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Montag, 20.08.2018

Acht Fakten zur Mega-Baustelle A 4

Auf der Autobahn A 4 zwischen Dreieck Dresden-West und der Abfahrt Wilsdruff staut es sich wegen Unfällen fast täglich. Eine sehr hohe Belastung ist das aber nicht nur für Autofahrer und Bauarbeiter.

Die Dauerbaustelle auf der A4 zwischen Wilsdruff und Dresden-West.
Die Dauerbaustelle auf der A4 zwischen Wilsdruff und Dresden-West.

© Karl-Ludwig Oberthür

Wilsdruff. Es vergeht fast kein Tag, an dem der Name der Stadt Wilsdruff nicht im Radio zu hören ist – und zwar im Zusammenhang mit einem der derzeit größten und für Autofahrer ärgerlichsten Straßenbauvorhaben im Freistaat. Die SZ hat die Fakten zum Straßenbau und Unfallgeschehen auf dem nur wenige Kilometer langen Teilstück zusammen-getragen. (SZ/mb)

Baustelle A4

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Knapp 4 Kilometer Autobahn werden saniert.

Seit April werden vier Kilometer Autobahn zwischen dem Dreieck Dresden-West und der Abfahrt Wilsdruff in Fahrtrichtung Chemnitz saniert. Im Auftrag des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) wurde und wird die komplette marode Betonfahrbahn ausgebaut. Grund ist der sogenannte Betonkrebs. Die Arbeiten auf den beiden Überholspuren sind inzwischen abgeschlossen, der Verkehr rollt bereits über die neu asphaltierten Fahrspuren, sagt Lasuv-Sprecherin Isabel Siebert. Aktuell sind Standstreifen und Lkw-Spur gesperrt, hier arbeiten noch die Fräsen, um den alten Betonbelag komplett abzutragen. Auch die kleinen Abschnitte in Asphaltbauweise an den Brücken und zum Teil an den Anschlussstellen werden abgefräst. Ende August beginnt die Asphaltfertigung. Wenn der komplette Belag eingebaut ist, müssen noch die Leitplanken ausgetauscht sowie Markierung und Beschilderung erneuert werden. „Nach gegenwärtigem Stand schaffen wir das Ziel, Ende Oktober fertig zu sein“, sagt Siebert.

Die Feuerwehr ist seit April im Dauereinsatz.

Seit dem Beginn der Bauarbeiten auf diesem Autobahnabschnitt hat die Zahl der Unfälle enorm zugenommen. Eine genaue Zahl kann die Polizeidirektion Dresden nicht nennen, weil die Aufarbeitung der Unfälle zwischen vier und sechs Wochen dauert. Die Zeit werde gebraucht, um den Unfallhergang genau zu rekonstruieren, den Schuldigen und die Schadenshöhe zu ermitteln, sagt Polizeisprecher Marko Laske. Die Wilsdruffer Feuerwehr ist zwischen April und Juli 18 Mal zu diesem Abschnitt ausgerückt, erklärt Stadtwehrleiter Falk Arnhold. Im Vorjahr wurde sie im gleichen Zeitraum zu sieben Unfällen auf diesem Abschnitt gerufen.

Zahl der Einsatzstunden hat sich verdreifacht.

Nicht nur die Zahl der Einsätze auf der Autobahn hat sich zwischen April und Juli erhöht. Auch die Zahl der Einsatzstunden hat rapide zugenommen. Waren die Wilsdruffer Kameraden 2017 rund 150 Stunden auf dem Abschnitt zugange, ist diese Zahl „explosionsartig“ angestiegen, sagt Stadtwehrleiter Falk Arnhold. In den vier Monaten absolvierten die Rettungskräfte aus Wilsdruff 538 Stunden auf dem Abschnitt Wilsdruff-Dresden.

Die Zahl der schweren Unfälle ist auf dem Autobahnabschnitt sehr hoch.

Wenn es auf dem Autobahnabschnitt knallt, dann heftig. Die Wilsdruffer Feuerwehr stuft elf der 18 Unfälle als schwer bis sehr schwer ein. In neun Fällen musste sie Menschen befreien, die eingeklemmt waren. Der bisher schwerste Unfall ereignete sich am 13. Juli, sagt Stadtwehrleiter Falk Arnhold. Bei dem Unfall in Richtung Dresden wurde ein Mensch getötet und ein anderer eingeklemmt. Auch den 31. Mai werden die Feuerwehrleute so schnell nicht vergessen. An dem Unfall waren zwei Lastwagen und Kleinlastkraftwagen beteiligt. Die Feuerwehr holte einen schwer eingeklemmten Menschen aus den Wracks.

