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Montag, 25.04.2016

Alte Karte neu entdeckt

Eine Landkarte des Isergebirges kann 77 Jahre nach ihrer Entstehung endlich veröffentlicht werden.

Von Christian Henke

Mitglieder des Isergebirgsvereins (rechts im Bild Miloslav Nevrlý) präsentieren den Reprint der Isergebirgskarte von 1938.
Mitglieder des Isergebirgsvereins (rechts im Bild Miloslav Nevrlý) präsentieren den Reprint der Isergebirgskarte von 1938.

© Milan Drahonovsky

„Ohne die Spezialkarte von Josef Matouschek wäre mein Buch vom Isergebirge nicht entstanden“, hofiert Miloslav Nevrlý aus Liberec (Reichenberg) den von ihm verehrten Kartografen. Freudig übergießt der emeritierte und promovierte Museumsfachmann und Buchautor den soeben erschienenen Reprint (Nachdruck) der Isergebirgskarte von 1938 während der Kartentaufe in der „Prezidentská Chata“ in Janov nad Nisou (Johannesberg) mit einem Schwaps Iserwasser. Der 82-jährige Nevrlý gehört zum Urgestein des tschechischen Gebirgsvereins für das Jeschken- und Isergebirge, der für die Karten-Erstauflage verantwortlich ist. Im Auftrag des Vorstandes verfasste Miloslav Nevrlý den informativen Begleittext der Karte, der auch in deutscher und polnischer Übersetzung abgedruckt ist und damit ganz dem historischen Charakter des dargestellten Gebirgszuges Rechnung trägt.

„Josef Matouschek hat sich große Verdienste um die kartografische Darstellung und touristische Erschließung des Isergebirges erworben. Er schuf die berühmten Spezialkarten vom Jeschken- und Isergebirge im Maßstab 1:50 000 und sorgte für die systematische Markierung von auch heute noch genutzten Wanderwegen“, erklärt Miloslav Nevrlý die Aufmerksamkeit der Gebirgsfreunde für diesen Pionier der Bergtouristik. Unlängst versetzte der Verein „Patron“, der sich dem Erhalt und der Pflege von Kleindenkmalen im Isergebirge widmet, die Grabstätte des 1945 verstorbenen Matouschek auf dem Friedhof von Oldøichov v Hájich (Buschullersdorf) in aufwendiger und akribischer Arbeit in einen würdigen Zustand.

Der 1867 geborene Josef Matouschek entstammte einer tschechischen Lehrerfamilie. Der Textilindustrielle und Kunstsammler Heinrich von Liebieg als Arbeitgeber seines Vaters ermöglichte ihm ein Studium an der Handelsakademie in Reichenberg. Dort arbeitete er später als persönlicher Sekretär seines Wohltäters. „Matouschek schuf sich dabei die Freiräume, um Gebirgswanderungen zu unternehmen und sich in den neu gegründeten Gebirgsvereinen zu engagieren. Er war bald im Vorstand des Deutschen Gebirgsvereins für das Jeschken- und Isergebirge tätig und verantwortete vor allem das, was wir heute die Öffentlichkeitsarbeit nennen“, ergänzt Miloslav Nevrlý. Mehr und mehr konzentrierte sich der Autodidakt Matouschek auf den Entwurf äußerst detaillierter geografischer Karten. Der Radius seiner Interessen erstreckte sich bis in das Gebiet der böhmischen Mittelgebirge. Am bekanntesten allerdings ist seine Spezialkarte vom Jeschken- und Isergebirge aus dem Jahre 1927, die sich noch heute großer Beliebtheit erfreut und in den vergangenen Jahren drei Neuauflagen erfuhr.

1938 hatte er eine aktualisierte und ergänzte Farbkarte der Jeschken- und Iserregion fertiggestellt. „Die politische Situation nach dem Münchner Abkommen und der deutschen Besetzung des Sudetengebietes verhinderte allerdings eine offizielle Drucklegung. Die Darstellung der alten Grenze zwischen Deutschland und der Tschechoslowakei wird den Nazis wohl ein Dorn im Auge gewesen sein“, mutmaßt Miloslav Nevrlý. „Es muss aber einige Probedrucke gegeben haben“, so der Spezialist, „denn nach 1945 wurden drei farbige Teilkarten entdeckt.“ Außerdem existiert noch ein geretteter Schwarz-Weiß-Druck aus dem Nachlass von Josef Matouschek, der sich in Gustav Ginzels Misthaus in Jizerka (Klein-Iser) befand und vor nun 50 Jahren in Nevrlýs Hände gelangte. „Das war ein besonderer Glücksumstand, denn dieses Archiv ging 1995 beim Brand des Misthauses vollständig verlustig“, erinnert sich der Autor dankbar.

77 Jahre nach ihrer Entstehung wird diese Karte nun erstmals einer breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Der Vorstand des Gebirgsvereins hat sich letztlich entschieden, den Reprint zu zwei Dritteln im Farbdruck und einem Drittel im einfarbigen Druck von 1938 herauszugeben. Außerdem gibt es auf dem doppelseitigen Kartenblatt eine deutsch-tschechische Übertragung aller von Matouschek verwendeten Ortsnamen sowie eine Fülle von historischen Fotografien.

Der Gebietsumfang reicht bis zum Lausitzer Gebirge und dem westlichen Riesengebirge. Zu beziehen ist diese Spezialkarte je nach Wunsch gefaltet oder gerollt im Format 75 mal 127 Zentimeter mit Erläuterungen in deutscher, tschechischer und polnischer Sprache unter anderem über die renommierte Antiquariats-Buchhandlung Fryè in Liberec zum Preis von 175 Kronen (etwa 6,50 Euro).

Die Karte ist zu haben bei: Knihkupectvi Fryc, Pražská 14, Liberec 1

www.antik-fryc.cz

www.horskyspolek.cz