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Montag, 15.10.2018

Alte-Herren-Truppe misst sich bei Pokalpremiere mit Profis aus Brasilien

Von Stephan Klingbeil

Die „Alten Herren“ der SG Kesselsdorf nehmen als erstes deutsches Team an einem Turnier des Weltverbands AFIA teil. Foto: privat
Die „Alten Herren“ der SG Kesselsdorf nehmen als erstes deutsches Team an einem Turnier des Weltverbands AFIA teil. Foto: privat

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Echtes Neuland betreten in diesen Tagen die Alten Herren der SG Kesselsdorf (SGK). Die Freizeittruppe aus dem Wilsdruffer Ortsteil, die sonst nur Freundschaftsspiele bestreitet, nimmt jetzt als erstes deutsches Team an einem Turnier der AFIA teil. Es findet diese Woche in Portugal statt.

Die AFIA ist nach eigenen Angaben der weltgrößte Fußball-Verband im Seniorenbereich. Sie organisiert seit 1989 vor allem in Südamerika, aber mittlerweile ebenfalls in Portugal und Spanien, jährlich mehrere Fußballturniere mit Staffeln in verschiedenen Altersklassen, beginnend ab 40 Jahre.

Inzwischen waren über 400 Teams und mehr als 100 000 Teilnehmer an Turnieren der AFIA dabei. „Und nun nehmen wir als erste Mannschaft aus Deutschland teil“, erklärt der Kesselsdorfer Mirko Naumann. In der Algarve kicken neben den Sachsen auch Teams aus Brasilien und Portugal.

Die SGK-Oldies sind dort krasser Außenseiter. „Allein bei Ponta Negra spielen drei Profis, einer davon hat Champions League gespielt“, sagt Naumann. Am Montag steht das Auftaktmatch gegen Marista aus Brasilien an. Mittwoch folgt das nächste Spiel. Das Finale steigt am Donnerstag und danach die Abschlussfeier mit allen 20 Mannschaften. Parallel gebe es noch weitere Aktivitäten mit Fußballern anderer Teams.

Der SGK-Trupp fährt mit elf Kesselsdorfern nach Portugal und wird unterstützt von acht Routiniers anderer Oldie-Mannschaften, so etwa von Matthias Schlicke und Tino Ganzera von Dynamo Dresdens Alten Herren. Zwei befreundete Brasilianer komplettieren zudem die Auswahl vor Ort.

Die Kesselsdorfer waren in der Nacht zum Sonntag losgefahren in Richtung Berlin-Tegel, wo der Flieger nach München abhob. Von der bayrischen Landeshauptstadt aus sollte es dann nach Faro gehen. „Ich hoffe, der Orkan Leslie lässt uns auch dorthin kommen“, sagte Naumann kurz vor der Abreise. Sturm „Leslie“ war am Sonnabend vom Atlantik aus auf die Küste Portugals getroffen – abgeschwächt, aber dennoch mit erheblichen Folgen. Bis Sonntag hieß es, der AFIA Portugal Cup findet statt.

Dass nun dort mit der SGK ein deutsches Team startet, hat mehrere Gründe. Die AFIA sei zum einen „sehr interessiert“, die Wettbewerbsserie in Europa auszuweiten. Zum anderen wollten die Kesselsdorfer um Teamchef Mirko Naumann schon seit längerer Zeit bei so einem Turnier mitmischen. „Letztendlich begann alles mit einer Idee vor fast 15 Jahren“, blickt der 52-jährige IT-Chef eines größeren mittelständigen Unternehmens zurück.

Aufgrund einer Freundschaft mit Brasilianern und gegenseitigen Besuchen sei in der „dritten Halbzeit“, nach einer Partie der Alten Herren der SGK bei einem Bier die Idee aufgekommen, doch mal in Brasilien Fußball zu spielen. Es dauerte allerdings zehn Jahre, bis sie umgesetzt wurde.

Nach weiteren anderthalb Jahren Planung und Koordinierung war es soweit: Die Truppe mit 30 Kickern der SGK fuhr im Juni 2014 zur WM nach Brasilien, schaute sich in Salvador das Auftaktmatch des späteren Weltmeisters Deutschland gegen Portugal an. Dann gab es vor Ort dank der Unterstützung der deutschen Botschaft noch ein Revival-Spiel in Erinnerung an den WM-Sieg der DDR gegen die BRD 40 Jahre zuvor, das die Kesselsdorfer 3:2 gewannen.

Zudem kickten die Sachsen auch noch gegen Minas Brasil Tennis Cluba (MBTC) und verloren 0:3. Die Verbindung mit dem Klub brach nie ab. Und mit weiteren Besuchen Naumanns in Brasilien entwickelte sich eine Freundschaft mit den Spielern – und die Idee, dass die Alte-Herren-Truppe aus Kesselsdorf doch auch an einem Turnier der AFIA teilnimmt. Da der AFIA Portugal Cup gut in den Zeitplan passte, fiel die Wahl der SGK-Kicker auf diesen Wettstreit.

Der jetzige Start in der Algarve soll keine Ausnahme bleiben. 2019 könnten Teilnahmen auf Troja (Portugal) und Uruguay folgen. Und wer weiß, vielleicht gibt es bald auch ein AFIA-Turnier in Deutschland. „Vielleicht schon 2020, das Interesse ist groß“, so Naumann. „Und es gibt schon Ideen. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen.“