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Donnerstag, 09.08.2018

An der alten Schule riecht man nix

Die Gemeinde Schwepnitz hat am Mittwoch eine neue Kläranlage eingeweiht. Die Investition umfasst 2,5 Millionen Euro.

Von Bernd Goldammer

Bürgermeisterin Elke Röthig und die Bauleute zwischen den Becken.
Bürgermeisterin Elke Röthig und die Bauleute zwischen den Becken.

© Bernd Goldammer

Schwepnitz. Die Schwepnitzer Bürgermeisterin ist für originelle Ideen bekannt. Die am Mittwoch könnte sogar in die Ortsgeschichte eingehen. Elke Röthig hatte alle Bauleute zu einem leckeren Frühstück an der neuen Schwepnitzer Kläranlage eingeladen. Es gab Getränke, zu denen Kamenzer Würstchen und Schwepnitzer Kartoffelsalat aufgetischt wurden. Und das mitten im Gelände der neuen Anlage. Verständlicherweise ließen sich die beteiligten Bau- Firmen das leckere Essen nicht entgehen. Wenig später war nichts mehr da. Bauleute und Gäste hatten einen prächtigen Appetit.

Nur fünfzig Meter von ihren Tischen und Bänken entfernt, hatte das neue Klärwerk seinen Dauerbetrieb aufgenommen. Das Zulaufpumpwerk förderte Abwasser zur mechanischen Reinigung. Alles geht wie von selbst. Zuerst werden Rechengut, Sand und Fette abgeschieden. Von dort fließt das Wasser in freiem Gefälle in die Belebungsbecken. Zwölf Liter Abwasser fließen hier jetzt pro Sekunde durch die Rohre. Die Abwässer werden geruchlos gereinigt, bis es, nach strengen deutschen Normen in den Kreislauf der Natur zurückgegeben wird. Viele der Gäste der Inbetriebnahme sind Experten im Wasser- und Abwasserbau. Sie kennen die hochmoderne Technik aus täglicher Arbeit. In den zurückliegenden Monaten haben sie hart gearbeitet, um die alte Interims-Kläranlage wie geplant vom Netz, nehmen zu können. Jetzt ist das geschafft und nun ließen sie sich das Festessen schmecken.

Beim Bau Granaten gefunden

Auch manch brenzliche Situation hatten sie während des 2,5 Millionen Euro teuren Vorhabens zu meistern. Beim Ausheben der Baugrube stieß der Baggerlöffel nach wenigen Minuten auf unterschiedliche Granaten deutscher und sowjetischer Kriegsproduktion. Plötzlich wurde lebendig, was über die Schwepnitzer Kämpfe gegen Ende des 2. Weltkrieges im Lausitzer Almanach steht. Diese Region war ein stark umkämpftes, blutiges Kampfgebiet. Als der Frieden erreicht war, wollte jemand das zusammengelesene Kriegszeug bei Aufräumarbeiten im tiefsten Bombentrichter an der Flackstellung für immer versenken. Das war sicher keine gute Idee, aber Krieg verengt den Blick für die Zukunft. Das Baugelände musste nach dieser Entdeckung nochmals gründlich untersucht werden.

Bürgermeisterin Elke Röthig streifte das Erlebte in ihrer Dankesrede nur mit wenigen Sätzen. Zum Glück und dank der perfekten Reaktionen aller Beteiligten war nichts passiert. Der Bau ging reibungslos weiter. Das Klärwerk ist eine Zukunftsinvestition für die Gemeinde. Der Anschlusswert wurde von 1 500 auf 2 200 Einwohnerwerte erhöht. „Die geplante Reinigungsleistung enthält eine Kapazitätsreserve von fast zehn Prozent, um die positive Bevölkerungsentwicklung in Schwepnitz zu berücksichtigen und um die weitere gewerbliche Entwicklung zu ermöglichen“, sagte die Bürgermeisterin. Bei Niederschlagsereignissen könne die Anlage ihre Kapazitäten fast verdoppeln. 23 Liter pro Sekunde werden dann solange durch das moderne Wasserreinigungssystem fließen, bis es über den angrenzenden „Wasserstrich“ dem Kreislauf der Natur in unbedenklichem Zustand zurückgegeben werden kann. Während des ganzen Prozesses ist hochempfindliche Sensortechnik der Wasserwirtschaft auf den Klärwerkskreislauf gerichtet. Bereits kleinste Abweichungen lösen selbstständig die Abläufe der Alarmsysteme in der Ewag Kamenz aus.