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Freitag, 11.11.2016

Aufschwung am Wiener Platz

Aus dem Loch am Hauptbahnhof ist ein attraktiver Standort geworden. Nur unter der Erde gibt es Probleme.

Von Annechristin Bonß und Nora Domschke

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Mirko Silz und seine Frau Katharina bringen italienisches Flair an den Wiener Platz. Im Prager Carrée eröffnen sie ihr zweites Restaurant in Dresden.
Mirko Silz und seine Frau Katharina bringen italienisches Flair an den Wiener Platz. Im Prager Carrée eröffnen sie ihr zweites Restaurant in Dresden.

© Sven Ellger

Türen auf am Wiener Platz. Am Freitag öffnet mit dem L’Osteria ein weiterer Vertreter der Systemgastronomie direkt am Bahnhof. Im Prager Carrée können die Gäste nun italienisch speisen. Vorbei sind die Zeiten, zu denen Dresden-Besucher gleich am Bahnhof von einem riesigen Loch empfangen wurden. Das ist verschwunden, nun steht hier ein Neubau. Die Brache gegenüber wird weiterhin vom Varieté-Zirkus Sarrasani genutzt. Nebenbei plant die Stadt die bauliche Aufwertung der Fläche. Und die Drogenszene, die bisher auf dem Bahnhofsvorplatz für Probleme sorgte, hat sich nach massiven Kontrollen neue Standorte gesucht. Davon profitiert der gesamte Wiener Platz.

Gastronomie: Systemanbieter kommen am Bahnhof an

L‘Osteria-Geschäftsführer Mirko Silz kennt die Vorteile des Standortes: die Nähe zum Bahnhof und den Hochschulen, die großen Hotels der Prager Straße und die Bekanntheit des Areals. Die Dresdner seien neugierig, was aus dem Wiener Loch geworden ist, sagt er. Diese Neugier soll ihm viele Kunden bescheren. 170 Sitzplätze bietet das Restaurant innen, 200 außen. 40 Jobs hat er neu geschaffen. Vom negativen Image des Bahnhofvorplatzes will er nichts wissen. „Hier am Bahnhof passiert viel in den nächsten Jahren“, sagt er.

Davon wollen auch andere profitieren. Viele Bäcker interessieren sich für den Standort. Anfragen kommen von regionalen und überregionalen Filialisten, sagt Jan Wetzel, Prokurist beim Immobilienverwalter Comfort. Zudem laufen Gespräche mit einem weiteren Vertreter der Systemgastronomie. Auf bis zu 200 Quadratmetern könnte das Konzept für die moderne, gesunde Küche öffnen.

Handel: Große Filialisten überzeugen sich vom neuen Standort

Am Anfang sei seine Arbeit schwerer gewesen, sagt Jan Wetzel. „Viele Interessenten kannten noch das Wiener Loch“, sagt er. Nur schwer konnten sie sich vorstellen, wie sie hier einmal erfolgreich verkaufen sollen. Seitdem der Neubau steht, hat sich das geändert. In diesem Jahr will er noch drei weitere Mieter öffentlich machen, so das ehrgeizige Ziel. Mit einem deutschlandweit tätigen Textilhändler laufen bereits die Verhandlungen. Er will auf 900 Quadratmetern Kleidung im mittelpreisigen Segment verkaufen. Auch mit einem Schuhhändler laufen Gespräche. „Die Investoren beobachten sehr kritisch die Lage“, sagt er. Immer wieder besuchen sie den Standort und analysieren die potenzielle Kundschaft. „Der Wiener Platz wird sehr positiv gesehen.“

Supermärkte: Zwei neue Großanbieter ziehen an den Bahnhof

Mit dem Lidl zog vor wenigen Jahren ein großer Lebensmittelhändler in den Bahnhof. Der Supermarkt war der erste Discounter überhaupt, der am Wiener Platz öffnete. Nun sollen weitere Großhändler folgen. Der Lebensmittelhändler Rewe hat bereits einen Markt mit 1 700 Quadratmetern im Prager Carrée eröffnet. Und auch Peter Simmel, Chef im Edeka am Albertplatz, will dort bauen. Dem Entwurf für den Neubau hat die Stadtverwaltung bereits zugestimmt. Spätestens 2020 soll der Edeka öffnen. Bis zu 120 neue Jobs möchte Investor Simmel dafür schaffen.

