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Dienstag, 04.03.2003

Archivar entdeckte braunen Schandfleck

OELSNITZ - Im April 1933 hatten die Menschen im vogtländischen Oelsnitz Pech - historisch gesehen. Adolf Hitler fuhr durch ihren Ort. Der Nazi-Führer hielt zwar nicht mal zum Tanken an, doch war das Ereignis den Stadtvätern trotzdem Grund genug, ihm wenige Tage später, kurz vor seinem 44. Geburtstag, die Ehrenbürgerschaft zu verleihen. 70 Jahre später hat dieser Akt ein Nachspiel. Und es könnte nicht der einzige dieser Art in Sachsen bleiben.

Von André Paul

"Wir wussten davon nichts mehr", entschuldigt sich der stellvertretende Bürgermeister Ulrich Lupart. Ein Zufall brachte den braunen Schandfleck in der Stadtgeschichte zu Tage. "Erstmals seit Kriegsende haben wir wieder einen Ehrenbürger ernannt, Unternehmer Peter Emil Ruppe", erklärt der Vize-Bürgermeister. Als der Archivar die verstaubte Akte hervorholte, staunte er nicht schlecht beim Lesen des letzten Namenseintrages. Gleich in der nächsten Stadtratssitzung tilgten die Volksvertreter Hitler offiziell aus der Akte.

"Da sind wir bestimmt nicht die einzige Stadt in Sachsen", rechtfertigt sich Lupart. Begründung: In den 30er und 40er Jahren wurde Hitler ständig irgendwo zum Ehrenbürger ernannt. Wenn kein fleißiger Orts-Chronist nachprüft, schlummert der beschämende Eintrag sicher noch in mehreren Registern.

In Bitterfeld stellte das Rathaus die Liste mit allen je ernannten Ehrenbürgern auf die städtische Webseite, auch die aberkannten, darunter Hitler. Nach Protesten von PDS und CDU wurde der Name des Nazi-Führers entfernt.