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Samstag, 10.02.2018

Auf Pole-Position in Braunsdorf

Das Kart-Rennteam DS Corse aus Braunsdorf startet in die Saison. Auch Laien können sich hinter das Steuer setzen.

Von Hauke Heuer

Teamchef Danny Schultz und Fahrer Erik Weber (r.) mit einem Schaltkart, das derzeit auf die kommende Saison vorbereitet wird. Wenn das Wetter stimmt, geht es bald zum Test auf die Rennstrecke. Die Karts der italienischen Marke „Intrepid“ kosten schnell so viel wie ein Kleinwagen.
Teamchef Danny Schultz und Fahrer Erik Weber (r.) mit einem Schaltkart, das derzeit auf die kommende Saison vorbereitet wird. Wenn das Wetter stimmt, geht es bald zum Test auf die Rennstrecke. Die Karts der italienischen Marke „Intrepid“ kosten schnell so viel wie ein Kleinwagen.

© Andreas Weihs

Wilsdruff. In einem alten unscheinbaren Stallgebäude in Braunsdorf wird in diesen Tagen geschraubt, geölt und gebastelt bis die Finger wund werden. Das Kart-Rennteam DS Corse bereitet sich auf die kommende Saison vor. Doch bis die Fahrer mit ihren Slicks über die Rennstrecken des Landes rutschen, vergehen noch einige Monate. „Wenn das Wetter mitspielt, starten wir in den kommenden Wochen mit den ersten Testfahrten“, kündigt Danny Schultze, Chef des Rennstalls, an und hofft auf einen zeitigen Frühlingsbeginn.

Der 24-Jährige hat 2013 sein eigenes Rennteam gegründet und damit sein langjähriges Hobby zum Nebenberuf gemacht. „Schon meine Eltern waren im Rennsport aktiv. Mit fünf Jahren habe ich zum ersten Mal hinter dem Steuer eines Karts gesessen und an vielen Wettkämpfen teilgenommen“, erinnert sich der gelernte Industriemechaniker.

Mittlerweile betreut Schultze mit seinem Team drei aktive Rennfahrer, die beispielsweise am ADAC Kart Cup teilnehmen – eine Amateurrennserie, die an verschiedenen Standorten in Deutschland stattfindet. DS Corse unterstützt die Fahrer und kümmert sich um die Reparatur und Optimierung der Fahrzeuge – fast schon wie bei einem professionellen Rennstall.

Der Fahrer Erik Weber ist das schnellste Pferd bei DS Corse. Ende der 90er-Jahre saß der heute 34-Jährige sogar hinter dem Steuer einer Formel 4 Boliden. Jetzt steuert der Dresdner ein Schaltkart – die Königsklasse unter den schnellen flachen Flitzern. „So ein Kart hat 45 PS bei einem Gewicht von rund 150 Kilogramm und schafft etwa 180 Kilometer in der Stunde. Die Beschleunigung ist unglaublich“, berichtet der Hobby-Rennfahrer. Dass Weber weiß, wie man eng um die Kurven flitzt, hat er in der Vergangenheit oft bewiesen. So wurde er 2009 Vizebundesmeister, 2012 Ostdeutscher Meister sowie 2016 Sachsenmeister im Schaltkart.

Weber ist es auch, der im DS Corse Team als Trainer auftritt und mit seiner geballten Erfahrung neuen Kartfahrern zeigt, wie sie schnellere Rundenzeiten einfahren, denn der Kartrennsport ist nicht nur etwas für Profis, die seit der Kindheit hinter dem Steuer sitzen. „Prinzipiell kann jeder zu uns kommen und das Rennfahren lernen“, erklärt Schultze. Anders, als in den Karthallen, in denen jeder für ein paar Stunden seine Runden drehen kann, muss man bei DS Corse allerdings ein wenig mehr Zeit und auch Geld mitbringen.

„Wir verbringen gemeinsam einen ganzen Tag auf unserer Heim-Rennstrecke in Lohsa bei Hoyerswerda. So bleibt viel Zeit, um an der Technik zu arbeiten und wirklich etwas mitzunehmen“, erklärt Schultze. Die Preise für so einen Tag auf der Rennstrecke beginnen bei 300 Euro. Umso leistungsstärker der Motor des Gefährtes, desto mehr Geld müssten die Kunden in die Hand nehmen, so Schultze.

Wer sich gleich am großen Wurf versuchen und beispielsweise an einem Rennen oder einer ganzen Serie teilnehmen will, muss allerdings um einiges tiefer in die Tasche greifen. Die Kosten ließen sich nur schwer beziffern. Ein schnelles Schaltkart mit Viertakt-Motor würde schnell so viel wie ein neuer Kleinwagen kosten. Je Rennwochenende würden dann zusätzlich schnell 650 Euro für die Teilnahmegebühren, Reifen, Sprit und die Anfahrt fällig werden. Schultzes Rennstall, der auch die Fahrzeuge und das nötige Zubehör vertreibt, macht dabei kaum Gewinn. „Ich mache das, um die Kosten meines Hobbys zu decken. Das Kartfahren ist nun mal ein teurer Sport“, erklärt er,

Den hohen Kosten sei es auch geschuldet, dass gerade im weniger wohlhabenden Ostdeutschland immer mehr Rennstrecken schließen. „Es ist bedauerlich, dass der Kartrennsport deshalb so leidet. Mittlerweile gibt es in Dresden nicht mal mehr eine Rennstrecke in der Halle und wir müssen weite Wege auf uns nehmen“, ärgert sich Rennfahrer Weber. Dennoch würde er sein Hobby nie aufgeben: „Wichtig ist auch das Drumherum. Bei jedem Rennen treffen sich dieselben Fahrer und campen gemeinsam. Der Zusammenhalt in der Szene ist sehr hoch. Und natürlich macht nichts so viel Spaß, wie Rennen zu fahren“.