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Mittwoch, 26.03.2014

Albertbrücke zehn Monate gesperrt

Die Sanierung dauert deutlich länger als einst geplant – und bringt auch viele Einschränkungen.

Von Peter Hilbert

Die Albertbrücke wird saniert

Ronny Dührkopp (32) von der Fa. BLS aus Duisburg befestigt die Stahlträger für die Behelfstrasse der Versorgungsleitungen.
Ronny Dührkopp (32) von der Fa. BLS aus Duisburg befestigt die Stahlträger für die Behelfstrasse der Versorgungsleitungen.

© Steffen Füssel

Nach langem Streit um die Verkehrsführung haben die ersten Arbeiten an der Albertbrücke begonnen. Bis Mai 2016 soll die Elbquerung saniert sein. Doch bis dahin wird es zahlreiche Einschränkungen für die Dresdner geben. „Es ist wie eine Operation am offenen Herzen“, beschrieb Baubürgermeister Jörn Marx (CDU) gestern das komplizierte Vorhaben bei einem Vor-Ort-Termin. Gemeinsam mit Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz erläuterte er dort Details.

Das Großprojekt: 137 Jahre alte Brücke wird für 21 Millionen Euro saniert

Die 1877 übergebene Elbquerung hat eine Sanierung dringend nötig. Zwar sind die am Kriegsende gesprengten Bögen bis 1946 wiederhergestellt worden. Grundhaft saniert wurde die Albertbrücke aber noch nie. Dafür sollen jetzt rund 21 Millionen Euro investiert werden. An den Kosten beteiligen sich auch die Dresdner Verkehrsbetriebe, die Drewag, die Telekom, die Stadtentwässerung und Kabel Deutschland. Beim Umbau wird die Albertbrücke um 3,60 auf 22,20 Meter verbreitert. Künftig wird es neben den vier Fahrspuren auf beiden Seiten jeweils insgesamt rund vier Meter breite Geh- und Radwege geben.

Für Straßenbahnen wird eine sogenannte feste Fahrbahn angelegt. Die Gleise liegen dabei mit einem größeren Abstand als jetzt in einer stabilen Betonkonstruktion. Die neue Gleistrasse soll auch bei hoher Belastung 60 Jahre halten.

Die Bauzeit: Dichtungsarbeiten bei Kälte erfordern vier Zusatz-Monate

Allerdings wird sich die Bauzeit von den einst geplanten 21 auf 25 Monate verlängern. Ursprünglich sollte die Sanierung im September 2013 beginnen. Doch die FDP hatte die geplante neunmonatige Vollsperrung abgelehnt – und wurde auch von der CDU unterstützt. Diese Sanierungsvariante hätte viel länger gedauert und wäre mit 28 Millionen Euro auch viel teurer gewesen. Zudem hätte der Bau an der völlig maroden Brücke erst 2015 beginnen können. Das Risiko war der Stadt zu hoch. Deshalb entschied sie sich letztlich wieder für die jetzt geplante Strategie.

Der Baustart musste auf Mai 2014 verschoben werden. Die vier Zusatz-Monate sind wegen der technologischen Abläufe nötig, erklärt Straßenbauamtschef Koettnitz. Der Bau erstreckt sich über zwei Winter. Nach dem jetzigen Plan müssen in kalten Jahreszeiten Dichtungs- und Asphaltarbeiten ausgeführt werden. „Da haben wir Sicherheiten eingebaut, um einige Arbeiten auch in der wärmeren Jahreszeit ausführen zu können“, begründet er.

Die erste Bauphase: Brücke für Verkehr in Richtung Altstadt dicht

Ende Mai soll die Sanierung beginnen. Den Auftrag will die Stadt am 22. April vergeben. Im Vorfeld bauen Monteure schon jetzt Stahlkonsolen an die Behelfsbrücke, auf die Versorgungsleitungen verlegt werden. Außerdem werden Löcher am Sachsenplatz und am rechtselbischen Anschluss gebohrt, um Anschlüsse für die Rohre herstellen zu können.

In der ersten Bauphase wird ab Ende Mai auf der elbabwärts liegenden Brückenseite der Bereich um den Fußweg abgerissen. Dort errichten die Bauleute bis Ende Juli eine provisorische Straßenbahntrasse. Auf der Brücke wird es deutlich enger. Für den Verkehr steht nur noch eine Einbahnstraße in Richtung Neustadt zur Verfügung, erklärt Koettnitz. Auch die Straßenbahnen rollen auf einem Gleis. Kraftfahrzeuge in Richtung Altstadt werden über die Carola- und die Waldschlößchenbrücke umgeleitet.

Die Sperrphase: Bis Juni 2015 darf kein Auto über die Brücke fahren

Ganz eng wird es auf der Albertbrücke ab Ende Juli (siehe Grafik). Ab dann ist sie für den Kfz-Verkehr tabu. Und das nicht wie einst angekündigt, nur für neun, sondern für zehn Monate. Denn bis Juni 2015 soll die elbaufwärts liegende Brückenseite ausgebaut werden, kündigt Koettnitz an. Die Straßenbahn kann in beide Richtungen nur über das provisorische Gleis rollen.

Zuerst müssen in dieser Bauphase Brüstungselemente und Geländer abgebaut sowie Stirnwände abgebrochen werden. Komplett freigelegt werden die Brückengewölbe auf dieser Hälfte. Danach werden sie mit Beton aufgefüllt. Darüber errichten die Bauleute die neue Fahrbahnplatte mit dem Gleis und der Straße.

Das Finale: Die letzten elf Monate gibt es wieder nur eine Einbahnstraße

Zwar soll ab Juni 2015 der Verkehr über eine neue Fahrbahn rollen. Aber wieder nur in Richtung Neustadt. Kraftfahrzeuge, die auf die Altstädter Seite wollen, werden bis zum Bauende weiter über die Carola- und die Waldschlößchenbrücke umgeleitet. Die Straßenbahnen rollen in beide Richtungen über ein neues Gleis. Bis zum Bauende, das Koettnitz auf Mai, spätestens für Juni 2016 datiert, wird die stadtwärts liegende so wie die dann bereits fertige Brückenhälfte ausgebaut.

Der Straßenbahnverkehr: Sperrungen summieren sich auf acht Wochen

Bei der Brückensanierung wird es keine größeren Einschnitte im Fahrplan der Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) geben. Allerdings sind kürzere Sperrungen nötig, die sich insgesamt auf acht Wochen summieren. So beispielsweise, wenn Gleisanschlüsse hergestellt werden. „Die Sperrzeiten liegen aber vor allem an Wochenenden und in den Ferien“, erklärt DVB-Bauchef Leonard Hanusch. Dadurch wird es keine größeren Einschränkungen im Schülerverkehr geben.

Nach der Übergabe: Behelfsbrücke muss wieder abgebrochen werden

Allerdings sind Mitte 2016 noch nicht alle Arbeiten beendet. So kann die Brückenunterseite erst rekonstruiert werden, wenn das Mauerwerk ausgetrocknet ist, sagt Koettnitz. Außerdem muss die 2011 übergebene Behelfsbrücke für Fußgänger und Radfahrer abgebrochen werden. Dafür sei etwa ein halbes Jahr nötig.