmidt
Bibliotheksleiter Matthias Wenzel hofft, dass sich die Online-Enzyklopädie Wikipedia in Zukunft stärker aus historischen Quellen der Bibliothek in der Altstadt speist. Foto: Schmidt

Allein 500 Artikel hat Matthias Wenzel in der großen Online-Enzyklopädie Wikipedia gefunden, als er mal nach Oberlausitzer Schriftstellern suchte. Wesentlich mehr sind es, wenn man nach den reinen Begriffen „Lausitz“ oder „Görlitz“ sucht. „Aber es kommt ja nicht auf die Menge, sondern auf die Qualität der Wikipedia-Artikel an“, sagt der Leiter der Oberlausitzischen Bibliothek der Wissenschaften. Damit die noch wachsen kann, hat er am Sonnabend 15 Wikipedia-Autoren zu Gast: Leute, die in ihrer Freizeit zu regionalen Themen Artikel für das Online-Lexikon schreiben, überarbeiten und aktualisieren. Und damit das Bild der Oberlausitz im Internet entscheidend prägen.

Matthias Wenzel will ihnen die Bibliothek zeigen, um ihnen den Zugang zu weiteren Quellen für ihre Artikel zu erleichtern. Und sie auf Themen oder Personen aufmerksam machen, die bisher in Wikipedia noch nicht ausreichend gewürdigt wurden. Spontan fallen ihm dazu gleich zwei bedeutende Männer ein. Etwa Ludwig Kunz, der im Görlitz der 1920er-Jahre die expressionistische Zeitschrift „Die Lebenden“ herausgab, als Jude nach Amsterdam emigrierte, dort überlebte und Kulturagent wurde, aber noch keinen eigenen Wikipedia-Eintrag hat. Oder der Schriftsteller Paul Mühsam, den man zwar online findet, aber nur mit einem relativ kurzen Text zu seinem Leben. Wenzel verspricht sich also von der Begegnung mit den Wikipedia-Autoren eine zukünftig noch ausführlichere, fundiertere Darstellung der Oberlausitz im Internet. Und da die Autoren gemeinsam mit Stadtführer Frank Vater auch einen Fotorundgang durch Görlitz unternehmen werden, gibt es in Zukunft sicher auch mehr Bilder von Sehenswürdigkeiten der Stadt im Netz. Aber das ist nur ein Aspekt des Treffens. Wenzel erhofft sich auch Unterstützung von den Wikipedia-Profis für das „Biografische Lexikon der Oberlausitz“, an dem die Oberlausitzische Gesellschaft der Wissenschaften seit Jahren arbeitet.

Dass der Bibliotheksleiter überhaupt die Autoren einlädt, geht auf eine Anregung von Wikipedia zurück. Der Verein, der das Lexikon in Deutschland vertritt, hat die Absicht, stärker mit Orten des Wissens, also Museen, Bibliotheken, Archiven und Galerien zu kooperieren, und geht deshalb auf entsprechende Institutionen zu. Matthias Wenzel ist aber auch selbst ein großer Fan von Wikipedia. Gerade als Bibliothekar weiß er, dass Gedrucktes nicht immer viel mit Wahrheit zu tun hat. „Man braucht sich nur unsere DDR-Geschichtsbücher anzusehen“, sagt er. „Da stehen Dinge drin, die überhaupt nicht stimmen.“ Und auch wenn man andere Lexika aus unterschiedlichen Zeiten vergleiche, erkenne man, wie stark die Inhalte ideologisch oder auch von Autoren und Herausgebern geprägt und wie schnell sie auch an Aktualität verlören.

Bei Wikipedia hingegen würden die Inhalte ständig von anderen Nutzern und Autoren geprüft und aktualisiert. Wenn mal ein Fehler irgendwo auftauche, dauere es manchmal nur Stunden, bis er bemerkt, diskutiert und ausgemerzt werde.