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Donnerstag, 17.05.2018

Bäckerin mit Familientradition

Seit 30 Jahren steht Bärbel Leiteritz in ihrer eigenen Backstube in Dipps. Wie sie Ausgleich zur Arbeit findet.

Von Franz Herz

Bäckermeisterin Bärbel Leiteritz präsentiert hier mit Andreas Liebert, ebenfalls Bäckermeister und dem Konditormeister Torsten Ludwig in der Backstube das Schmuckbrot zum Dippser Stadtjubiläum.
Bäckermeisterin Bärbel Leiteritz präsentiert hier mit Andreas Liebert, ebenfalls Bäckermeister und dem Konditormeister Torsten Ludwig in der Backstube das Schmuckbrot zum Dippser Stadtjubiläum.

© Frank Baldauf

Dippoldiswalde. Wenn die Bäckermeisterin Bärbel Leiteritz 30 Jahre zurückdenkt, erinnert sie sich an lange Schlangen, die bereits früh um 5 Uhr vor ihrem Elternhaus anstanden, um frische Brötchen zu bekommen. Die 57-Jährige stammt aus der Bäckerfamilie Krönert, die auf dem Dippser Markt ihren Betrieb hatte.

Dort haben sie und ihr Bruder den Beruf gelernt. Er übernahm den elterlichen Betrieb. Bärbel Leiteritz und ihr Ehemann Rainer hatten auch den Wunsch, sich selbstständig zu machen. Der Bedarf war da, und in Dippoldiswalde am Kirchplatz stand die ehemalige Bäckerei Gönner schon seit Jahren leer. Ihr Mann hat die Idee mitgetragen, obwohl er einen ganz anderen Beruf hatte: Ingenieur für Wasserwirtschaft. Er hat dann bei seinen Schwiegereltern mitgearbeitet, um das Bäckerhandwerk kennenzulernen.

1988 ging Bärbel Leiteritz mit ihrer eigenen Bäckerei an den Start. Die Stadt hatte das Haus vom Vorbesitzer gekauft und vermietet. „Die hatten ja ein Interesse daran, dass die Bäckerei wieder öffnet“, sagt Bärbel Leiteritz. Sie hat einen Kredit aufgenommen für einen neuen Ofen und einen Schnellkneter. Die anderen Maschinen hat sie von Bäckern aus dem ganzen Kreisgebiet gekauft, die aufgehört hatten.

Bald nach der Eröffnung stand die junge Bäckerin in einem völlig anderen Wirtschaftssystem. Der erste Eindruck von der Marktwirtschaft hat ihr gut gefallen. „Ich fand es ganz toll, dass wir plötzlich D-Mark in der Kasse hatten“, erinnert sie sich. Der Übergang in die Marktwirtschaft lief anfangs nahtlos. „Die Leute haben ja weiter Brot und Brötchen gegessen.“ Die Billigkonkurrenz in den verschiedenen Märkten kam erst nach und nach.

Mit den ersten D-Mark hat sich Bärbel Leiteritz noch 1990 einen Verkaufswagen angeschafft, der über die Dörfer gefahren ist, wo es keinen Bäcker gab wie Beerwalde. Dieser Ort hat sich zu seiner festen Station entwickelt, während die Route des Wagens sonst im Lauf der Jahre gewechselt hat. Dazu kamen feste Filialen. 1998 hat sie eine in Höckendorf eröffnet. Als 2007 ihr Bruder sein Geschäft geschlossen hat, übernahm Bärbel Leiteritz das Geschäft auf dem Dippser Markt und baute noch ein Café mit ein. Seit drei Jahren hat sie in Reichstädt einen Verkaufspunkt mit Lebensmittelangebot. Insgesamt hat sie 23 Mitarbeiter.

Den typischen Tagesablauf eines Bäckers hat die Meisterin verinnerlicht. Um 2 Uhr morgens beginnt der Betrieb in der Backstube. Die Konditorin kommt um 3 Uhr. Sie müssen erst einmal frische Ware produzieren, damit um 6 Uhr die Auslieferung beginnen kann. Mindestens zweimal am Tag macht der Fahrer seine Runde, damit die Verkaufsstellen immer frische Ware haben. Um 10 Uhr, spätestens 12 Uhr haben die Bäcker dann Feierabend.

Im Lauf der Jahre der Jahre hat sich die Kundschaft geteilt. „Wer es nur billig haben will, geht in einen großen Markt. Wer ein frisches Brötchen ohne Zusätze will oder eine individuell angefertigte Torte, der ist beim Handwerksbäcker gut aufgehoben“, sagt die Meisterin. Besondere Anlässe sind ihr auch immer besondere Backwaren wert. Sie hat zum dreißigjährigen Jubiläum ihrer Geschäftseröffnung ein Schmuckbrot gebacken. Derzeit ziert das Dippser Stadtwappen zur 800-Jahr-Feier ihr Schaufenster.

Am Mittag kann sich die Bäckerin ausruhen, geht dann aber gegen Abend noch einmal in den Laden und bereitet den Sauerteig für den nächsten Tag vor. Richtig Feierabend hat sie erst, wenn der Laden schließt. Wenn sie Urlaub hat oder einen freien Tag, ist sie mit ihrem Mann gerne auf dem Fahrrad unterwegs, hat auch schon die Alpen auf zwei Rädern überquert, war in Norwegen und auf Island.