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Donnerstag, 12.07.2018

Aus rund mach eckig

Hatten die Eisenbahnbrücken bisher alle einen gemauerten Rundbogen, sind sie nun einheitlich quadratisch praktisch.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Bild 1 von 8

Die enge Brücke nach Großraschütz war nur einspurig befahrbar.
Die enge Brücke nach Großraschütz war nur einspurig befahrbar.

© Archiv/Klaus-Dieter Brühl

  • Die enge Brücke nach Großraschütz war nur einspurig befahrbar.
    Die enge Brücke nach Großraschütz war nur einspurig befahrbar.
  • Heute heißt es hier: „Willkommen in Großenhain“.
    Heute heißt es hier: „Willkommen in Großenhain“.
  • So war das Bild in der Parkstraße. Der Tunnel war eng und wenig frequentiert.
    So war das Bild in der Parkstraße. Der Tunnel war eng und wenig frequentiert.
  • So sieht es heute an der Parkstraße aus: Noch ist der Durchlass nicht asphaltiert.
    So sieht es heute an der Parkstraße aus: Noch ist der Durchlass nicht asphaltiert.
  • Die Auenstraße war erst ab 2008 asphaltiert, führt hier Richtung Mückenschänke.
    Die Auenstraße war erst ab 2008 asphaltiert, führt hier Richtung Mückenschänke.
  • Ein Betongewölbe bildet heute auch die Eisenbahnunterführung der Auenstraße.
    Ein Betongewölbe bildet heute auch die Eisenbahnunterführung der Auenstraße.
  • Dieser Fußgängertunnel an den Hillerwiesen wurde nach 2008 zugeschüttet.
    Dieser Fußgängertunnel an den Hillerwiesen wurde nach 2008 zugeschüttet.
  • Danach bekam der Stinkegraben jedoch einen eigenen neuen Tunnel.
    Danach bekam der Stinkegraben jedoch einen eigenen neuen Tunnel.

Großenhain. Erinnern Sie sich noch – bis zum Ausbau der Berliner Bahnstrecke waren alle Tunnel noch als runder Bogen gemauert. 2002 entstanden diese alten Fotos, als bekannt wurde, dass die Bahnstrecke ausgebaut und verlegt werden soll. Die damaligen Planungen gingen von einem Baubeginn „nicht vor 2008“ aus. Wie wir heute wissen, kam der Streckenausbau 2017.

Seitdem hat Großenhain also neue Eisenbahnüberführungen. Zu den gezeigten Tunneln müssen noch die Brückenbauwerke über den Röderflutgraben – nahe der Großraschützer Straße – und der Fußgängertunnel an der Berliner hinzugerechnet werden. Letzteren gibt es erst seit 2009. Zugeschüttet wurde damals in dem Zusammenhang der Durchgang neben dem Stinkegraben.

Die alten bogenförmigen Unterführungen waren von 1873 bis 1875 aus Stein gemauert worden – vermutlich per Hand. Diese Steine wurden im Vorjahr beim Steckenneubau abtransportiert. Aber die Erdmassen wurden wiederverwendet und auf den Flächen neben dem Bahndamm verteilt. Doch die beiden Bagger der Firma Bothur hatten es schwer, die alten Brücken zu Fall zu bringen. Der Stahlbeton im oberen Bereich war nicht so leicht kleinzukriegen. Deutsche Wertarbeit eben.

Die alten Unterführungen bestanden wie die gesamte Strecke Dresden-Berlin fast 150 Jahre. Am 17. Juni 1875 war die Trasse in Betrieb genommen worden. Damals fuhren noch keine Autos durch die Unterführungen, sondern Pferdefuhrwerke. Auch Bauern mit ihren Handwagen werden die Brücken genutzt haben. Ebenso viele Fußgänger.

Die neuen Unterführungen wurden 2017 ganz anders gebaut: Die Auflagen wurden vor Ort mit Beton in Schalung gegossen. Hineingeflochten waren Bewehrungsstähle. Die Brückenteile unter den Gleisen sind Stahlverbundträger. Klar war von Anfang an, dass sich die Überführungen wegen der vergrößerten Streckenradien verbreitern müssen. Weil sich auch der Damm um mehrere Meter verbreitert hat. Gleichzeitig sind sie heute viel höheren Belastungen ausgesetzt und müssen denen standhalten. Außerdem wurde die Bahnstrecke nach neuen Vorschriften gleich noch um einen Meter angehoben.

Bickhardt Bau Thüringen war von der DB Netz AG mit dem Abriss und Neubau der Brücken und des Dammes beauftragt worden. Mittlerweile erledigen die Bauleute nur noch Restarbeiten am Tunnel Auenstraße. Der erste Teil des Jahrhundertbauwerks Bahnstrecke ist in Großenhain abgeschlossen, der zweite folgt nicht vor 2023 ab Berliner Bahnhof nordwärts. Doch dann ist die Eisenbahn im Tunnel, die Straßen führen über diese Strecken hinweg.

Die Bogen- oder auch Gewölbebrücke gehört übrigens zur ältesten Konstruktionsform von Brücken. Schon im Altertum war es möglich, Bogenbrücken aus Natursteinen zu bauen. Es konnten größere Spannweiten erreicht werden als mit der Anwendung von Balken zum Tragen der Lasten.