Wohnen: Prager Carrée punktet mit Lage und Verkehrsanbindung

Etwas schwieriger gestaltet sich bislang offenbar die Vermietung von Wohnungen am Wiener Platz. Anfang August zogen die ersten Mieter in den Komplex Prager Carrée ein. Insgesamt 241 Wohnungen sind auf dem Areal des ehemaligen Wiener Lochs entstanden. Derzeit sind 60 Prozent davon vermietet. Das teilt Svea Hoffmann von Revitalis Real Estate mit. Das Hamburger Unternehmen geht davon aus, dass das gesamte Objekt erst in zwei Jahren komplett vermietet sein wird. „Wir haben in der Anlaufphase mit sieben bis acht Vermietungen pro Monat kalkuliert. Tatsächlich sind es durchschnittlich 13 bis 14 Wohnungen monatlich geworden“, so Hoffmann. Eine Umfrage unter den Mietern habe ergeben, dass sie sich vor allem aufgrund der zentralen Lage und der guten Verkehrsanbindung für den Wiener Platz entschieden hätten.

Freizeit: Diskothek mit Wasserschaden bleibt vorerst geschlossen

Für Musikpark-Betreiber Patrick Geis ist der Wiener Platz zwar ebenfalls ein attraktiver Standort. Das nützt ihm derzeit allerdings wenig. Ein Gutachter hatte einen immensen Wasserschaden in der Großraumdiskothek festgestellt – die Eröffnung nach der Sommerpause im August platzte. Auch zur Dresdner Innenstadtparty Unity Night Anfang November blieben die Türen geschlossen. Daran wird sich vorerst wohl auch nichts ändern, sagt Musikpark-Sprecher Peter Dyroff. Denn der Eigentümer will den Schaden erst im Sommer 2017 beheben. Geis fordert indes, dass schnellstmöglich untersucht wird, woher das Wasser überhaupt kommt. Mittlerweile habe er seinen Anwalt eingeschaltet. Er hofft auf eine schnelle Lösung, denn auch für ihn ist der Wiener Platz mittlerweile zum attraktiven Standort geworden.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 12 Kommentare

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  1. Alexf

    L Òsteria braucht kein Mensch. Billiges Ambiente, schlechte Salami-Pizza bei der die Salamistücken soweit auseinander liegen wie Bautzen und Dresden, sehr, sehr schlechter Mainstream-Wein, überforderter Service der Campari-Orange mit Zitrone serviert. Das einzig Schöne sind die Lampen über dem Tresen. Sorry, da müsst Ihre Euch noch ganz schön strecken.

  2. Dresdner

    Dafür traut man sich nicht mehr ins Kino bzw. abends an der Walpurgisstr. umzusteigen, schöner Erfolg der Drogenverdrängung. Aber schön zu lesen, dass man um 5 Uhr auf dem Weg zur Dienstreise nicht mehr von Antänzern belästigt wird.

  3. Dresdnerin

    Jeder Quadratzentimeter zubetoniert. Attraktiv ist was anderes.

  4. Veit Schagow

    Bleibt zu hoffen, dass der Wiener Platz wirklich aufgewertet wird. Leider werden alle Betreiber sich mit der ortsüblichen und zugewanderten Kriminalität auseinandersetzen müssen. Nicht zuletzt sind es auch Dresdner, die bei den Dealern kaufen. Mit einer Heile-Welt-Philosophie wird man die Prager Straße und den Wiener Platz nicht in den Griff bekommen. Schon jetzt, einschließlich mir, wird dieser Bereich weitestgehend gemieden, wenn es nicht anders geht.

  5. die Susi

    man findet immer was zu meckern. Wie sah es denn vorher aus. Trostlos und nen Riesen Loch in der Mitte. Dann lieber so als wie vorher. Was habt ihr eigentlich gedacht wohin die Dealer verschwinden wenn "nue" auf dem Wiener Platz ne Razia gemacht wird? Bestimmt nicht an dewn Stadtrand. Es bedarf Flächendeckend Polizei und Hilfstruppen. Das dient auch der Vorbeugung. Da muß der Staat auch mal rechtzeitig Leute einstellen und nicht immer nur rumheulen das kein Geld da ist. Für alles andere ist es doch auch da.

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