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Donnerstag, 14.06.2018

Astro-Alex wettet

… und riskiert eine russische Flagge auf der Stirn. Die Stimmung im All ist super. Der Astronaut sagt: Alles ein bisschen wie Camping – viel Spaß bei wenig Komfort.

Von Christoph Driessen

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Alexander Gerst hat auf der ISS den WM-Ball dabei.
Alexander Gerst hat auf der ISS den WM-Ball dabei.

© dpa/Oliver Berg

Alexander Gerst hat im Weltraum eine Fußball-WM-Wette mit dem russischen Kosmonauten Sergej Prokopjew abgeschlossen. Wenn Russland und Deutschland gegeneinander spielen und Russland gewinnt, lässt er sich eine russische Flagge auf die Stirn malen. Bei einem deutschen Sieg muss sich Prokopjew eine Gerst-Glatze schneiden lassen.

Der deutsche Astronaut muss auch im All nicht komplett auf die Fußball-WM verzichten. „Wir schauen beim Abendessen, wenn wir Zeit haben, mal ein bisschen rein“, sagte er am Dienstag in einer Live-Übertragung von der Internationalen Raumstation ISS zum Europäischen Astronautenzentrum in Köln. Dabei beantwortete er Journalistenfragen und ließ einen original lizenzierten WM-Ball durchs Bild schweben. Er wollte allerdings nicht darüber spekulieren, wer die WM gewinnt: Schließlich sei er Wissenschaftler und kein Wahrsager.

„Die Stimmung ist super in der Crew“, schwärmte er. Man müsse sich das Ganze vorstellen wie einen Campingurlaub: Man habe viel Spaß, aber nicht ganz so viel Komfort – das mache aber gar nichts.

Gerst war am Freitag nach zwei Tagen Flug in der Internationalen Raumstation (ISS) angekommen. Der 42-Jährige soll bis Dezember bleiben, im Herbst übernimmt er als erster Deutscher das Kommando auf der Raumstation. Die Mission „Horizons“ (Horizonte) ist sein zweiter Einsatz im Weltraum: 2014 war er bereits für ein gutes halbes Jahr oben. Über Facebook und Twitter ließ er die zurückgebliebenen Erdlinge damals intensiv an dieser Erfahrung teilhaben.

Unter Jetlag oder auch nur postirdischer Depression scheint Astro-Alex nicht zu leiden: Er wirkte bei der Übertragung äußerst gut gelaunt und fit. Er habe auch keine Anzeichen von Weltraumkrankheit, ihm sei nicht schlecht, erzählte er. Deshalb habe er auch schon gleich mit seinen Experimenten angefangen. Insgesamt warten etwa 300 Versuche auf ihn.

Einziger Wermutstropfen: Der Hinflug war nicht mehr ganz so romantisch wie beim ersten Mal 2014. „Wenn man das zum zweiten Mal macht, ist es nicht mehr ganz dasselbe. Es ist schon mehr ein Stück weit Routine.“ Er habe aber auch nicht richtig Zeit gehabt, den Moment zu genießen. Immerhin habe er von oben seine Kölner Heimat und den Nürburgring erkennen können: „Das ist natürlich schön, wenn man dann rausguckt und seine Heimat sieht.“ Sicher werde er noch Zeit finden, den wunderbaren Anblick der Erde zu genießen.

Es fühle sich für ihn an, als wäre er nie weg gewesen, sagte er. Bei seiner ersten Mission hatte er anfangs mehrere Nächte hintereinander geträumt, dass er jetzt auf einer Raumstation wäre, und dachte sich dann beim Aufwachen: „Das ist ja Wirklichkeit!“ Dieser Traum sei jetzt aber nicht wiedergekommen.

Dennoch gibt es eine Sache, die er vermisst: Man kann sich abends nach getaner Arbeit nicht aufs Bett fallen lassen –- man bewegt sich ja in der Schwerelosigkeit. Dadurch fehle einem das Gefühl des Komplett-Entspannens.

In ein paar Wochen werde er sicher auch Salat und Pizza vermissen, sagte er. Aber im Moment freue er sich einfach darüber, wieder da zu sein: „Ich habe alles, was ich brauche, hier.“ (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 6 Kommentare

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  1. NuDresden

    Nu das geht ja gar ni! Da blasen die da oben Millionen ins Weltall und mir hier unten ham nichts. Die sollen erstmal an die Arbeitslosen im schönen Sachsen denken, als da hoch zu fliegen! Eine Schande ist das, neeee!

  2. Michi N.

    @1: Wenn´se denn wenigstens da oben rumfliegen würden. Wer sich das Interview anschaut und noch nicht ganz erblindet ist, wird sehen, wie (schlecht) Green- bzw. Blue-Screen-Technik in ihrer Anwendung aussieht. Und den Nürburgring hat er ooch erkannt aus 400km Höhe. Ja, nee, alles klar. Wirklich schade ums Geld. lg, mn

  3. Geht‘s noch?

    @1+2: Na klar, ist gar niemand dort oben. Und die ISS, die man abends sieht, ist nur Einbildung. Und Satellitenfernsehen ebenfalls. Mann, denkt mal nach!

  4. Peter

    Zitat Artikel: „Wenn Russland und Deutschland gegeneinander spielen“ Das ist ziemlich unwahrscheinlich. Russland u. Deutschland sind in verschiedenen Gruppen. In der KO-Runde können sich beide Mannschaften frühestens im Halbfinale begegnen. Dass es die russische Fußballnationalmannschaft bis ins Halbfinale schafft, ist relativ unwahrscheinlich. Denn bisher spielte diese Mannschaft eher schlecht bis mittelmäßig. Und Russland müsste, um bis ins Halbfinale zu kommen, gegen (sehr) gute Mannschaften wie Spanien, Portugal u./o. Argentinien gewinnen. Übrigens ist Alexander Gerst ein Kosmonaut, kein Astronaut. Als „Kosmonaut“ gelten alle Raumfahrer, die mit russischen Raumfahrzeugen ins All geflogen sind. Deutschland mag ja Russland fußballerisch voraus sein, aber in Sachsen bemannte Raumfahrt hat eindeutig Russland die Nase vorn. EU-Staaten, die USA u. Kanada brauchen seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms 2011 die Hilfe der Russen, um Menschen ins All u. wieder zurück zu bringen.

  5. Eric

    @2 Es ist faszinierend, wie man das Internet nutzen und gleichzeitig an die flache Erde glauben kann.

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