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Samstag, 13.10.2018

Aufbruch am Bautzener Stausee

Mehr Attraktionen, mehr Besucher– die Talsperre ist beliebt wie nie zuvor. Aber da geht noch mehr, meinen die Akteure.

Von Marleen Hollenbach

Der Stausee in Bautzen wird zum Besuchermagneten. Das liegt vor allem an den Gewerbetreibenden, die entlang der Promenade viele Freizeitangebote geschaffen haben. Damit sich das Gebiet noch besser entwickelt, hoffen sie auf Hilfe von der Stadt.
Der Stausee in Bautzen wird zum Besuchermagneten. Das liegt vor allem an den Gewerbetreibenden, die entlang der Promenade viele Freizeitangebote geschaffen haben. Damit sich das Gebiet noch besser entwickelt, hoffen sie auf Hilfe von der Stadt.

© Steffen Unger

Bautzen. Wer Matthias Schneider, Betreiber der Ocean-Beach-Bar danach fragt, wie er die diesjährige Saison am Bautzener Stausee beschreiben würde, der wird nur ein Wort hören: „Hammer“. Wer weiterfragt, dem erzählt Schneider: „Bisher hat der große Parkplatz am Stausee nur einmal im Jahr nicht ausgereicht – zum Hexenbrennen. Diesmal war er an 15 Tagen so voll, dass Autofahrer umdrehen mussten.“

Besuchermagnet Stausee? Noch vor ein paar Jahren wäre das ein schöner Wunsch gewesen. Jetzt schwärmen die Akteure nur so von wachsenden Gästezahlen, überlegen bereits, wie sie sich weiterentwickeln können. Der Andrang an der Promenade kommt nicht von ungefähr. In letzter Zeit ist viel passiert. Gewerbetreibende und Vereinsleute engagieren sich rund um den Stausee. Egal, ob Minigolf, Hochseilgarten oder Tretbootfahren – das Angebot an Freizeitaktivitäten hat deutlich zugenommen. „Umso mehr Angebote wir schaffen, umso mehr Besucher kommen auch zu uns“, ist sich Matthias Schneider sicher.

Natürlich hatte in diesem Jahr auch das warme, trockene Wetter einen Anteil daran, dass der Stausee so beliebt war. Es gibt aber noch einen Grund. „Die Qualität des Wassers war in diesem Sommer wirklich viel besser“, sagt Klaus Hanisch, Vorsitzender des Bautzener Segelclubs. Kein Vergleich sei das zu den vergangenen Jahren gewesen. Erstmals hat die Landestalsperrenverwaltung (LTV) in diesem Jahr ein System der Wasserregulierung erprobt, bei dem statt des kalten Wassers aus der Tiefe warmes, algenreiches Oberflächenwasser entnommen wurde. Das habe sich gut bewährt, meint LTV-Betriebsleiter Sebastian Fritze. Nur am Ende des Sommers musste das System aufgrund des Niedrigwassers wieder umgestellt werden. Dann kehrten auch die Blaualgen zurück. Allerdings nur für kurze Zeit. Mittlerweile sei das Wasser schon wieder etwas sauberer.

Wenig Spielraum

Damit es mit der Entwicklung des Stausees weiter vorangeht, haben sich die Akteure für die kommenden Jahre viele Projekte vorgenommen. Ihre Ideen reichen vom Streichelzoo bis zum Fußballgolfplatz. Dabei hoffen sie auf die Unterstützung der Stadt. Gleich eine ganze Liste voll mit Wünschen haben sie an die Verwaltung. Ein Thema steht bei ihnen ganz oben auf dem Zettel: Der Bebauungsplan für das Areal muss angepasst werden. Das wünscht sich zum Beispiel Malte Rastemborski, einer der Chefs vom Hochseilgarten. Aktuell läuft seine zweite volle Saison. Konnte er 2017 noch 6 500 Gäste begrüßen, zählte er in diesem Jahr schon 8 500 Besucher. Gern würde Malte Rastemborski das Angebot erweitern und zum Beispiel Jugendgruppen die Möglichkeit zur Übernachtung auf seinem Gelände anbieten. Doch der aktuelle Bebauungsplan lässt dafür wenig Spielraum. Schon die Aufstellung von Waschcontainern ist problematisch.

Nicht nur der Bebauungsplan ist ein Problem. „Die Beleuchtung und der Strom sind noch zwei wichtige Themen, meint Michael Jacob. Er gehört zu den Organisatoren des sogenannten „Firle Tanz“, einer Open-Air-Party, die einmal im Jahr am Stausee stattfindet. An dem Tag, an dem das Event startet, versuchen er und seine Mitstreiter, den großen Parkplatz auszuleuchten. An allen anderen Tagen ist der Parkplatz finster. Zwar gibt es Licht an der Promenade. Doch wer dorthin laufen möchte, muss zunächst im Dunkeln tappen.

Rundweg als Idee

Auch der Beach-Bar-Betreiber findet diesen Zustand problematisch. Noch drängender sei aber ein anderes Problem, meint er. „Wir brauchen unbedingt öffentliche Toiletten am Bautzener Stausee“, so Schneider. Momentan kämen alle Besucher der Talsperre, die zur Toilette wollen, zu ihm gelaufen. Zwar reinigen seine Mitarbeiter ständig die Sanitäranlagen. Doch bei der großen Zahl der Stauseebesucher kommen sie mit dem Putzen nicht hinterher. Sind aber die Toiletten verschmutzt, ärgern sich wiederum seine Gäste. So könne es nicht weitergehen. Und wenn der Barbetreiber schon über Wünsche spricht, dann fällt Matthias Schneider noch etwas ein. „Ein asphaltierter Rundweg um den Stausee wäre toll“, sagt er. „Aber das ist wohl utopisch“, fügt er noch hinzu. Es wäre aber ein erster Schritt, würde die Stadt Bautzen die Promenade asphaltieren. Dann könnten zum Beispiel Skater die Strecke viel besser nutzen.

Bei der Stadt hat man die Wünsche der Akteure notiert. Einige Sachen sind sogar schon in Arbeit. Bewegung gibt es beim Thema Beleuchtung. Die war in diesem Jahr sogar schon im Haushalt eingeplant. Allerdings meldeten sich nur Baufirmen, die deutlich höhere Preise verlangten. Im Rathaus möchte man im kommenden Jahr einen neuen Versuch starten. Auch der Bebauungsplan ist dort bereits im Gespräch.