Vier Wehren sind besonders oft im Einsatz auf der Autobahn.

Die hohen Unfallzahlen auf der Autobahn betreffen nicht alle Ortswehren gleich. Besonders oft werden die Ortswehren von Wilsdruff, Kaufbach, Grumbach, Kesselsdorf und Klipphausen angefordert. Damit deren Einsatzkräfte das Erlebte auch bewältigen, werden nach den Einsätzen Gespräche geführt, damit sie das Gesehene verarbeiten können. Nach manchen Einsätzen ist das Kriseninterventionsteam vor Ort. Auch das Einsatznachsorgeteam der Landesfeuerwehrschule Sachsen hilft, in dem es die Führungskräfte schult, sagt Stadtwehrleiter Falk Arnhold.

Die A4 ist ein Unfallschwerpunkt

Es ist kein Geheimnis: Die A4 zwischen Wilsdruff und Dresden ist ein Unfallschwerpunkt. Grund dafür ist nicht nur die aktuelle Baustelle, sondern auch das enorm gewachsene Verkehrsaufkommen. Das belegen die Zahlen, die die Bundesanstalt für Straßenwesen am Messpunkt Rothschönberg erfasst. Demnach rollten dort 2006 tagtäglich im Durchschnitt 76800 Fahrzeuge vorbei, fünf Jahre später waren es bereits 83680 Fahrzeuge. 2016, aktuelle Zahlen hat die Bundesanstalt noch nicht veröffentlicht, ist die Zahl der Fahrzeuge auf 92870 angewachsen. Über all die Jahre war der Verkehr in beide Richtungen etwa gleich stark. Um die Autobahn zu entschärfen, müsste sie auf diesem Abschnitt auf acht Spuren ausgebaut werden. Das strebt das sächsische Verkehrsministerium an, sagt Isabel Siebert vom Landesamt für Straßenbau und Verkehr. Bis es so weit ist, wird sich die Unfallkommission noch oft mit der A4 befassen. In der Vergangenheit wurden Tempolimits, Zusatzbeschilderungen und Lkw-Überholverbote festgelegt, die bereits realisiert sind. Der Wilsdruffer Feuerwehr reicht das nicht. Sie fordert nicht nur große Hinweisschilder für den Baustellenbeginn und die Staugefahr, sondern auch Geschwindigkeits- und Abstandskontrollen vor und in den Baustellenspuren. Polizeisprecher Marko Laske erklärt gegenüber der SZ, dass dies bereits praktiziert werde.

Einige Autos stören den Bauablauf.

Wenn es zu Unfällen kommt, versuchen einige Autofahrer bei Stau durch das Baufeld abzukürzen, berichtet Isabel Siebert vom „Landesamt für Straßenbau und Verkehr.“ Damit gefährden sie die vor Ort tätigen Mitarbeiter der Baufirmen. Die allerdings rechnen mit solchen Vorfällen und verhalten sich „zum Selbstschutz entsprechend umsichtig“, sagt Siebert. Auch liegengebliebene Fahrzeuge stehen oft stundenlang im Baufeld. Der Ablaufplan konnte trotz dieser Stauauswirkungen eingehalten werden.

Viele Autofahrer kennen die Rettungsgasse nicht.Eigentlich sollte jeder Autofahrer wissen, wie man sich bei Unfällen auf Autobahnen verhalten soll. Damit Rettungskräfte schnell zum Unfallort vordringen können, muss eine Rettungsgasse bereits gebildet werden, wenn der Verkehr stockt. Das ist verpflichtend. Die Rettungsgasse selbst ist immer zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen zu bilden. Bei Unfällen auf der A4 hat das nicht immer funktioniert, sagt Wilsdruffs Stadtwehrleiter Falk Arnhold. Durch die sporadisch gebildeten Rettungsgassen seien bereits drei Fahrzeuge seiner Feuerwehr bei Einsätzen beschädigt worden.