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Freitag, 19.06.2015

Asylbewerberheim in Rossendorf

Demnächst ziehen 70 Flüchtlinge ins alte Wohnheim.

Von Jens Fritzsche

Das ehemalige Wohnheim in der Siedlung Rossendorf wird demnächst Unterkunft für gut 70Flüchtlinge. In den nächsten Tagen werden die Anwohner in einer Einwohnerversammlung genauer informiert.
Das ehemalige Wohnheim in der Siedlung Rossendorf wird demnächst Unterkunft für gut 70 Flüchtlinge. In den nächsten Tagen werden die Anwohner in einer Einwohnerversammlung genauer informiert.

© Thorsten Eckert

Radeberg. Wirklich überraschend kommt das Ganze nicht: schon lange war klar, dass der Wohnheim-Flachbau in der zum Radeberger Ortsteil Großerkmannsdorf gehörenden Siedlung Rossendorf ins Blickfeld für die Unterbringung von Flüchtlingen gerückt ist. Der Landkreis Bautzen, als für die Verteilung der Asylbewerber in der Region zuständige Stelle, hatte sich in Radeberg mehrere Objekte angeschaut und dabei auch dieses Wohnheim in die engere Wahl genommen. Und auch der Kreis hatte daraus nie ein Geheimnis gemacht. Nur mussten zunächst noch Mietverträge mit dem Eigentümer ausgehandelt werden.

Der Rahmen scheint nun also klar, Mittwochabend machte Großerkmannsdorfs Ortsvorsteher Harry Hauck (Freie Wähler) in der Ortschaftsratssitzung jedenfalls klar, dass die Anwohner in den nächsten Tagen Post vom Landratsamt bekommen werden, „mit einer Einladung zu einer Einwohnerversammlung“. Voraussichtlich am 1. Juli wird diese Versammlung stattfinden – und dort werden dann die zeitlichen Abläufe öffentlich gemacht. Dann werde beispielsweise erläutert, wie viele Flüchtlinge untergebracht werden sollen – „und natürlich werden dann auch alle Fragen der Anwohner eine Rolle spielen“, macht Radebergs OB Gerhard Lemm (SPD) deutlich. Auch er hatte ja bekanntlich nie mit dem Fakt hinterm Berg gehalten, dass Radeberg zusätzlich zu den bisher rund 50 in Wohnungen im Stadtgebiet untergebrachten Flüchtlingen noch weitere hinzukommen werden.

Auf etwa 120 Asylsuchende hatte er die Zahl geschätzt, mit der sich die Stadt Radeberg an der Unterbringung von Flüchtlingen im Landkreis Bautzen beteiligen muss. „Mit der Einrichtung in der Siedlung Rossendorf kommen wir dann also so ziemlich exakt auf diese Zahl – sodass wir unseren Teil also beigetragen haben“, sagt der OB, und verweist auf entsprechende Gespräche mit dem Landratsamt in Bautzen. „Mir ist dabei auch bestätigt worden, dass der Kreis nun vorerst nicht mehr in der Stadt Radeberg nach Unterbringungsmöglichkeiten sucht – in der Region ringsum allerdings schon“, so Lemm. Jüngst hatte der Landkreis bekanntlich öffentlich gemacht, dass er auch im benachbarten Arnsdorf ein Gewerbegrundstück für passend hält, um dort Flüchtlinge in Wohncontainern unterzubringen. „Konkrete Entscheidungen gibt es da allerdings noch nicht, aber wir wollen ja Offenheit bei diesem Thema“, hatte Landrat Michael Harig (CDU) jüngst erklärt.

Lemm hat anderen Vorschlag

Zunächst schaut der Kreis aber in die Siedlung Rossendorf. Und dass Radebergs OB den Standort in der Siedlung zumindest mit gemischten Gefühlen sieht, auch daraus macht Lemm kein Hehl: „Ich habe immer öffentlich gesagt, dass ich den Standort der alten Kolpingschule an der Straße des Friedens nahe des Stadtzentrums für wesentlich besser halte.“ Dort sei einfach die Infrastruktur günstiger, Läden seien nah – und mit der katholischen Kirche gleich in der Nachbarschaft auch ein Partner, der sich um die Flüchtlinge kümmern kann. Aber die Entscheidung liege nicht in der Hand der Stadt, unterstreicht der OB.

Problematisch sieht Lemm vor allem die Relation zwischen der Zahl der Anwohner und der künftig hier untergebrachten Flüchtlinge. „Die Siedlung ist ja durchaus eine Art abgeschlossener Ort –  und hier werden dann mit den rund 120 Bewohnern gut 70 Flüchtlinge leben“, so Lemm. Das sei schon reichlich grenzwertig, ist er überzeugt. Zudem gebe es hier weder Läden noch wirklich üppige Freizeitmöglichkeiten, macht der OB deutlich. „Das stellt uns also durchaus vor entsprechende Herausforderungen – die wir allerdings bereits seit einiger Zeit im Blick haben und uns darauf vorbereiten“, macht das Stadtoberhaupt deutlich. So gebe es mittlerweile einen Verein, der sich um Flüchtlinge in Radeberg kümmert. Auch sei angedacht, Spielmöglichkeiten zu installieren, sollten Familien mit Kindern hier untergebracht werden. Auch mit dem gleich nebenan befindlichen Technologiezentrum – das ja auch in Trägerschaft des Landkreises ist – habe Lemm bereits über Unterstützungsmöglichkeiten gesprochen.

„Aber natürlich können wir Konkreteres erst dann tun, wenn wir wissen, wer hier untergebracht wird“, macht der OB deutlich. Und das – so erklärt auch Landrat Michael Harig (CDU) regelmäßig – sei ein Problem. „Denn wir erfahren das als Landkreis immer erst an dem Tag, wenn die Flüchtlinge in der Erstaufnahme-Einrichtung in Chemnitz auf die Reise zu uns gehen“, so Harig auch jüngst während eines Wahlforums in Radeberg.

Hoffnung auf Verständnis

Allerdings gebe es auch jede Menge positiver Aspekte, die der Standort in der Siedlung mit sich bringe, unterstreicht Radebergs OB Lemm. „Zum einen war das Gebäude ja schon immer für die Unterbringung ausländischer Mitarbeiter des benachbarten Forschungszentrums genutzt worden.“ Das heißt, zum einen ist eine entsprechende Infrastruktur im Gebäude vorhanden – wie ausreichend Sanitäreinrichtungen und Kochmöglichkeiten. „Zum anderen sind die Siedlungsbewohner mit dem Umgang mit ausländischen Bürgern vertraut – nicht zuletzt handelt es sich um eine zu großen Teilen akademisch gebildete Einwohnerschaft, so dass hier kaum die an anderen Stellen regelmäßig aufkommenden diffusen Ängste eine Rolle spielen dürften“, ist Lemm überzeugt.

Und überhaupt ist der OB der Überzeugung, „dass wir hier in Radeberg eine sehr offene Bevölkerung haben, die mit dem Thema sachlich umzugehen versteht“!