erweiterte Suche
Montag, 23.04.2018

Abseitstreffer, Kullertor, Platzverweis, Sieg

Dynamos Spiel in Kaiserslautern ist nichts für schwache Nerven, doch das 1:0 verdient – und auch der Trainer erleichtert.

Von Tino Meyer, Kaiserslautern

3

Elegant umkurvt Moussa Koné den Lauterer Torhüter Marius Müller, doch das Tor zählt nicht, der Schiri-Assistent hat im Hintergrund bereits die Fahne gehoben.
Elegant umkurvt Moussa Koné den Lauterer Torhüter Marius Müller, doch das Tor zählt nicht, der Schiri-Assistent hat im Hintergrund bereits die Fahne gehoben.

© Jan Huebner

Er hat keine Chance, das weiß Erich Berko genau. Ein Tor des Monats ist sein Treffer wirklich nicht, ihm das aber egal. „Das war auch nicht Sinn und Zweck des Tores. Der Ball musste irgendwie über die Linie, und das mit aller Macht“, sagt Berko über jene Szene in der 79. Minute, mit der er das entscheidende, weil einzige reguläre Tor im Spiel zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Dynamo Dresden erzielt hat.

Der Abstiegskampf ist für die Schwarz-Gelben damit zwar nicht beendet, die Chance auf ein weiteres Jahr in der 2. Fußball-Bundesliga allerdings beträchtlich gestiegen. Zumindest einen Ehrenplatz in der Saisonchronik hat der Mittelfeldspieler allemal sicher – auch wenn ihn das am Sonntagnachmittag ebenso wenig kümmert wie die Tatsache, dass Dynamo überhaupt zum ersten Mal auf dem einst so gefürchteten Betzenberg gewonnen hat. Nach 90 heißen Minuten bei gut 30 Grad Celsius sind die Dresdner inklusive Berko einfach nur zufrieden mit dem Ergebnis. „Wir fahren jetzt ein paar Stunden nach Hause und freuen uns alle“, meint Uwe Neuhaus und spricht von einem Sieg des Willens und der Leidenschaft.

Als der Schiedsrichter die Partie nach 96 Minuten abpfeift, ist die Erleichterung auch Dynamos oft in sich ruhenden Cheftrainer anzusehen. Er fällt seinem Assistenten Peter Nemeth in die Arme, beide halten sich fest – und einen Moment inne. Die mutmaßlich kniffligste, angespannteste, arbeitsintensivste und anstrengendste Woche haben sie soeben erfolgreich beendet.

„Das sind schon spezielle Momente“, meint Neuhaus und bezieht sich noch einmal auf die Spielvorbereitung – wohlwissend, was auf dem Spiel gestanden hat. Eine Niederlage hätte Dynamos Position im Abstiegskampf wegen der deutlichen Pleite des FC St. Pauli nicht verschlechtert, Neuhaus aber womöglich den Job gekostet. Diese vor allem nervliche Belastung ist jetzt weg, wenn auch nur für einen Augenblick. „Wir sind noch nicht fertig, das habe ich der Mannschaft sofort gesagt. Wir sind weit davon entfernt, uns in einer sicheren Position zu fühlen“, sagt Neuhaus. Drei Spieltage vor Schluss hat Dynamo nun die oft als Klassenerhaltsziel ausgegebenen 40 Punkte gesammelt, nur reichen die in dieser Saison höchstwahrscheinlich für den Ligaverbleib nicht. Drei Punkte beträgt der Abstand zum Abstiegsrelegationsrang – auch wenn sich die Dresdner mit dem schwer erkämpften Sieg gegen erstaunlich körperlos spielende, sichtlich verunsicherte Gastgeber bis auf den elften Tabellenplatz verbessert haben.

Als die Gedanken schon um die sich anbahnende Nullnummer kreisen, ist schließlich Berko zur Stelle. Und anders als bei Moussa Koné in der Nachspielzeit der ersten Hälfte, der bei seinem Tor knapp im Abseits steht, zählt der Treffer auch. „Das haben die Jungs super herausgespielt, allen voran Paco“, sagt Berko und meint den eingewechselten Pascal Testroet und dessen Pass in den Strafraum.

Frei vor Kaiserslauterns Torwart Marius Müller scheitert der Torschütze dann im ersten Versuch, doch der abgewehrte Ball landet irgendwie an Berkos Brust, prallt nach vorne ab und trudelt ins leere Tor. Mit einem Krampf muss er danach ausgewechselt werden – auch das steht sinnbildlich für den Einsatz. Die Mentalität habe absolut gestimmt, betont Abwehrchef Florian Ballas und will das auf das gesamte Team bezogen wissen. Tatsächlich scheint es, als habe der zugespitzte Abstiegskampf die Mannschaft noch einmal enger zusammenrücken lassen.

Dass mit Niklas Hauptmann und Philip Heise zwei Leistungsträger wegen muskulärer Probleme ausgefallen sind, hat Dynamo kämpferisch kompensiert und mit großer Cleverness zudem die letzten zehn Minuten nach dem Platzverweis für Kapitän Marco Hartmann überstanden.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

Alle Kommentare anzeigen

  1. DynamoVolker

    Das war die richtige Reaktion auf die vielen "Alles-Schlecht-Redner" und Hobby-Wahrsager der letzten Woche - auch hier in den Kommentarspalten. Es waren hart erkämpfte 3 Punkte, die enorm wichtig sind. Glückwunsch an die Mannschaft und das Trainertaem, das uns hoffentlich auch in der nächsten Zweitligasaison erhalten bleibt. Bis dahin werden wir auch in den verbleibenden Spielen sicher keinen Hurra-Fußball erwarten können, aber eine Mannschaft, die sich bis zur letzten Minute zerreißt um die noch benötigten Punkte einzufahren. Dafür braucht sie auch am Samstag wieder die Unterstützung aller, die - wie ich - an die Jungs und den Klassenerhalt geglaubt haben und glauben.

  2. edelsachse

    daumen hoch volker, genau so sieht es aus!

  3. Moritzburger

    Glückwunsch an die Mannschaft. Bei dieser Ausgangslage, dem Druck des Abstiegskampfes, dem bisher unbezwingbaren Betzenberg einen Dreier heimzubringen, zeugt von Charakter. Jetzt nicht schlapp machen, denn das Ding ist noch nicht in trockenen Tüchern. Und bitte nächste Saison noch professioneller werden mit Mentaltrainer und allem pi pa po. Das ist kein Hokus Pokus, hilft vielleicht nicht allen, aber bringt bei manchem den entscheidenden Impuls. Und das reicht schon oft, wie man nicht nur diese Saison gesehen hat. Wie heißt es doch immer: ein Spiel wird im Kopf entschieden. Also mehr Kopf- statt Beinarbeit.

Alle Kommentare anzeigen

Kommentare können nur in der Zeit von 8:00 bis 18:00 Uhr abgegeben werden.