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Montag, 13.08.2018

Bahn testet neue Uniformen

Wer Hilfe im Zug braucht, muss demnächst nach Weinrot Ausschau halten. Die Bahn wechselt ihre Dienstkleidung. Im Test dabei ist auch ein Kleid - und eine Jeans.

Von Julia Kilian

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„Nach 15 Jahren endlich eine neue Uniform:“ Zugbegleiterin Hava Bilge (l) hat mit anderen Mitarbeitern beim Design geholfen.
„Nach 15 Jahren endlich eine neue Uniform:“ Zugbegleiterin Hava Bilge (l) hat mit anderen Mitarbeitern beim Design geholfen.

© Harry Vorsteher/Deutsche Bahn/dpa

Berlin. Erstmals seit 15 Jahren tauscht die Deutsche Bahn ihre Uniformen aus. Von dieser Woche an testen 250 Mitarbeiter neue Kleidungsstücke. Bisher erkennt man das Zugpersonal an blauen Uniformen mit knallroten Details, jetzt will der Konzern zu Blau mit Weinrot wechseln. Designer Guido Maria Kretschmer - bekannt aus der TV-Sendung „Shopping Queen“ - hat dabei geholfen.

Die neue Uniform werde voraussichtlich von Ende 2019 an flächendeckend eingeführt, teilt der Konzern mit. Die Hoffnung: etwas „moderner und sympathischer“ wirken, wie Personalvorstand Martin Seiler sagt. Insgesamt tragen rund 43 000 Mitarbeiter des Konzerns Uniform. Oder „Unternehmensbekleidung“, wie es offiziell heißt, „UBK“.

Nicht nur bei der Bahn gelten Kleidervorschriften. Im Krankenhaus wird Kittel getragen, Piloten brauchen Uniform, und in manchem Möbelhaus gibt es für viele Kollegen gleichfarbige Shirts. Nach Meinung des Psychologen Peter Walschburger von der Freien Universität Berlin hat Dienstkleidung einen Effekt auf die Außendarstellung von Firmen.

Sie schaffe einen Wiedererkennungswert für Kunden, stärke aber auch Autorität. „Man kann sich nur schwer vorstellen, dass ein Schaffner im Muskelshirt auftritt“, sagt Walschburger. Eine Uniform verkörpere eine Organisation, erleichtere es aber auch Mitarbeitern, sich zu identifizieren. „Wenn etwa eine schüchterne Person so eingekleidet ist, dann dürfte das ihr Selbstwertgefühl deutlich heben.“

Die ersten Bahn-Angestellten testen die neue Kleidung vier Monate. Der Staatskonzern will die Erfahrungen danach auswerten und die Kollektion eventuell anpassen. Dann soll eine europaweite Ausschreibung folgen. Zu den rund 80 Kleidungsstücken gehört auch ein Kleid. Eine Jeans ist ebenfalls im Test. In welchen Berufen die später erlaubt ist, entscheiden die einzelnen Geschäftsfelder.

Designer Kretschmer hat schon öfter Dienstkleidung entworfen, zum Beispiel für Fluggesellschaften und die Telekom. Ihm gehe es um gute Stoffe, einen guten Schnitt und Funktionalität. „Da ist es völlig egal, ob ein Kleid 25 Euro kostet oder 250 000“, sagte Kretschmer zuletzt dem Magazin der Bahn. „Wenn das nicht sitzt, sitzt es nicht.“ Wie viel Honorar der 53-Jährige bekommt, gibt die Bahn nicht bekannt.

Zugbegleiterin Hava Bilge hat mit anderen Mitarbeitern beim Design geholfen. „Wir haben uns mega gefreut, weil es frischen Wind reinbringt“, sagt die 24-Jährige aus Nürnberg. „Auch die Kollegen sagen: „Nach 15 Jahren, endlich eine neue Uniform.““ Die Kleidung müsse bequem sein und gut aussehen. Wenn es so heiß ist wie diesen Sommer, brauchen die Mitarbeiter auch nicht in voller Montur aufzutreten. Sakko oder Blazer sind in den Sommermonaten nicht zwingend. Bei mehr als 25 Grad darf auch die Weste wegfallen.

„Was ich persönlich mir noch gewünscht hätte, war eine Fliege“, sagt Bilge der Deutschen Presse-Agentur. „Das sah die Mehrheit aber anders. Aber naja, das ist jetzt nicht so schlimm. Dafür haben wir eine neue Krawatte.“ Der Konzern selbst will übrigens bei seinem knallroten Logo bleiben - die Bahn nennt die Farbe „Verkehrsrot“ - und nicht zu Weinrot - „Servicerot“ - wechseln. Auch die Mitarbeiter am Bahnhof tragen weiterhin rote Mützen, so seien sie gut sichtbar. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 7 Kommentare

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  1. Peter

    Enge Tücher um den Hals und Krawatten sterben leider einfach nicht aus. Ansonsten habe ich schlimmere Uniformen gesehen.

  2. Willi

    Wen interessieren bitteschön die Uniformen :D

  3. taigawolf

    Die "Dienstkleidung" sieht immer ziviler aus und erfüllt damit ihren eigentlichen Zweck immer schlechter. Denn Servicepersonal sollte leicht erkennbar sein und das ist es nicht, wenn es in Allerweltskleidung ohne besondere Merkmale getarnt wird. Aber heute gilt: Hauptsache "modern", "schick" und vom teuren Fernsehdesigner entwickelt - ob es auch funktioniert ist egal. Kopfbedeckungen sind auch völlig aus der Mode, selbst die Polizei verwendet ihre kaum noch. Nach ein paar Monaten in der neuen "Tarnkleidung" und Beschwerden der Reisenden, die den Schaffner nicht mehr erkennen, wird man dem Bahnpersonal als Notlösung wenigstens große Namensschilder an die "sympathische Unternehmenskonfektion" heften.

  4. Karlchen

    Wenn sich mein Zug mal wieder verspätet, besänftigt mich auch keine auch symphatische Uniform. Im Gegenteil. Wenn ich im so einem Fall auch noch unter die Nase gerieben bekomme, dass die Bahn einen Großteil ihrer Ressourcen lieber für so etwas ausgibt statt ihn in in die Optimierung ihrer Verbindungen zu stecken, steigert dass meinen Zorn ins Unermessliche XD

  5. Meyer

    Letzten Dienstag auf der Fahrt von Dresden in den Südwesten des Landes: 1.) IC von Dresden nach Leipzig fällt ersatzlos aus. ICE in leipzig wartet _keine_ zwei Minuten auf den Regionalexpreß, der mich noch nach Leipzig hätte bringen können (komisch, drei Wochen vorher bin ich deshalb fast eine Stunde später zuhause angekommen, weil der ICE noch auf einen anderen Zug warten mußte). Also nächsten ICE genommen. In Frankfurt wird angesagt: Reisende, die nach Wiesbaden fahren wollen, nehmen bitte die S-Bahn. Wir können wegen Personalmangel nicht weiterfahren." Macht nichts, ich wollte nach Süden. Der ICE Richtung Basel steht, steht, steht und steht und steht. Wegen technischer Probleme eine Stunde. Nach weiteren dreißig Minuten kommt die Meldung: "Bitte aussteigen. Dieser Zug fährt heute nirgendwohin." Eine Stunde später nächster Zug. Der schon über eine Stunde Verspätung hatte. Und noch eine zusätzl. Stunde Verspätung bekam. Und das war ähnlich bei den letzten 10 oder 15 Reisen mit DB.

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