erweiterte Suche
Donnerstag, 08.03.2018

AfD-Politiker treffen sich mit syrischem Großmufti

Die Reise einer Gruppe von Abgeordneten nach Damaskus hat scharfe Kritik ausgelöst. Die Bundesregierung spricht von Hofierung des Assad-Regimes.

34

Der AfD-Landtagsabgeordnete Christian Blex schüttelte Syriens Großmufti Ahmed Hassun die Hand.
Der AfD-Landtagsabgeordnete Christian Blex schüttelte Syriens Großmufti Ahmed Hassun die Hand.

© Screenshot: Twitter/ChristianBlex

Damaskus/Berlin. Gespräche von AfD-Abgeordneten mit ranghohen Vertretern der syrischen Regierung in Damaskus haben in Deutschland Kritik ausgelöst. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Mittwoch in Berlin: „Das syrische Regime zeigt jeden Tag, wie menschenverachtend es vorgeht.“ Das Leiden von Zivilisten in Idlib, Aleppo und Ost-Ghuta sei „ein Leiden, das Präsident Assad befiehlt oder in Kauf nimmt“. „Wer dieses Regime hofiert, der disqualifiziert sich selbst“, fügte er hinzu. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes betonte, das Ministerium sei über die Reise der AfD-Abgeordneten vorab nicht informiert worden.

Der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christian Blex veröffentlichte auf Facebook und Twitter unter anderem Bilder von einem Treffen mit dem syrischen Staatsminister für nationale Versöhnung, Ali Haidar, am Dienstagabend in Damaskus.

Die AfD-Gruppe hält sich seit Anfang der Woche in Syrien auf. Ihr gehören Abgeordnete des Bundestages und des nordrhein-westfälischen Landtags an. Die AfD-Politiker hatten am Montag den regierungsnahen Großmufti von Syrien, Ahmed Hassun, getroffen. Dieser hatte 2011 für den Fall einer westlichen Militärintervention gedroht, Selbstmordattentäter nach Europa und Amerika zu schicken. Die AfD-Abgeordneten wollten mit ihrem Besuch auch ihre Forderung nach einer Rückkehr von Flüchtlingen nach Syrien unterstreichen.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sagte: „Eines geht nicht (...), sich mit Menschen zu treffen, die uns angedroht haben, unser Land zu bombardieren und hier Terroranschläge zu machen, und dann so zu tun, als wenn sie die größten Friedensengel wären. Das finde ich abstoßend.“ CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer sagte, die AfD-Parlamentarier unterstützten „diejenigen, die durch den Krieg in Syrien dafür verantwortlich sind, dass sich überhaupt so viele Menschen auf der Flucht befinden und so viele Menschen nicht in der Heimat bleiben können“.

Der Repräsentant des Uno-Flüchtlingshilfswerks UNHCR in Deutschland, Dominik Bartsch, erklärte: „In Syrien gibt es jetzt seit sieben Jahren einen grausamen Konflikt mit Hunderttausenden Toten und Millionen Flüchtlingen. Jeden Tag sterben Menschen, auch diese Woche, auch heute.“ Um die Situation in dem Land zu erfassen, bedürfe es einer genauen Analyse, keines Kurzbesuchs. Aus Sicht des UNHCR seien Rückführungen nach Syrien derzeit verfrüht.

Der AfD-Vorsitzende Jörg Meuthen stellte sich hinter die Parlamentariergruppe. Er sagte der Bild-Zeitung, die „völlig überzogenen Reaktionen von CDU- und SPD-Abgeordneten“ belegten nur, dass diese Parteien jede außenpolitische Kompetenz verloren hätten. (dpa)

Leser-Kommentare

Seite 1 von 7

Insgesamt 34 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. Ernst Haft

    >„Das syrische Regime zeigt jeden Tag, wie menschenverachtend es vorgeht.“< --- >Das Leiden von Zivilisten in Idlib, Aleppo und Ost-Ghuta sei „ein Leiden, das Präsident Assad befiehlt oder in Kauf nimmt“< ---Wenn ich so einen Schwachsinn lese! Kein Wort, warum, aus welchen geostrategischen Gründen der Krieg in dieses Land getragen wurde! Wer sich darüber in formieren möchte, dem sei Daniele Ganzer empfohlen! -- Und dann immer wieder diese herabwürdigenden Bezeichnungen wie: „ Machthaber, Diktatur, Regime…“. Was würde denn in unserem Land passieren, wenn sogenannte gemäßigte Rebellen die liebe Frau Merkel bekämpfen würden? Würde die Dame dann zurücktreten und sagen, „Oh nein, ich kann doch nicht auf mein Volk schießen“? Wann wird hier endlich begriffen, dass es hier nur darum geht den „bösen“ Assad zu beseitigen, weil er nicht so will, wie die Amis wollen?

  2. Ernst Haft

    Assad hat für Syrien vor dem sogenannten Bürgerkrieg hervorragendes für sein Volk geleistet und er hatte den verschiedenen Religionen eine friedliche Koexistenz gewährt! ES REICHT PRESSE! ES REICHT SEIBT!

  3. beobachter

    Die Opposition handelt, die Bundesregierung meckert. Früher war das umgekehrt: AfD-Politiker treffen viele Menschen in Syrien, um sich ein Bild von der Lage zu machen, auch verschiedene religiöse Führer. Einer dieser Führer, der in der deutschen Wikipedia als liberal und unbedenklich beschrieben wird, hat vor Jahren dem Westen gedroht und die Kartellparteien drehen jetzt komplett durch. Geht noch mehr Heuchelei?

  4. Mutig

    Ich kann nur hoffen, dass die Herren von der AfD auch einen Stadtspaziergang durch Ost-Ghouta und Aleppo im Programm hatten, oder wenigstens einen Rundflug über diese Gebiete. Es ist nicht zu fassen, was sich in diesen Köpfen abspielt. Ob auch das Thema Waffenruhe und Friedensgespräche angesprochen wurde ???

  5. San Tiago

    Richtig und wichtig, daß sich Abgeordnete vor Ort informieren, wie die Lage tatsächlich in Syrien ist. Ich gehe davon aus, daß ein Flüchtling in seine Heimat zurückkehren muß, wenn die Fluchtursache nicht mehr vorhanden ist. Deshalb halte ich es für notwendig, daß man diese Informationen nicht nur von einer Ein-Mann-Organisation aus Coventry bezieht.

Alle Kommentare anzeigen

Seite 1 von 7

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.