erweiterte Suche
Freitag, 15.06.2018

Bahn baut veralteten Lärmschutz ein

Die Bahn erklärt im Bürgerforum, was dieses Jahr gebaut wird. Es könnte mehr sein, wenn die Kommunen reagieren würden.

Von Gunnar Klehm

© Daniel Schäfer

Sächsische Schweiz. Da konnte sich Rathens Bürgermeister Thomas Richter (parteilos) nicht mehr zurückhalten. „Das ist doch Schildbürgerei, wenn in Pötzscha jetzt wieder die alten Schienenstegdämpfer eingebaut werden, die gar nichts taugen“, sagte er beim Bürgerforum in Kurort Rathen in Richtung Podium. Eingeladen hatte die DB Netz AG ins Restaurant der Eisenbahnwelten. Etwa 40 Bürger waren gekommen, um sich anzuhören, was derzeit an der Bahntrasse zwischen Pirna und Königstein gebaut wird und noch bis Ende des Jahres geplant ist. Dabei berichtete Projektleiter Albrecht Neumann, dass die modernste Technik für den Gleisbau eingesetzt wird.

Richter fragte bei Falk Hebenstreit, dem Leiter Planung bei der DB Netz AG nach, ob bei den laufenden Gleisbauarbeiten die alten Schienenstegdämpfer entsorgt werden und gleich die neue Generation eingebaut wird, die für mehr Lärmschutz sorgt. Schließlich hätten die alten kaum eine Wirkung. Es konnte lediglich eine Geräuschminderung um ein Dezibel festgestellt werden. 2011 hat die Bahn zwischen Wehlen und Königstein über vier Millionen Euro in lärmmindernde Technik investiert. Dort wurden unter anderem die wirkungsarmen Schienenstegdämpfer eingebaut. Die neuere Generation soll immerhin zwei bis vier Dezibel bringen.

Die derzeit laufenden Gleisarbeiten seien aber keine Lärmschutzmaßnahmen, sondern es ist eine „Ersatzinvestition“. „Es werden noch keine Maßnahmen der Machbarkeitsuntersuchung Lärmschutz umgesetzt. Die Studie ist noch nicht abgeschlossen und noch keine Finanzierungsvereinbarung unterzeichnet“, erklärt Hans-Georg Zimmermann, Sprecher Lärmschutz der Deutsche Bahn AG, auf Nachfrage der SZ. Das Planungsbüro Obermeyer hatte im Auftrag der DB Netz die Studie erarbeitet und voriges Jahr veröffentlicht.

Frist läuft nächste Woche ab

Damit hat dann auch Jörg Ettrich seine Erklärung. Der Hotelier aus Kurort Rathen wollte im Bürgerforum wissen, warum die Bahnübergänge nach deren Erneuerung nicht leiser geworden sind. Dort wurden nur die Gleise erneuert und danach die alten Platten wieder eingebaut, sagte Albrecht Neumann.

Die Planung der freiwilligen Lärmschutzmaßnahmen entlang der Strecke im Oberen Elbtal läuft parallel. „Das ist Geld des Steuerzahlers, mit dem wir sorgsam umgehen müssen“, sagte Hebenstreit in der Bürgerversammlung. Die Kommunen seien von Anfang an informiert gewesen, dass nur gebaut wird, was gewollt ist. Alle betroffenen Kommunen waren aufgefordert, eine Stellungnahme dazu abzugeben. Doch das hätten laut Bahn AG noch nicht alle getan. „Die Frist läuft nächste Woche ab. Danach werden die Anregungen geprüft und eingearbeitet“, erklärt Zimmermann. Die DB Netz erwartet von den Kommunen eine „begründete Entscheidung“, etwa einen Beschluss des Gemeinderates bezüglich der gewünschten Änderungen.

Der Kurort Rathen habe das vorbildlich praktiziert, mit öffentlichen Bürgerversammlungen und Gemeinderatsbeschluss. In Bad Schandau lädt die Stadt für Dienstag, 19. Juni, zu einer Infoveranstaltung ein. Einen Beschluss des Stadtrates soll es bereits einen Tag darauf geben. Welche Kommunen noch säumig sind, wollte die Bahn nicht benennen. Was auch immer sich die Städte und Gemeinden wünschen, umgesetzt werden die Maßnahmen deswegen aber noch nicht. „Selbstverständlich ist noch ein entsprechendes Genehmigungsverfahren durchzuführen“, heißt es von der DB Netz. Das ist aber nicht wegen der Schienenstegdämpfer notwendig, sondern hauptsächlich wegen der meterhohen Lärmschutzwände, die den Kommunen und ihren Bürgern in der Machbarkeitsstudie auch vorgeschlagen wurden. Die DB Netz geht davon aus, dass bis Ende August dieses Jahres überarbeitete Pläne vorliegen.

Da wird Bürgermeister Richter auch noch mal genau hinschauen, welche reguläre Zuggeschwindigkeit für die Strecke ausgewiesen ist. Je schneller gefahren wird, desto größer der Lärm. Jetzt sind es 100 Stundenkilometer. Beim Bürgerforum leuchteten kurz 120 km/h auf. „Das ist ein Fehler“, erklärte Hebenstreit, wollte das aber noch mal prüfen.

Infoveranstaltung zur Machbarkeitsuntersuchung Bad Schandau, 19. Juni, 19 Uhr, Saal Haus d. Gastes, Markt 12