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Donnerstag, 17.05.2018

Altem Kunsthandwerk auf der Spur

Im lange leerstehenden einstigen Kavaliershaus gibt es jetzt eine Kreativwerkstatt. Dort kommen Kinder einem Schatz des Barockschlosses ganz nahe.

Von Sven Görner

Schlossrestauratorin Gabriele Hilsky (li.) und Angelika Graf vom Veranstaltungsmanagement des Moritzburger Barockschlosses (re.) haben gemeinsam ein neues museumspädagogisches Angebot entwickelt. Nach einem Test bei der Schlösserland-Saisoneröffnung im Palais im Dresdner Großen Garten folgt nun die Premiere vor Ort in Moritzburg.
Schlossrestauratorin Gabriele Hilsky (li.) und Angelika Graf vom Veranstaltungsmanagement des Moritzburger Barockschlosses (re.) haben gemeinsam ein neues museumspädagogisches Angebot entwickelt. Nach einem Test bei der Schlösserland-Saisoneröffnung im Palais im Dresdner Großen Garten folgt nun die Premiere vor Ort in Moritzburg.

© Norbert Millauer

Moritzburg. Ob das einzigartige Federzimmer August des Starken, eine der weltweit bedeutendsten Jagdtrophäensammlungen oder Teile aus dem legendären Wettiner-Schatzfund – Schloss Moritzburg hat viele Besonderheiten zu bieten. Doch der größte Schatz sind vermutlich die kostbaren barocken Ledertapeten.

Diese Wandbespannungen aus gepunztem oder geprägtem Leder schmücken noch immer 13 der rund 200 Räume. Weitere Tapeten lagern im Depot. Das Schloss verfügt damit über den weltweit größten Bestand. Und gemeinsam mit zahlreichen Partnern in der Region inzwischen wohl auch über das fundierteste Wissen über die Herstellung und für die Restaurierung dieser Kostbarkeiten.

Mit einem neuen museumspädagogischen Angebot, das Schlossrestauratorin Gabriele Hilsky und Angelika Graf vom Veranstaltungsmanagement des Schlosses gemeinsam entwickelt haben, sollen Mädchen und Jungen ab zehn Jahren nun die Möglichkeit bekommen, dieses alte Kunsthandwerk zu entdecken und zu verstehen.

Ganz nach Lust und Laune können dabei aus eigenen Ideen schmucke Traumfänger, Armbänder, Lesezeichen, Ohrringe oder kleine Wandbilder entstehen. „Die Kinder abreiten dabei unter anderem mit Resten des Leders, das wir auch für die Restaurierung der rund 300 Jahre alten Ledertapeten des Schlosses verwenden“, sagt die Restauratorin.

Bevor die Teilnehmer in der neuen Kreativwerkstatt selbst zum Werkzeug greifen und das Leder bearbeiten, zeigen ihnen die beiden Frauen im Schloss aber erst einmal die originalen Ledertapeten. Und erklären ihnen dabei auch den Unterschied zwischen Punzen und Prägen. Schließlich dürfen die Kinder auch noch einen Blick in das Reich von Gabriele Hilsky werfen – der modernen Restaurierungswerkstatt. Hier wurden Teile der wertvollen Wandbespannungen in den vergangenen Jahren mit viel Aufwand wieder in Ordnung gebracht.

Premiere hat das neue Angebot am kommenden Dienstag, an dem in Sachsen schulfrei ist. Die SZ hat sich bei einem Vorabbesuch am Mittwoch schon einmal in der Kreativwerkstatt umgesehen. Diese wurde in dem lange leerstehenden östlichen Kavaliershaus im Schlosspark eingerichtet. Nach der Sanierung des Hauses war dort vor einigen Jahren eine Ausstellung des Dresdner Naturkundemuseums zur Moritzburger Teichlandschaft eingerichtet worden. Leider fand die kleine, aber feine Schau nicht den erwarteten Zuspruch, was wohl auch an dem etwas abseits gelegenen Standort lag.

Nun also wird das Kavaliershaus wiederbelebt. An dem langen Arbeitstisch ist Platz für zwölf Kinder und maximal eine erwachsene Begleitperson. Vorerst sollen die Mädchen und Jungen das Leder nur punzieren. Also mit entsprechenden Metallstempeln Muster hineinschlagen. „Das Prägen dauert länger, weil das Leder dafür sehr feucht gemacht werden muss“, erklärt die Expertin. Da es nach dem Modellieren in Holzmodeln langsam trocknen muss könnten die Kinder ihre Arbeit dann nicht gleich mitnehmen. Ein paar Formen – eigentlich für Butter gedacht – hat Gabriele Hilsky aber schon besorgt.

Für das Punzieren stehen Stempel mit Tieren, Buchstaben und Blüten zur Verfügung. Und sogar ein paar richtige Restaurierungspunzen, wie sie auch bei der Arbeit an der Schloss-Ledertapete verwendet werden. „Die ersten aus Messing waren noch nicht ganz optimal“, erzählt die Restauratorin. „Dann haben wir welche aus gehärtetem Gewehrstahl anfertigen lassen. Die sind praktisch unverwüstlich.“

Obwohl Gabriele Hilsky sich mit dem Restaurieren bestens auskennt, haben die beiden Frauen für das neue Angebot viel experimentiert. „Wer will, soll das Leder ja auch farbig bearbeiten können.“ Verfahren wie vor 300 Jahren sind dafür nicht geeignet. Und so wurde Edding, Nagellack, Bastelleim und sogenanntes Artmetall ausprobiert. Letzteres wird ähnlich wie Blattgold aufgetragen.

Eingeplant sind für den kleinen Workshop drei Stunden. Angelika Graf befürchtet allerdings, dass das am Ende zu knapp bemessen sein könnte. „Wer teilnehmen möchte, sollte also lieber etwas mehr Zeit einplanen.“ Die Kosten betragen 12,50 Euro pro Kind, die Begleitperson ist frei. Vorerst gibt s zwei Termine: am 22. Mai und 2. Juni jeweils 11 Uhr. Eine Anmeldung ist unter 035207 873-18 oder -27 erforderlich.