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Dienstag, 20.10.2009

Amt plant Todesfalle im Zeisigwald

Sorgenvoll blickt Stadtrat Klaus Möstl (65, SPD) auf die Überreste des Geländers im Zeisigwald. Nur noch einzelne Pfeiler und Latten, dahinter klafft der Abgrund zum Ratssteinbruch. Die Schutzabsperrungen sind weggebrochen. „Eine Gefahr für Leib und Leben“, ist sich Möstl sicher. Trotzdem will die Stadt nichts unternehmen.

Von Anke Schröck-Ester

Chemnitz - Möstl spaziert regelmäßig durch den Zeisigwald, bemerkte, in welch desolatem Zustand die Absperrungen rund um den ehemaligen Steinbruch sind. „Vom Zaun stehen vielleicht noch zehn Prozent“, sorgt er sich. Nur noch einzelne Pfosten ragen heraus, verfaulte Balken liegen in der Gegend. „Das ist wirklich gefährlich. Vor allem Ortsunkundige, die hier im Wald wandern, könnten leicht abrutschen, in die Tiefe stürzen.“ Der Höhenunterschied ist erheblich. „Zehn bis 15 Meter“, schätzt Möstl. Eine echte Todesfalle.

Seine Sorgen teilte Stadtrat Möstl vor Kurzem dem Rathaus mit. Doch die Antwort von Baubürgermeisterin Petra Wesseler (46, parteilos) haute ihn um. „Die vorhandenen hölzernen Absperrungen im Gebiet des Steinbruchs werden noch in diesem Jahr erneut auf ihre Standsicherheit überprüft“, teilte sie mit. „Ist diese nicht mehr gegeben, werden sie ersatzlos entfernt. Das Betreten des Waldes erfolgt auf eigene Gefahr.“ Dieser Teil gehöre zu einer Referenzfläche, die quasi in einen Urwald gewandelt und deswegen nicht mehr gepflegt wird.

Möstl ist empört: „Das ist eine Katastrophe!“ Er will sich dafür einsetzen, dass der Zaun repariert wird - „oder wenigstens Warnschilder aufgestellt werden“.