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Freitag, 06.05.2016

Auftakt für den Abriss

Auf dem Vegro-Gelände werden in den nächsten Jahren rund vier Millionen Euro investiert. Aber das ist noch nicht alles.

Von Madeleine Siegl-Mickisch

Männersache vorm Männertag: Bürgermeister Sven Gabriel (l.) und Staatssekretär Stefan Brangs kletterten am Mittwoch auf einen Bagger – symbolischer Auftakt für den Abriss alter Vegro-Hallen in Kirschau. Rund vier Millionen Euro fließen in den nächsten Jahren in die Wiederbelebung der Industriebrache.
Männersache vorm Männertag: Bürgermeister Sven Gabriel (l.) und Staatssekretär Stefan Brangs kletterten am Mittwoch auf einen Bagger – symbolischer Auftakt für den Abriss alter Vegro-Hallen in Kirschau. Rund vier Millionen Euro fließen in den nächsten Jahren in die Wiederbelebung der Industriebrache.

© Robert Michalk

Kirschau. Große Freude trotz regenverhangenen Himmels in Kirschau: Am Tag vorm Männertag dürfen Bürgermeister Sven Gabriel (FDP) und Staatssekretär Stefan Brangs (SPD) mal in einen Bagger klettern – um damit den symbolischen Startschuss für eine Millionen-Investition zu geben. Denn wo jetzt noch düstere, halb eingefallene Hallen stehen, soll es in zwei, drei Jahren ganz anders aussehen.

Auf dem Betriebsgelände des ehemaligen Textilkombinates Vegro werden weitere Gebäude, die seit Jahren leer stehen, abgerissen. Der Bagger, dessen Schaufel Brangs gerade mit Schwung nach vorn bewegt hat, verschwindet aber erst mal wieder. Denn richtig losgehen wird es erst im Sommer oder gar im Herbst, schätzt Grit Neumann, Bauamtsleiterin der Stadt Schirgiswalde-Kirschau. Noch steht nämlich nicht fest, welches Unternehmen den Auftrag für die Abrissarbeiten bekommt. Die müssen jetzt erst ausgeschrieben werden.

Platz für Neues

Aber die Finanzierung ist gesichert. 3,2 der rund vier Millionen Euro überweist der Freistaat Sachsen. Das Geld kommt aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Denn hier soll nicht einfach nur ein Schandfleck verschwinden, sondern Platz für Neues geschaffen werden. Auf den frei werdenden Flächen können sich Unternehmen neu ansiedeln oder erweitern. Dazu ist aber mehr nötig als das Wegreißen der alten maroden Gebäude. Um das gesamte Gelände besser zu erschließen, soll voraussichtlich ab 2017 eine neue Straße inklusive aller notwendigen Medien gebaut werden. Ein Stück davon wird auf der Trasse verlaufen, auf der zurzeit noch die Schienen des früheren Gleis-Anschlusses von Vegro liegen. Später soll die Straße mal weiter übers Feld führen und dann in die Straße nach Wilthen münden. Daneben könnten dann auch noch weitere Gewerbeflächen entstehen.

Bach kommt wieder ans Tageslicht

Es soll aber auch etwas für die Natur getan werden. So wird der Pilke-Bach, der durchs Gelände fließt und zum großen Teil verrohrt ist, wieder geöffnet, erklärt Birgit Weber, als Beigeordnete im Landratsamt auch für Gewässerschutz zuständig. Sie weiß, dass es schon vor sieben Jahren erste Pläne für die Wiederbelebung des gesamten Vegro-Areals gab. „Aber dann kam das Hochwasser dazwischen.“ Auch der Großbrand bei der Textilfirma Münzberg vor zwei Jahren warf wieder neue Fragen auf. „Die Stadt hat aber immer an dem Vorhaben festgehalten“, lobt Weber.

Und Brangs findet es beachtlich, was auf dem Vegro-Standort bisher schon passiert ist. 2010 floss bereits eine Million Euro in den Abbruch alter Gebäude. Noch ist diese Fläche leer – aber nicht mehr lange. Denn das Fenster- und Türenwerk Rösler aus Schirgiswalde will dort ein neues Werk bauen. Das ehemalige Vegro-Werk IV daneben ist inzwischen saniert. Darin erweitert Unternehmer Karl Dominick seine in Bautzen ansässige Firma LetMeRepair, die Handys repariert. Und in der früheren Weberei an der Friesestraße hat er vor sechs Jahren ein neues Unternehmen gegründet, die Kirschauer Aquakulturen. „Fischzucht in einem ehemaligen Textilbetrieb, wer hätte sich das einst vorstellen können“, meint Brangs. Nur ein paar Schritte weiter haben Künstler ihr Domizil, in der Galerie Flox wurde gerade eine neue Ausstellung eröffnet. „Die Region hat mehr zu bieten, als viele denken“, so Brangs.

Nachahmung erwünscht

Er wirbt dafür, dass andere Kommunen dem Beispiel von Schirgiswalde-Kirschau folgen und ebenfalls alte Industriebrachen wiederbeleben – mit finanzieller Unterstützung. „Wir haben unsere Richtlinie noch mal verbessert“, sagt Stefan Brangs. Statt 75 fördere Sachsen jetzt 85 Prozent. Einfach ist es trotzdem nicht, weiß Bürgermeister Gabriel mit Blick auf bürokratische Hürden, die vor dem Geldsegen zu überwinden waren. Aber dank Unterstützung aus den Behörden „haben wir einen Weg gefunden, wie es funktionieren kann“.