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Donnerstag, 16.02.2017

Autorin aus Wachau verstorben

Anne Dorn wurde 92 Jahre alt. Bekanntheit erlangte sie mit Filmen, Hörspielen sowie Romanen und Gedichten.

Wie erst jetzt bekannt wurde verstarb Anne Dorn am 8. Februar in Köln.
Wie erst jetzt bekannt wurde verstarb Anne Dorn am 8. Februar in Köln.

© Archivfoto: Willem Darrelmann

Wachau. Bis ins hohe Alter hat Anne Dorn den Kontakt in die Heimat gehalten. Immer wieder war sie bei Lesungen unter anderem in der Kirche in Lomnitz zu erleben. Jetzt ist die Autorin im Alter von 92 Jahren in Köln gestorben. Anne Dorn wurde 1925 in Wachau geboren. Sie lebte nach Ende des Krieges in Herford in Ostwestfalen. 1969 ging sie nach einer gescheiterten Ehe mit vier Kindern nach Köln. Hier machte sie Filme, schrieb Hörspiele und später auch Romane und Lyrik. Ihr erster Roman „hüben und drüben“ über eine von der deutschen Teilung zerrissene Familie erschien 1991. 2011 brachte sie ihren ersten Gedichtband „Wetterleuchten“ heraus, da war sie 86 Jahre alt.

Sie erlebte alles andere als eine unbeschwerte Kinderzeit. Die Mutter litt unter Depressionen. Der Vater arbeitete im Sachsenwerk. Als er seinen Job verlor, fand er schwer einen neuen. Vier Jahre musste der Vater zu Hause bleiben. In dieser Zeit reifte der Gedanke in der jungen Frau: „Mir hilft niemand, ich muss mir ganz allein helfen“. Der höhere Schulabschluss blieb ihr verwehrt. 30 Mark Schulgeld waren zu viel für die Familie. Anna begann eine Lehre bei den Dresdner Nachrichten. Anna Dorn wollte schreiben. Doch sie musste Anzeigen verkaufen und Lohnzettel ausrechnen.

Also entschied die junge Frau, die Kunstgewerbeakademie in Dresden zu besuchen, nach der Arbeit und ohne das Wissen ihrer Eltern. 1944 absolviert sie das von den Nazis eingeführte Pflichtjahr in einem fremden Haushalt. Nach Kriegsende geht sie nicht zurück nach Dresden zu ihren Eltern, sondern nach Herford zu einem Onkel. Sie heiratet den Mann, mit dem sie in der Kunstgewerbeakademie gemalt hat, lässt sich aber wenig später scheiden und lernt den Vater ihrer vier Kinder kennen. Die Familie lebt im niederrheinischen Kleve. 19 Stunden dauert die Fahrt bis nach Dresden. Mindestens einmal im Jahr machte sie sich auf den Weg, auch als der eiserne Vorhang geschlossen ist. „Ich kam nie los von meiner Heimat“, sagte die Autorin einmal. (SZ)