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Donnerstag, 21.06.2018

Alle in einem Boot

Beim Drachenbootfestival gehen zum ersten Mal Menschen mit und ohne Behinderung an den Start. Die Idee wird wachsen.

Von Nadja Laske

Mit vereinten Kräften geht es besser. Das Ruderteam behinderter und nicht-behinderter Menschen übt für das Drachenbootrennen am Wochenende.
Mit vereinten Kräften geht es besser. Das Ruderteam behinderter und nicht-behinderter Menschen übt für das Drachenbootrennen am Wochenende.

© Sven Ellger

Das Stochern im Wasser ist legendär. Jeder, der sich als Laie im Drachenbootfahren versucht, durchleidet diese Phase. Doch am Ende können alle darüber lachen, so auch die Mannschaft „Start frei – Barrierefrei!“. Als das Team der Lebenhilfe Dresden im Mai zum ersten Mal auf der Elbe trainierte, schippten sich alle gegenseitig mit Wasser voll. Die sogenannten Stechpaddel nicht nur im richtigen Winkel, sondern auch parallel zueinander einzutauchen, fällt schon schwer. Dabei den Rhythmus zu halten, ist die nächste Herausforderung und das Ganze möglichst flott.

Drei Trainingsabende später fühlen sich die Teilnehmer des 27. Drachenbootfestes fit für den Startschuss. Wenn am Wochenende das Elbhangfest gefeiert wird, lässt der Wassersportverein Am Blauen Wunder wieder seine Boote zu Wasser. In einem davon sitzen in diesem Jahr zum ersten Mal behinderte und nicht behinderte Menschen. Die Idee dazu hatte Cornelia Weber. Seit rund einem Jahr arbeitet sie als Projektkoordinatorin und in der „Wohnmeisterei“ des Vereins, in der Behinderte betreut und doch so selbstständig wie möglich wohnen können. „Ich fahre selbst Kajak und fand die Vorstellung klasse, Paddler mit und ohne Behinderung gemeinsam an den Start gehen zu lassen“, sagt sie. Unter anderen unterstützt die Lebenshilfe Dresden auch die erste inklusive Wohngemeinschaft im Osten Deutschlands. Dort leben unter dem Motto „6 plus 4 – das sind wir“ sechs behinderte mit vier nicht behinderten jungen Leuten zusammen.

Unter den 24 Drachenbootfahrern, die sich in den vergangenen Wochen zu einem Team zusammengerauft haben, ist auch Robby. Seine Mutter Monika wartet am Elbufer, während die Mannschaft trainiert. Wäre die Geburt ihres Sohnes vor 48 Jahren ohne Komplikationen verlaufen, stünde sie heute wahrscheinlich nicht hier. Akuter Sauerstoffmangel jedoch sorgte dafür, dass ihr Sohn sein halbes Leben lang an epileptischen Anfällen litt, geistig behindert ist und Betreuung braucht.

„Es ist toll, dass Robby hier dabei sein kann“, sagt sie. Er brauche immer neue Herausforderungen und sei stolz darauf an einem richtigen Wettkampf teilzunehmen. Das Zeug dazu hat er jedenfalls, wie auch die anderen zwölf Behinderten. Das trifft nicht auf alle zu, die über den Verein betreut werden und zum Teil in Werkstätten arbeiten. „Auf unseren Aufruf mitzumachen, hatten wir eine riesige Resonanz“, erzählt Cornelia Weber. Doch leider könne nicht jeder Interessent einen Platz im Boot bekommen. Schließlich seien gewisse körperliche und koordinative Fähigkeiten nötig. „Auch Rollstuhlfahrer hätten gern mitgemacht, doch für ihre Bedürfnisse haben wir bisher noch keine Lösung gefunden.“ Das aber soll nur eine Frage der Zeit sein. Die Lebenshilfe-Kollegen tüfteln an einem Plan, auch gehbehinderte Sportler ins Boot zu heben. „Paddeln ist ja dann kein Problem für sie“, sagt Cornelia Weber und ist zuversichtlich.

Anfeuern ist schon jetzt erlaubt. Für diesen Sonnabend sucht das Team noch mitfiebernde Zuschauer. Sie treffen sich 15 Uhr am Elbufer unterhalb des Bootshauses des WSV Am Blauen Wunder und finden dort sicher schnell den Stand der Lebenshilfe. Zwei Rennen sind garantiert.

www.lebenshilfe-dresden.de