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Freitag, 18.05.2018

Alkohol ist Drogenproblem Nummer 1 in Niesky

Die Diakonie-Berater haben es aber auch mit Crystal und Spielsucht zu tun. Bald haben sie mehr Zeit für die Betroffenen.

Von Thomas Staudt

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Hier gibt‘s Hilfe: In der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle der Diakonie in Niesky berät Denny Baxalary an vier Tagen die Woche Menschen mit Drogenproblemen. Ein Anstieg ist beim Konsum von Cannabis zu verzeichnen.
Hier gibt‘s Hilfe: In der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle der Diakonie in Niesky berät Denny Baxalary an vier Tagen die Woche Menschen mit Drogenproblemen. Ein Anstieg ist beim Konsum von Cannabis zu verzeichnen.

© André Schulze

  • Hier gibt‘s Hilfe: In der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle der Diakonie in Niesky berät Denny Baxalary an vier Tagen die Woche Menschen mit Drogenproblemen. Ein Anstieg ist beim Konsum von Cannabis zu verzeichnen.
    Hier gibt‘s Hilfe: In der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle der Diakonie in Niesky berät Denny Baxalary an vier Tagen die Woche Menschen mit Drogenproblemen. Ein Anstieg ist beim Konsum von Cannabis zu verzeichnen.

Niesky. Alkohol machte in Sachen Drogen in Niesky im vergangenen Jahr die größten Probleme. Das geht aus dem Jahresbericht der Diakonie Görlitz-Hoyerswerda hervor, den die Leiterin der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle Weißwasser/Niesky, Kerstin Schönwald, kürzlich vorstellte. Danach ging es bei 216 der insgesamt 340 Ratsuchenden um ein Alkoholproblem. An zweiter und dritter Stelle liegen illegale Drogen wie Crystal und Glücksspielsucht. „In Grenznähe ist ein Gramm Crystal Meth bereits für 20 Euro zu haben. In Hoyerswerda kostet die gleiche Menge rund 80 Euro“, so Schönwald. Von den 69 Klienten (Männer: 50, Frauen: 19) mit der Hauptdiagnose illegale Drogen waren 32 mit Methamphetamin-Konsum, also Crystal. Die meisten sind zwischen 25 und 39 Jahre alt.

Parallel dazu beobachteten die Berater einen steigenden Cannabis-Konsum. Aber nicht nur Betroffene holten sich Rat, sondern auch Angehörige (20 Personen).

Nicht alle kamen freiwillig. 62 Klienten suchten die Beratungsstellen auf, weil sie gerichtlich oder von den Jugendämtern dazu gezwungen wurden. Der weit überwiegende Teil waren ALG-II-Empfänger (141), weitere 34 wurden mit einer Eingliederungsvereinbarung durch das Jobcenter vermittelt. 154 Hilfesuchende kamen aus freien Stücken. Darunter sind alle gesellschaftlichen Schichten, vom Schüler, über den Banker bis zum Schichtarbeiter.

Insgesamt sind die Beratungen zurückgegangen. Noch 2012 wurden 388 Fälle verzeichnet (2017: 340). Ein vorläufiger Tiefststand wurde 2015 mit 311 Klienten erreicht. Die Anzahl der geführten Gespräche ist dagegen vergleichbar (2011: 1198; 2017: 1044). Auch die Therapieanträge für die Rehabilitation sind rückläufig. Von 24 im vergangenen Jahr beantragten Therapien wurden 19 bewilligt. Aber die Zahlen spiegeln nicht den tatsächlichen Drogenkonsum im nördlichen Landkreis, sondern das Klientel der Beratungsstellen wider. Die tatsächliche Zahl der Drogenkonsumenten dürfte um ein Vielfaches höher liegen.

In Niesky ist der Kommunikationspsychologe Denny Baxalary an vier Tagen die Woche Ansprechpartner für Hilfesuchende. Er geht davon aus, dass bei den Zahlen auch die gesellschaftliche Akzeptanz eine Rolle spielt. Bei Alkohol trauen sich Betroffene eher, Hilfe in Anspruch zu nehmen als bei illegalen Drogen, meint er. 30 Wochenstunden seiner Arbeitszeit widmet er der Suchtproblematik. Künftig sollen es wegen steigender Förderung 35 Stunden sein. Ob das bewilligt wird, ist noch nicht sicher. In acht der insgesamt 13 sächsischen Kreise kommt ein Suchtberater auf höchstens 20000 Einwohner. Der Landkreis Görlitz liegt in dieser Statistik an drittletzter Stelle. Nur in den Landkreisen Sächsische Schweiz/Osterzgebirge und Mittelsachsen gibt es weniger Suchtberatung.

Ein fester Bestandteil der Arbeit in den Beratungsstellen in Niesky und Weißwasser ist die Vorbereitung von Klienten auf eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU), sowohl im Einzelgespräch als auch in einem Motivationsprogramm für alkohol- und drogenauffällige Straßenverkehrsteilnehmer. 64 Klienten (2016: 49) waren aufgrund ihrer Führerscheinproblematik in der Beratungsstelle.

Jeder Tag ohne Sucht, sei ein gewonnener Tag, so Kerstin Schönwald. Deshalb wollen die beiden Beratungsstellen künftig ein größeres Augenmerk auf die Prävention legen, mit Info-Veranstaltungen an Grundschulen zum Beispiel.

www.diakonie-goerlitz.de