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Freitag, 09.11.2018

Aosman will es Köln heimzahlen

Der Mittelfeldspieler hat seine eigene Rechnung offen, aber was kann sich Dynamo ausrechnen?

Von Sven Geisler

Sehr her, hier bin ich: Aias Aosman hat anderthalb Jahre für den 1. FC Köln gespielt, aber nie im großen Stadion, sondern nur für die zweite Mannschaft in der Regionalliga. Jetzt kehrt er mit Dynamo zurück.
Sehr her, hier bin ich: Aias Aosman hat anderthalb Jahre für den 1. FC Köln gespielt, aber nie im großen Stadion, sondern nur für die zweite Mannschaft in der Regionalliga. Jetzt kehrt er mit Dynamo zurück.

© Robert Michael

Als kleiner Junge hat er davon geträumt, einmal in diesem Stadion zu spielen, in dem er als Zuschauer einige „Gänsehautmomente“ erlebt hat, wie er erzählt. Doch obwohl Aias Aosman sogar anderthalb Jahre beim 1. FC Köln unter Vertrag gestanden hat, durfte er nie in der Arena im Stadtteil Müngersdorf auflaufen. „Umso mehr freue ich mich, dass ich mit Dynamo Dresden dort spielen darf“, sagt der 24-Jährige und verrät auch, warum es damals nicht so gelaufen ist, wie er es sich vorgestellt hatte. Er kam nämlich nur für die zweite Mannschaft in der Regionalliga zum Einsatz.

„Ich war das erste Mal weg von zuhause, habe Vieles nicht so richtig gemacht, was dem Verein nicht gefallen hat“, meint Aosman. Dabei kann sich sogar sein heutiger Trainer erinnern, warum ihn Köln damals geholt hat, nämlich weil er den Favoriten mit Wiedenbrück in der ersten Runde des DFB-Pokals 2011 das Weiterkommen schwer gemacht hatte. Außergewöhnlich habe er da gespielt, sagt Maik Walpurgis, der von Anfang an auf den Kurden aus Syrien gesetzt hat. „Man spürt, dass er ein Straßenfußballer ist, ein Kicker, der unglaublich viel Lust am Fußballspielen hat.“

Er ahnt aber auch, was Aosman meint, wenn er zugibt, Fehler gemacht zu haben. „Er ist sehr ehrlich, sehr offen, trägt manchmal das Herz auf der Zunge, aber das mag ich“, sagt Walpurgis und berichtet, dass sie sich am Mittwoch „kritisch auseinandergesetzt“ haben. Seinem Vorgänger Uwe Neuhaus war wegen Aosmans Disziplinverstößen schließlich der Geduldsfaden gerissen und er hintendran.

Walpurgis vertraut ihm in einer Schlüsselrolle als – wie er die offensiv-kreative Position beschreibt – „schwimmender Zehner“, der inzwischen auch ein wichtiger Ballgewinner geworden sei. „Ich war kurz davor, den Verein zu verlassen“, sagt Aosman. „Der Trainerwechsel war für mich natürlich positiv. Ich bin froh, dass ich jetzt beweisen kann, dass ich es besser kann als vorher.“ Drei Tore hat er bereits erzielt, zudem das gegen Aue vorbereitet.

Aosman fliegt selbstbewusst nach Köln. „Ich will ihnen das auf jeden Fall heimzahlen“, meint er mit Blick auf die Trennung vor fünf Jahren, bei der sich beide Seiten wohl nur darin einig waren, dass sie keine Lust mehr aufeinander hatten. Umso größer ist jetzt die Vorfreude. „Alle in der Mannschaft reden darüber. Manche Mitspieler haben 30 Karten bestellt, andere 10 oder 12 und ich 23.“ 50 000 Zuschauer bilden die erstklassige Kulisse für dieses Zweitliga-Duell, 5 000 werden die Schwarz-Gelben anfeuern.

„Wir freuen uns auf das Spiel, wollen Spaß haben, dürfen aber unseren taktischen und mentalen Plan nicht vergessen“, mahnt Walpurgis. Die Rollen scheinen zwar klar verteilt und Dynamo der Außenseiter zu sein. Alles andere als eine Niederlage in Köln wäre eine Überraschung. Die Einstellung, deshalb nichts zu verlieren zu haben, teilt Marco Hartmann jedoch nicht. „Wir haben viel zu gewinnen“, hält der Kapitän dagegen. „Wir haben eine schöne Ausgangslage und ein Spiel, in dem uns keiner etwas zutraut, wir selbst uns aber viel ausrechnen.“ Er möchte „gar nicht erst das Gefühl aufkommen lassen, dass es eine Kaffeefahrt werden könnte“.

Schließlich hat Köln im eigenen Stadion einige Probleme, nur zwei seiner sechs Heimspiele gewonnen und schon zweimal verloren. „Der Druck bei den großen Favoriten ist schon enorm, speziell zu Hause“, erklärt Walpurgis diese Bilanz. „Von den Fans wird nichts anderes als ein Sieg erwartet. Man ist gefühlter Bundesligist, hat einen dementsprechend starken Kader. Aber die zweite Liga hat eine unglaublich gute Klasse.“ Vor allem ist sie trotz der prominenten Bundesliga-Absteiger mit Köln und dem Hamburger SV wieder sehr ausgeglichen, Dynamo liegt derzeit nur drei Punkte hinter dem FC.

„Wir sollten uns ganz fest vornehmen, dort etwas mitzunehmen“, meint Hartmann. Und Walpurgis will sich am Tag vor dem Start in die fünfte Jahreszeit nicht die Pappnase aufsetzen. „Für mich ist Karneval, wenn wir da gewinnen. Der Tag danach ist nicht entscheidend, sondern die 90, 95 Minuten sind das besondere Highlight.“ Für Aosman eines von mehreren in diesem Herbst, denn er fliegt mit der syrischen Nationalmannschaft in den Oman und anschließend nach Kuwait zu Länderspielen.

„Aber vorher“, meint er grinsend, „habe ich hoffentlich zwei Tage frei.“ Walpurgis grinst auch. „Das hofft Aias jede Woche.“ Ob er ihm diesmal im Erfolgsfall diesen Wunsch erfüllt, lässt der Chefcoach jedoch offen. Er will überraschen: erst Köln, dann die eigene Mannschaft. (mit SZ/-yer)

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