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Donnerstag, 30.10.2014

„Ali, boma ye!“

Vor 40 Jahren blickte die ganze Welt für eine Nacht auf Kinshasa zum „Rumble in the Jungle“. Boxlegende Muhammad Ali erkämpfte sich dabei einen seiner größten Siege. Gegner war der als unschlagbar geltende George Foreman.

Von Franko Koitzsch

Muhammad Ali (r) holte sich mit einem K.O.-Sieg gegen George Foreman am 30. Oktober 1974 in Kinshasa (Zaire) den Titel des Boxweltmeisters im Schwergewicht zurück.
Muhammad Ali (r) holte sich mit einem K.O.-Sieg gegen George Foreman am 30. Oktober 1974 in Kinshasa (Zaire) den Titel des Boxweltmeisters im Schwergewicht zurück.

© dpa

Hamburg. Muhammad Ali drückte sich rücklings in die Seile, die Schläge von Weltmeister George Foreman prasselten auf ihn nieder, Runde für Runde. „Das war’s wohl mit dem Größten“, kommentierten viele der Millionen Zuschauer rund um den Erdball den pompös inszenierten Boxkampf zwischen dem physisch überlegenen Foreman gegen Ex-Champion Ali. Doch plötzlich schmetterte Ali dem entkräfteten „Big George“ die Rechte an den Kopf. Foreman strauchelte und krachte zu Boden. „Ali, boma ye!““ („Ali, töte ihn!“) riefen die 40.000 Zuschauer im Nationalstadion von Kinshasa in Zaire, dem heutigen Kongo. Dem martialischen Verlangen des Publikums gab Ali glücklicherweise nicht nach. K.o. hatte er den 1,93 Meter großen Foreman in der achten Runde aber dennoch geschlagen.

„Rumble in the Jungle“ hieß das werbewirksam in Szene gesetzte Spektakel vor 40 Jahren am 30. Oktober 1974. Als „Kampf des Jahrhunderts“ wurde das Duell anschließend geadelt. Je größer der Abstand zum Ereignis, desto hymnischer die Elogen. Promotor Don King - schon damals mit Starkstromfrisur - hatte Kampf, Kämpfer und Gefolge nach Zaire transportiert. Grund: Dort mussten keine Steuern an den amerikanischen Staat abgeführt werden. Folge: fünf Millionen Dollar Reingewinn für jeden Boxer.

Ein Sieg, mit dem keiner rechnete

Dem neuen Weltmeister Ali und seinem Trainer Angelo Dundee wurde eine taktische Meisterleistung attestiert. Erst verschanzte sich Ali hinter einer Doppeldeckung und ließ zu, dass Muskelprotz Foreman sich austobte. Als der sieben Jahre jüngere Olympiasieger von 1968 mit seiner Kraft am Ende war, schlug Ali zu. Es war nicht mehr jener Muhammad Ali, der Jahre zuvor „schwebte wie ein Schmetterling und stach wie eine Biene“. Der berühmte Ali-Shuffle, das leichtfüßige Tänzeln durch den Ring, war nicht zu sehen. Aber „The Greatest“ war ein Coup gelungen, den ihm nahezu kein Experte zugetraut hatte.

Ali, dem der WM-Titel 1967 aberkannt worden war, weil er den Kriegsdienst verweigerte hatte und sich nicht in den Vietnam-Krieg zwingen lassen wollte, musste sich Anfang der 70er-Jahre erst wieder nach oben arbeiten. Die fünfjährige Gefängnisstrafe brauchte er zwar nicht anzutreten, die Boxlizenz war ihm aber für drei Jahre entzogen worden. Mehr denn je war der 32-Jährige der Liebling der Massen. Auch in Afrika. Da blieb Foreman nur die Rolle des Buhmannes. „Er war größer als der Präsident der Vereinigten Staaten, war der berühmteste Mensch der Welt“, sagte Foreman der Zeitung „Welt am Sonntag“ ehrfurchtsvoll über Alis Rolle. „Ich war dagegen ein brutaler Schläger.“

Psychotricks im Ring

Mit provokanten Sprüchen hatte Ali seinen Widerpart während des Kampfes in Rage gebracht. Foreman schlug und schlug und schlug. Aber Ali blieb stehen. „Du schlägst wie eine Memme. Du hast nichts drauf“, stichelte Ali. Noch Jahre später sei seine erste Niederlage, die er im 41. Profikampf hinnehmen musste, ein Trauma gewesen, gesatnde Foreman: „Er trieb mich in eine schwere Depression, raubte mir mein Selbstwertgefühl, meine Würde, meinen Stolz. Ich habe oft geheult. Es war das schlimmste Erlebnis meines Lebens.“

Zum Jubiläum des Duells will Foreman Ali besuchen. Der 65-Jährige ist gesundheitlich auf dem Posten. Ali, jetzt 72, bekanntermaßen nicht. Ob beide miteinander reden können, ist ungewiss. Die Parkinson-Krankheit lässt zuweilen nicht zu, dass Ali Worte formulieren kann. Verständigen können sich die beiden aber auch so. Auf Alis Großbild-Fernseher soll der legendäre Kampf erneut laufen. „In einer Endlosschleife“, wie Foreman behauptet. (dpa)

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