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Mittwoch, 09.05.2018

Auf Feuerwehrbeamte losgegangen

Sie retten Menschenleben, doch immer häufiger werden Beamte der Berliner Feuerwehr bei ihren Einsätzen bedroht, beleidigt oder gar verletzt. Ein Störer wurde nun verurteilt. Er soll auch Schmerzensgeld erarbeiten.

Für viele Rettungskräfte sind Pöbeleien bei Einsätzen trauriger Alltag geworden.
Für viele Rettungskräfte sind Pöbeleien bei Einsätzen trauriger Alltag geworden.

© Symbolfoto: dpa

Berlin. Als sich Rettungskräfte um einen bewusstlosen Mann kümmern wollten, ging ein 20-Jähriger auf Beamte der Feuerwehr los. Elf Monate nach dem Angriff an einem Berliner U-Bahnhof ist der Störer am Mittwoch zu einer Jugendstrafe von zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht Tiergarten legte dem Arbeitslosen zudem 200 Stunden Freizeit auf, um ein Schmerzensgeld von je 700 Euro für zwei der Geschädigten zu erarbeiten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Der 20-Jährige sei im Juni 2017 zunächst auf zwei Feuerwehrbeamte losgegangen, als diese sich um eine medizinische Erstversorgung seines bewusstlosen Freundes kümmern wollten, hieß es im Urteil. Kurz darauf habe er einen Rettungssanitäter und einen Polizisten angegriffen. Drei Geschädigte hätten bei der „hässlichen Tat“ unter anderem Prellungen erlitten.

Der 20-Jährige hatte in dem Prozess um Körperverletzung, tätlichen Angriff auf Hilfeleistende der Feuerwehr, Beleidigung und Widerstand erklärt, er habe unter erheblichem Einfluss der Droge Ecstasy und Alkohol gestanden. Er könne sich an das, was am U-Bahnhof Tierpark geschah, kaum erinnern. „Ich sehe aber ein, dass ich einen Fehler gemacht habe.“ Er habe sich inzwischen gebessert und befinde sich „in einer Maßnahme des Jobcenters, um wieder in das Arbeitsleben zu finden“.

Ein Feuerwehrbeamter sagte als Zeuge, für ihn und seine Kollegen seien Pöbeleien bei Einsätzen trauriger Alltag geworden. „Die Respektlosigkeit wird immer größer.“ Der Angriff am U-Bahnhof Tierpark sei für ihn persönlich bisher „einer der massivsten Fälle“.

Er und ein Kollege seien damals von einem anderen Einsatz gekommen und von einem Passanten gestoppt worden, schilderte ein 51-jähriger Beamter. Als sie sich um den lebenlosen Mann kümmern wollten, habe der Angeklagte in die Trage gegriffen und die Umhängetasche seines Freundes verlangt. Weil ihm die Tasche nicht ausgehändigt wurde, sei er „ausgerastet“, habe um sich geschlagen und getreten. Schließlich habe er sich vor den Wagen gestellt, um eine Abfahrt zu verhindern.

Der junge Mann wurde außerdem in einem zweiten Fall schuldig gesprochen. Dabei habe der Angeklagte im September 2017 auf dem U-Bahnhof Biesdorf-Süd Polizeibeamte beschimpft und in ihre Richtung geschlagen, so das Gericht. Es berücksichtigte diesen Fall beim Strafmaß. (dpa)