erweiterte Suche
Freitag, 25.05.2018

Abzocke bei Notdiensten

Von Sabine Meuter

Ob Wasserrohrbruch, Heizungsausfall oder Sturmschaden am Dach – derartige häusliche Katastrophen halten sich nicht an Arbeitszeiten. Dabei ist gerade in solchen Situationen schnelle Hilfe gefragt. Wer in Notfällen nach Fachleuten sucht, sollte immer daran denken: Auf dem Markt tummeln sich auch unseriöse Anbieter.

Ein Notdienst, der am späten Abend oder am Wochenende anrückt, erhebt oft einen Aufschlag von 50 bis 100 Prozent. Dagegen ist juristisch nichts einzuwenden. Aber: „Der Zuschlag kann sich nur auf den Lohn und die lohnabhängigen Kosten beziehen, die im Stundenverrechnungssatz und in den Wegekosten enthalten sind“, sagt Christian Gollner von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Unzulässig sei es, den Aufschlag unter die Gesamtrechnung zu setzen, in der auch Kosten für Spezialwerkzeuge oder Ersatzteile enthalten sind. Wer eine solche Rechnung erhält, sollte sie anfechten. „Es ist empfehlenswert, im Voraus einen Preis zu vereinbaren“, sagt Corinna Kodim vom Eigentümerverband Haus & Grund Deutschland.

Der Preis setzt sich zusammen aus dem Stundenlohn, den Anfahrtskosten, der Höhe des Zuschlags und dem Preis eventueller Ersatzteile. Summen, die am Telefon genannt werden, sind rechtlich bindend. Fällt später die Rechnung deutlich höher aus, kann sie angefochten werden. Manche Notdienste bestehen auf Kartenzahlung oder Bargeld. „Darauf muss man sich nicht einlassen“, sagt Kodim.

Eine Bargeldzahlung kommt allein aus steuerrechtlichen Gründen nicht infrage – der Kunde braucht, um Handwerkerleistungen steuerlich geltend zu machen, eine Rechnung, und die Zahlung muss auf das Konto des Handwerksbetriebs erfolgen. Wird der Kunde zur unverzüglichen Zahlung genötigt oder bedroht, sollte die Polizei gerufen werden.

Lässt sich der Kunde auf eine Barzahlung ein, sollte neben der Rechnungssumme handschriftlich „unter Vorbehalt“ vermerkt werden. Damit hat der Kunde bessere Karten, wenn er später gegen die Rechnung rechtlich vorgehen will. „Generell ratsam ist, schon bei der Kontaktaufnahme eine Überweisung als Zahlungsmöglichkeit zu vereinbaren“, sagt Gollner.

Aber wie können sich Verbraucher wappnen, damit sie erst gar nicht in die Falle eines unseriösen Notdienstes tappen? Ideal ist es, bereits im Vorfeld den Handwerker seines Vertrauens anzusprechen. Bietet er keinen Notdienst an, wird man bei der Handwerkersuche auf der Webseite des Zentralverbands Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) fündig. „Hilfreich ist es natürlich, wenn man bereits die Installation und Wartung von einem Handwerker ausführen lässt, der selbst einen Notdienst anbietet“, sagt Henning Gandesbergen vom ZVSHK. Der Kunde kennt den Handwerker, und der Handwerker kennt das Objekt.

Kommt es zu einem Wasserrohrbruch oder einem Heizungsausfall in einer Mietwohnung, müssen Mieter als Erstes ihren Vermieter verständigen, erklärt Rolf Janßen vom Mieterschutzverein (DMB). Ist der Vermieter nicht zu erreichen, sollte sich der Mieter vergewissern, ob für solche Notfälle etwa im Treppenhaus Notdiensttelefonnummern ausgehängt sind oder auf sonstige Weise – etwa durch Infoschreiben an die Mieter– darauf hingewiesen wurde.

Sind dem Mieter keine Notdiensttelefonnummern bekannt und ist der Vermieter nicht zu erreichen, dann darf unter bestimmten Umständen der Mieter auch selbst einen Notdienst mit der Schadensbehebung beauftragen – auf Kosten des Vermieters. „Bei Heizungsausfällen ist dies gegeben, wenn die Temperatur in der gesamten Wohnung durch die Havarie unter 18 Grad Celsius gesunken ist“, sagt Janßen. Um einen späteren Streit um die Kosten zu vermeiden, sollte mit dem Vermieter im Vorfeld eine Regelung getroffen werden.

Ein Tipp für Hauseigentümer: „Wasserschäden können über eine Hausratsversicherung versichert werden“, sagt Kodim. Wenn Wasser infolge eines Rohrbruchs oder einer Leckstelle austritt, werden vom Versicherer die Kosten für Trocknung und Beseitigung der Schäden übernommen. „In dem Fall muss der Schaden unverzüglich der Versicherung gemeldet und alles versucht werden, den Schaden so gering wie möglich zu halten“, so Kodim.

(dpa)