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Mittwoch, 26.07.2017

Aus dem Tagebau Turow wird der tiefste See Mitteleuropas

Aber vorerst soll weiter Kohle gefördert werden – bis mindestens zum Jahr 2044.

Statt Kohle zu fördern, soll sich Turów in einigen Jahren in ein Naherholungsgebiet verwandeln.
Statt Kohle zu fördern, soll sich Turów in einigen Jahren in ein Naherholungsgebiet verwandeln.

© Grafik: PGE

Turów. Die Kohlevorräte im polnischen Turów werden noch etwa 25 Jahre ausreichen, dann ist die Lagerstätte ausgeschöpft. Aus diesem Grund wird schon jetzt über die Zeit danach nachgedacht. So könnte sich der Tagebau nach dem Ende der Kohleförderung in einen riesigen See verwandeln. Entsprechende Pläne sind jetzt von den Polen präsentiert worden. Mit gut 300 Metern würde es sich um den tiefsten künstlichen See Mitteleuropas handeln. Das Gewässer soll demnach bis an Nordwestrand von Bogatynia (Reichenau) heranreichen. Opolno Zdrój (Bad Oppelsdorf) würde den gesamten Ortsteil Las (Wald) verlieren. Das Dörfchen Bialopole (Sommerau) im Süden würde es ebenfalls nicht mehr geben, genauso wie den Sommerauer Busch. Die Zweckbauten der derzeitigen Grubenverwaltung an der östlichen Seite des Tagebaus sollen zurückgebaut werden und wahrscheinlich Hotels, Sport-und Freizeitanlagen weichen. Das komplette westliche Ufer ist durch die Abrauminnenverkippung derzeit stark rutschungsgefährdet und wird es noch lange bleiben. Ähnlich wie am Nordrand des Berzdorfer Sees bietet sich auch hier ein Naturschutzgebiet an. Schon jetzt sind eine Vielzahl von Bäumen auf der Außenhalde und beginnend auch am Nordrand der Innenhalde zu deren Stabilisierung gepflanzt worden. Die Außenhalde ist etwa gleich groß wie der zukünftige See mit der geplanten Fläche von 23 Quadratkilometern. Mehr als 14 Millionen verschiedene Bäume stehen hier heute bereits. Doch noch ist der See nur Zukunftsmusik.

Auf Jahre wird erst einmal noch Kohle gefördert. Schätzungen gehen davon aus, dass rund 310 Millionen Tonnen Kohle unter der Turówer Erde liegen, von denen etwa 280 bis 290 Millionen Tonnen abgebaut werden können. „Das gibt uns die Garantie, dass der Energiekomplex Turow noch auf bisherige Weise bis ins Jahr 2044 tätig sein wird“, erklärt Leszek Sondaj, Direktor Produktion im Tagebau Turów, jüngst in einem Interview mit dem polnischen Radiosender WNET. Der Tagebau fördert jetzt täglich 10 000 bis 15 000 Tonnen Braunkohle. Im Jahre 2020, wenn der neue Block 11 in Betrieb geht, wird sich die Förderung auf 20 000 bis 25 000 Tonnen erhöhen, kündigt Sondaj an. Als noch zehn Blöcke in Betrieb waren, lieferte der Tagebau jeden Tag bis zu 35 000 Tonnen Kohle.

Der Bau des Blocks mit 450 Megawatt wird rund 4,5 Milliarden Zloty kosten. Der Block 11 erfülle alle strengen EU-Umweltnormen, auch jene, die erst in zwei Jahren Gültigkeit erlangen, weist Pawel Styczynski, Ökonomischer Direktor des Kraftwerks, hin. Turów wird nach seinen Worten ab dem Jahr 2022 das modernste Kraftwerk in Europa sein. Im Vorjahr sei beispielsweise die sogenannte nasse Abgasentschweflung installiert worden, welche die Emission der Schwefeldioxide in die Atmosphäre begrenzt, so Styczynski.

Nach Meinung des Direktors garantiert die Investition den Bewohnern der Region Arbeit bis ins Jahr 2044. (brt/kpl)