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Donnerstag, 13.09.2018

Ausgetrödelt

Nach 15 Jahren schließt Klaus Püschel seinen An- und Verkauf bei Kunnerwitz. Sein zweites Standbein bleibt erhalten.

Von Ingo Kramer

Die Hallen mit den gebrauchten Möbeln sind schon deutlich leerer als gewohnt: Klaus Püschel geht in Rente und schließt seinen großen An- und Verkauf an der Landeskrone, zwischen Biesnitz und Kunnerwitz. Am 15. September hat er noch ein letztes Mal geöffnet.
Die Hallen mit den gebrauchten Möbeln sind schon deutlich leerer als gewohnt: Klaus Püschel geht in Rente und schließt seinen großen An- und Verkauf an der Landeskrone, zwischen Biesnitz und Kunnerwitz. Am 15. September hat er noch ein letztes Mal geöffnet.

© Pawel Sosnowski/pawelsosnowski.c

Görlitz. Klaus Püschel hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Immerhin war er es, der den An- und Verkauf am Fuße der Landeskrone zwischen Biesnitz und Kunnerwitz im November 2003 eröffnet und seither betrieben hat. Nun aber ist alles zusammengekommen: Er ist 65 und bekommt ab November Rente, mehrere seiner langjährigen Mitarbeiter wollen sich ebenfalls in die Rente verabschieden oder haben das gerade getan. Und dann läuft auch noch sein Mietvertrag zum Jahresende aus. Den könnte er zwar verlängern, aber der neue Eigentümer will den Mietpreis verdoppeln. Deshalb ist nun Schluss.

Schon seit Juni hatte er die Öffnungszeiten reduziert und mit „20 Prozent auf alles“ geworben. So lief das bis 30. August. Seither ist komplett zu. Aber ein letztes Mal will Püschel noch öffnen: Am 15. September, 9 bis 16 Uhr. Dann schenkt er Kaffee und Kuchen aus. Auf antike Stücke gibt er bis zu 50 Prozent Rabatt, auf den Rest bis zu 90 Prozent. „Es muss ja alles raus“, sagt er – und es klingt ein bisschen wehmütig. Die Arbeit war sein Leben, hat ihm Spaß gemacht. Und viele Kunden hätten ihn gebeten, weiterzumachen. Es sei doch so schön gewesen. Aber jetzt siegt trotzdem die Vernunft: „Wir haben nun mal das Alter erreicht.“ Dass er 2018 schließt, stehe für ihn schon seit ein, zwei Jahren fest.

Zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn hätte der gelernte Maler gar nicht gedacht, dass er mal zum Gebrauchtwarenhändler wird. Doch nach einigen Wechseln machte er sich im Jahr 2001 als Ich-AG mit einem Beräumungsservice selbstständig. Er leerte Wohnungen, entkernte aber auch ganze Häuser. „Dabei habe ich ziemlich schnell gesehen, dass es vieles gibt, das zum Wegwerfen zu schade ist“, erinnert er sich. Also mietete er schon ein Jahr später eine kleinere Halle bei Kunnerwitz, um dort zunächst gebrauchte Möbel neueren Baujahrs zu verkaufen. Das lief gut. So gut, dass Klaus Püschel ein weiteres Jahr später die Halle wieder aufgab – aber nur, um auf dem gleichen Areal drei große Hallen anzumieten. Das war im Herbst 2003 die Geburtsstunde seines An- und Verkaufs. Seither hat er hier fast 2 000 Quadratmeter Verkaufsfläche zur Verfügung.

Oder besser gesagt: Hatte. Schon in den vergangenen Monaten hat er die ersten Flächen abgegeben, am 1. Oktober geht die nächste Halle weg, den Rest muss er bis zum Jahresende beräumen und übergeben. „In der früheren Antikhalle sind jetzt Autoschrauber drin“, sagt er. Auch die Mitarbeiterzahl hat er schon gesenkt: „Wir waren sieben, jetzt sind wir noch zu viert.“ Eine Verkäuferin sei in Rente gegangen, zwei Männer haben neue Arbeitsstellen gefunden. Von den vier verbliebenen gehen drei in Rente, darunter auch Püschels Verkäuferin Simone Schnitte, die von Anfang an dabei war. Der Vierte sucht noch Arbeit.

Für Püschel waren immer beide Standbeine wichtig: Beräumung und Verkauf. Mal lief das eine besser, mal das andere, aber zum Leben hat es immer gereicht, jedenfalls bei dem bisherigen Mietpreis. Allerdings sei es zumeist ein Zwölf-Stunden-Job gewesen. Ab sechs Uhr morgens saß er mit dem Schriftkram im Büro, um acht kamen die ersten Kollegen. Dann ging es raus, zu Beräumungen, auch neue Objekte ansehen, oft außerhalb, im Oberland etwa. Danach saß er wieder im Büro, meist bis 18  Uhr. Nur im Sommer hat er sich einen früheren Feierabend gegönnt. Urlaub weniger: „Mehr als eine Woche am Stück war nicht drin.“ Auch für seine Mitarbeiter sei es eine schwere Arbeit gewesen, vor allem das Schleppen der Möbel per Hand: „Wir haben keine Lifte wie die Umzugsfirmen.“ Finanziell seien die nicht drin gewesen.

Als die Rente nahte, habe er Nachfolger gesucht. „Als die den Umfang gesehen haben, sind sie aber abgesprungen“, sagt er. Alle bis auf einen: Enrico Krause, ein früherer Mitarbeiter, der fast acht Jahre für Püschel tätig war, will die Beräumungen weiterführen. Dazu übernimmt er all seine Verträge. Seit Mai oder Juni ist das sicher. Jetzt arbeitet Püschel ihn in alles ein, auch ins Schreiben von Angeboten und Rechnungen. Krause wird eine halbe Halle am bewährten Standort anmieten, dort aber nichts mehr verkaufen, sondern nur noch Sachen einstellen und Müll trennen.

Auch wenn seine Frau als Betreiberin des Second-Hand-Ladens in der Elisabethstraße noch fünf Jahre arbeiten muss: Klaus Püschel freut sich auf den neuen Lebensabschnitt. Freundeskreis und Enkel habe er bisher vernachlässigt: „Dafür habe ich nun Zeit.“ Außerdem will er mehr Fahrrad fahren. Und Urlaub machen. Nach Österreich möchte er unbedingt mal wieder reisen: „Ich liebe die Berge.“ Auch auf Trödelmärkte will er als Rentner gehen: „Aber nur zum Gucken, nicht als Verkäufer.“