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Donnerstag, 12.02.2015

Auf den Spuren eines Kroaten

Der Hobby-Ahnenforscher Hans Joachim Schröter erzählt, was es mit der historisch verbürgten Person des Krabat auf sich hat.

Von Helmut Schippel

Eine der zahlreichen Episoden aus der Krabat-Sage schildert, dass die Kutsche des Sagenhelden sich auf einer Luftreise gen Dresden an einem Kamenzer Kirchturm verfing. Das imaginäre Gefährt und sein Lenker mussten sich notgedrungen wieder heimwärts wenden. Was es nun wirklich mit der historisch verbürgten Person des Krabat auf sich hat, wird in einem Vortrag der profundeste aller Nachforschenden zum Thema Krabat, Hans-Jürgen Schröter aus Wittichenau jetzt im Gemeindezentrum von Nebelschütz seiner interessierten Zuhörerschaft berichten.

Der Genealoge aus der Karnevalshochburg vermittelt den bisher eindeutigsten und ausführlichsten Erkenntnisstand über den Lebensweg des Kroaten, der seine letzten Lebensjahre in Groß Särchen zubrachte. Schröters Veröffentlichungen im Internet erreichten auch die Nachfahren des Krabats. Diese leben heutzutage nicht nur in Kroatien, sondern auch weitverbreitet in Europa, ja selbst in den USA.

Schröter wird die Herleitung des Namens der Sagengestalt des Krabat, der als Janko Sajatovic 1624 im Grenzgebiet zwischen Kroatien und Slowenien, nämlich in der Region Zumberak, geboren wurde, aufhellen; das er also nach seiner Dienstzeit am sächsischen Hof als der Kroate, auf sorbisch als der Chorwat, und damit schließlich wohl als Krabat, Eingang in eben die sorbische Sagenwelt fand. Im Vortrag wird von den Uskoken, einem Volk, das sich vor den Türken aus der Region Dubrovnik zurückzog, ursprünglich aus Rumänien oder Ungarn stammte, und dann im Zumberak nahe Zagreb u.a. als Grenzwächter lebte, die Rede sein. Später ist die Rede davon, wie der junge Adlige Janko Sajatovic nach Sachsen gelangte, nämlich im Bestand jener Garde, die der Kurfürst Johann Georg II beim Kaiser in Wien beantragte und genehmigt (1659) bekam. Der Kurfürst wollte sich nicht nur mit einer treuen und kriegserfahrenen Truppe umgeben, sondern sich bei Untertanen und seinen adligen Besuchern mit einer doch recht exotisch anmutenden Kriegerschar präsentieren.

Schröter spannt den Bogen bis zu den Feldzügen, die der Kroate an der Seite seiner kurfürstlichen Herren bestritt, dass er sogar den leichtsinnigen J. Georg III auf dem Schlachtfeld wieder aus türkischer Hand befreite – die Entscheidungsschlacht am Kahlenberg, von da an ging es bergab mit der Türkenherrschaft in Südosteuropa – erlebte und dann mit 67 Jahren unter J. Georg IV in Pension ging. Das Geschenk des Herrschers war das Vorwerk Groß Särchen. Interessant für die heutige Zeit ist, das Schadowitz – so der eingedeutschte Name für den Kroaten Sajatovic – anfangs große Probleme hatte im Zusammenleben mit seinen sorbischen Nachbarn, dass er sich aber bald besann auf ein gutes Miteinander, sehr erfolgreich sein Gut bewirtschaftete und den letztlich ungebildeten Nachbarn infolge seiner reichen Kenntnisse viele gute Ratschläge zur Verbesserung ihrer Lebenslage geben konnte. Eben diese Ratschläge zum Feldbau, zur Viehzucht, zur Teichwirtschaft sowie zum Obst- und Gemüseanbau lassen sich als Segensdeutungen des Wirkens des Krabats in der gleichnamigen Sage unschwer nachvollziehen.

Im Gefolge der umfangreichen archivalischen Nachforschungen Schröters sind die direkten Kontakte des Familienclans der Sajatovic mit dem Krabatverein seit gut einem Jahr von konkreten gemeinsamen Unternehmungen geprägt. Die Region Zumberak wird sich auf der Messe WIR im März in Kamenz vorstellen. Zuvor laden Hans-Jürgen Schröter und der Heimat- und Kulturverein Nebelschütz zu besagtem Vortrag ein.

Vortrag: 25. 2., 19.30 Uhr, Gemeindezentr. Nebelschütz